DAS DING MIT FEDERN

Thing with Feathers - (c) PLAIONTHE THING WITH FEATHERS
– Bundesstart 15.10.2026
– Release 31.10.2025 (ESP)

Preview, Cinecitta Nürnberg, 05.10.2026

Es wird eine ewige Streitfrage bleiben: Die Sinnhaftigkeit und Sorgfalt von Adaptionen – in beide Richtungen des jeweiligen Mediums. Jede plausible Rechtfertigung findet ihr verständliches Gegenargument. Die zusammengefassten Stimmen für Max Porters Debütroman „Trauer ist das Ding mit Federn“ beschreiben diesen als unkonventionell, zutiefst traurig, urkomisch, ehrlich und poetisch. Bis auf die Attribute von urkomisch und poetisch findet sich der Rest durchaus in Dylan Southerns filmischer Adaption wieder. Die Nichtleser werden beim Sichten dieses Films eine Vorstellung davon bekommen, was den Erfolg des Romans ausmacht. Leider wird dabei auch allzu deutlich, warum der Film das nicht schafft.

Die Mutter ist verstorben. Zurück bleiben der Vater, mittleren Alters, und die zwei jungen Söhne. Unendlich Trauer befällt den Vater, während die Söhne scheinbar besser damit klar kommen – aber eben nur scheinbar. Da nistet sich eine mannsgroße Krähe im Haus mit ein, die den Vater mit zynischen Sprüchen wegen seiner Trauer verspottet. Die Krähe provoziert den Vater auch zu physischen Kämpfen. Der Vater glaubt dabei nur an ein eingebildetes Schreckgespenst, dennoch inspiriert die Krähe den Autoren von Graphic Novels auch zu einer neuen Geschichte. Der Film teilt sich – wie das Buch – in Kapitel auf, welches aus der Sicht der jeweils titelgebende Figur erzählt.

Der Vater, die Krähe, die Söhne, der Dämon. Unausgewogen kommen die einzelnen Gedankenwelten zur Sprache – die Figuren erklären sich, oder die jeweils anderen. Das Regisseur Southern die Krähe und deren Szenen wie einen zweitklassigen Horrorfilm inszeniert, macht das eigentliche Szenario immer wieder unzugänglich. Die schmerzhafte Trauer des Vaters gleicht viel mehr einem Fiebertraum. Und diese Szenen sind optisch und schnitttechnisch auch ganz klar von den realen Alltagsszenen abgetrennt. Ein empathisches Gefühl für die Hinterbliebenen will sich da nicht einstellen. Es werden viel mehr die nächsten Schreckmomente und Gruselszenen erwartet.

Thing with Feathers 1 - (c) PLAION

Eigentlich hat der Film ohnehin keine neuen oder anders gearteten Aspekte zum Thema von Tod, Verlust, und Trauer beizutragen. All die einhergehenden Gefühle, Gemütszustände, Beileidsbekundungen, oder Bewältigungsversuche sind hinlänglich bekannt, und wurden anderorts schon wesentlich intensiver, ehrlicher und vor allem immersiver erzählt. Auch wenn Benedict Cumberbatch in der Rolle des verwirrten und seelisch gequälten Vaters zu Hochform aufläuft. Unweigerlich werden Erinnerungen an Cumberbatchs Auftritt in der Miniserie „Eric“ geweckt. Wenngleich „Eric“ inhaltlich und inszenatorisch vollkommen anders belegt ist, kommt da der geistig-überforderte-Vater-mit-Fantasy-Figur anspruchsvoller und interessanter an.

Das die drei Hinterbliebenen keine Namen tragen, oder das Gesicht der Verstorbenen nie zu erkennen ist, soll sicherlich eine Ausdrucksweise von Allgemeingültigkeit für Verlust und Trauer darstellen. Doch tatsächlich entfremdet diese Entscheidung nur noch mehr von den Hauptfiguren, deren Schicksal ohnehin nur in emotionalen Versatzstücken erzählt wird. Selbstredend: Welche Variationen sollte es auch zu diesem Thema noch geben? Doch genau da wird es ist eben zu einer Frage von kreativer Umsetzung, oder vielleicht einer komplexen Allegorie. Doch darin hält sich die inszenatorische Kreativität – trotz einer mannsgroßen Krähe – tatsächlich in Grenzen.

Aus technischer Sicht ist der Film gut umgesetzt. Sofern, dass die offensichtlich aus Kostüm bestehende Krähe nicht also solche ins Gewicht fällt oder irritiert. Gespielt wird sie von Eric Lampeart, mit starkem körperlichem Einsatz, und von David Thewlis gesprochen. Eine Schande, dass hier die Synchronisation wahrscheinlich noch einiges verschlimmern wird. Ein zusätzlicher Aspekt, warum der Film nicht funktioniert wird, wie er sollte. Als psychologischer Horrorfilm wäre „Das Ding mit Federn“ sicherlich anssprechender geworden. Doch das hätte absolut dem Ursprungsmaterial widersprochen. Letztendlich hat sich Dylan Southern seinen Film selbst vermiest, weil er sich für keine klare Richtung entscheiden konnte. Der Film „Das Ding mit Federn“ ist leider einer der Filme, welcher die unliebsame Diskussion über Sinn und Sorgfalt von Adaptionen intensiv am Laufen hält.

Thing with Feathers 2 - (c) PLAION


Darsteller: Benedict Cumberbatch, Richard Boxall, Henry Boxall, Vinette Robinson, Sam Spruell und als Krähe Eric Lampeart & David Thewlis u.a.

Regie & Drehbuch: Dylan Southern
nach dem Roman von Max Porter
Kamera: Ben Fordesman
Bildschnitt: George Cragg
Musik: Zebedee Budworth
Produktionsdesign: Suzie Davies
Großbritannien / 2025
98 Minuten

Bildrechte: PLAION PICTURES
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