– Bundesstart 15.10.2026
– Release 12.08.2026 (IT)
Nach seinem super-realistischen Sozial-Action-Drama „Athena“ war anzunehmen das Regisseur Romain Gavras Mühe haben würde an diese Stärke von Kino anknüpfen zu können. „Sacrifice“ ist der vierte Spielfilm des eigentlichen Video-Regisseurs, der ohnehin jeden seiner Filme anders anlegt, und sich offensichtlich nicht wiederholen will – außer in den großen Bildern. „Athena“-Kameramann Matias Boucard zaubert auch hier wieder faszinierende Bilder von befremdlicher Schönheit. Gedreht wurde in Griechenland, in den Marmorbrüchen von Drama, und der Prohodna Höhle in Bulgarien. Es sind nicht einfach nur beeindruckende Kulissen, die jeweilige Bewandtnis der Drehorte stehen auch im direkten Verhältnis zur Handlung. Es geht schließlich um nichts geringeres als ein die Welt vernichtendes Ereignis. In gewisser Weise – so genau weiß es der Filmemacher scheinbar auch nicht.
Im Mittelpunkt steht zuerst der in Ungnade gefallene Schauspieler Mike Tyler. Um die Gunst seines Publikums wiederzugewinnen, nimmt er an einer extravaganten Spendengala des milliardenschweren Unternehmers Ben Bracken teil – für die Rettung und den Erhalt der Ozeane. Die exklusive Show wird jäh von Öko-Terroristen unterbrochen, die aus der illustren Schar von Prominenten und Politikern drei Personen auswählen. Diese Drei sollen einem naheliegenden Vulkan geopfert werden, um das Ende der Welt zu verhindern. Anführerin der Terrormiliz ist die charismatische, aber verunsicherte Joan, die sich darüber freut, dass Mike sich freiwillig als Vulkanopfer meldet. Was dieser natürlich nur wegen der positiven Publicity macht.
Es gibt im Mittelteil – zirka zehn Minuten, oder vielleicht fünfzehn – in dem Mike Tyler nicht mitbekommt, wie die Gala gestürmt wird. Und nachfolgend glaubt er, es würde sich um ein Showeinlage innerhalb des Events handeln. Der eigentlich Grund, weswegen er sich zur Aufbesserung seines Images auch freiwillig als Opfer meldet. Diese relativ wenigen Minuten sind absolut witzig, unheimlich gut gespielt, und perfekt in Bild und Schnitt inszeniert. Diese relativ wenigen Minuten zeigen die Möglichkeiten, was für ein Film „Sacrifice“ sein könnte. Was für ein Film er sein sollte.
Der Rest der unglaublich langen und zähen 103 Minuten zeigt nur was der Film nicht ist, und erst Recht nicht sein sollte. Chris Evans beweist sich als wundervoll ignoranter Narzisst, und er spielt die Rolle auch als herrlich unangenehme, aber gleichzeitig wirklich bedauernswerte Figur. Evans hat sehr viel Witz, beherrscht das Timing, und beherrscht seine Körpersprache – denn Tyler ist extrem um sein sehr dünn werdendes Haar am Hinterkopf besorgt. Doch Regisseur Romain Gavras nutzt Chris Evans Talent nicht. Er gibt keinem seiner Darsteller und Darstellerinnen irgendetwas nach ihren Möglichkeiten, weil das Buch absolut nichts hergibt, was zu nutzen wäre.
Es soll offensichtlich Satire sein. Die überzogenen Figuren, die grotesken Kulissen, die Ausgangssituation, die absurde Prophezeiung, das Handlungsgerüst. Aber Gavras-Regulär Vincent Cassel ist als Bezos-Musk-Verschnitt ein uninteressantes Bürschchen. Anya Taylor-Joy darf außer einfach nur gut aussehen nichts weiter tun. Salma Hayek wirft die Frage auf, warum sie überhaupt im Film ist. Zweimal wechselt die Handlung die Richtung. Was Gavras sagen, oder gar erreichen will bleibt ein Rätsel. Egal wie einzelne Elemente für sich gedreht oder betrachtet werden – keines ist witzig, keines ist spannend, keines dieser Elemente hat eine beißende Aktualität.
Will Arbery ist Co-Autor von Romain Gavras, und beide verlieren sich in einer leeren Hülle, die vielleicht ein Gerüst hat, aber keine Struktur, die dieses Gerüst zu halten versteht. Es ist leicht sich über die niederträchtigen Eliten und arrogante Prominenz lustig zu machen, im realen Leben bieten sie selbst den Stoff für bitterböse Abrechnungen. Nur: Man muss die Künstler finden, die mit den realen Steilvorlagen etwas anzufangen wissen. Romain Gavras und Will Arvery zählen nicht dazu.
Und Gavras pendelt in der Inszenierung von einem Punkt zum anderen, wobei nie zu erfahren ist, was damit ausgedrückt werden soll. Von der Gala in den Marmorbrüchen, geht es in einen Bunker, von da zu einem aktiven Vulkan. Am Ende ist man von fehlender Substanz und eigener Gleichgültigkeit derart ausgelaugt, dass es unmöglich wird, dem Ganzen etwas Vernünftiges abzugewinnen. Außer diese zehn bis fünfzehn Minuten in der Mitte, wenn der Film zeigt, was möglich gewesen wäre.
Darsteller: Chris Evans, Anya Taylor-Joy, Vincent Cassel, John Malkovich, Salma Hayek Pinault, Ambika Mod, Sam Richardson, Jade Croot u.a.
Regie: Romain Gavras
Drehbuch: Romain Gavras, Will Arbery
Kamera: Matias Boucard
Bildschnitt: Benjamin Weill
Musik: Gener8ion
Produktionsdesign: Arnaud Roth
Großbritannien, Zypern, Griechenland, Italien, Frankreich, Australien
2025
103 Minuten