HOPE

Ein Beitrag des Fantasy Filmfests September 2026

Hope - (c) NEONHOPEU
– Bundesstart 08.10.2026
– Release 15.07.2026 (KOR)

Die wirklichen Favoriten und Publikumslieblinge beim jeweiligen Fantasy Filmfest sind immer schwer klar auszumachen. Sicher ist allerdings, dass 2026 Na – Hong-jins „Hope“ bei jedem Genre-Fan ganz oben steht. Zum einen ist es ein südkoreanischer Film, zum anderen von einem Filmemacher, der sich als experimentierfreudig und kompromisslos bewiesen hat – auch wenn es erst Na Hong-jins vierter Langfilm ist. Wobei das ‚lang‘ in Langfilm ein gutes Stichwort für Nas filmische Entwicklung ist, der mit jedem neuen Film auch eine längere Laufzeit präsentiert. „Hope“ ist 160 Minuten. Sich diese Zeit zu nehmen macht die erste Stunde unglaublich intensiv, die letzten 90 Minuten aber repetierend. Polizeichef Ko Bum-seok wird von seinem Cousin zweiten Grades, Ko Sung-ki, und dessen Jagdkumpels zu einer getöteten Kuh auf offener Straße gerufen. Das mit dem Cousin zweiten Grades ist einer der vielen Running Gags. Jedenfalls stimmt bei den tödlichen Wunden der Kuh etwas ganz und gar nicht. Und schon bald darauf verfolgt Polizeichef Ko Bum-seok ein zerstörerisches Monster.

Nein! Es ist kein Spoiler! Jeder der gekommen ist um „Hope“ zu sehen oder noch sehen will weiß das es ein Monsterfilm ist. Oder ist es am Ende doch etwas ganz anderes? So einfach wie jemand glauben mag, ist es bei Na Hing-jin nicht unbedingt. Obwohl „Hope“ unglaublich geradlinig und schnörkellos ist. Es ist zirka Mitte der 1980er, das kleine Kaff Hope Harbour liegt nahe der demilitarisierten Zone zu den nördlichen Brüdern (und Schwestern). Das scheint zuerst nicht wichtig, wer aber die Story und Situation etwas auf sich wirken lässt, kann Film eine herrliche Allegorie erkennen.

Die erste Stunde zeigt, was das asiatische – besonders das südkoreanische – Kino ausmacht, und wozu das westliche Mainstream-Kino nicht in der Lage wäre. Direkt zu Beginn stehen der Polizist und die Jagdgruppe vor dem getöteten Tier und diskutieren, aber hauptsächlich darüber wer welche Gewehre hat und ob diese auch registriert sind. Die auffallenden Merkwürdigkeiten beim am Boden liegenden Opfer werden immer wieder nach hinten geschoben. Ganz langsam nimmt der Film das Tempo auf, sehr langsam. Schließlich fahren die Jäger zur Spurensuche in den Wald. Und Ko Bum-seok kehrt in die Stadt zurück, wo ein nie sichtbares Monstrum alles verwüstet. Die Verfolgung des unsichtbaren Feindes durch den Polizisten nimmt dabei immer mehr Fahrt auf, und entwickelt sich zu einer mitreißend atemberaubende Tour de Force an brillanter Kameraarbeit und resultierender Spannung.

Das „Hope“ funktioniert, wie er funktioniert liegt zweifelsfrei an „Snowpiercer“- und „Parasite“-DOP Hon Kyung-pyo. Keine Frage, dass Regisseur Na – Hong-jin die Verantwortung für die oftmals schrillen Dialoge hat, dass Spiel der Darsteller in die richtigen Bahnen lenkt, und sich für die ungewöhnlich geradlinige Handlung wundervoll verrückte Gimmicks einfallen lässt. Doch die schwindelerregende Dynamik entsteht durch Hon Kyung-pyus niemals ruhende Optik. Sie fährt vorweg, hinterher, kreist um das Geschehen. Das gibt aber auch die seltene Gelegenheit, für stets länger als gewohnte Einstellungen, in denen sich auch noch perfekte Choreografie im Ablauf findet. Die Zuschauenden sind immer mittendrin, immer auf Augenhöhe der Protagonisten. Die Perspektive des Publikums ist immer die der Figuren.

Hope 2 - (c) NEON

Dieser Film ist ein visuelles Ereignis, wie es im westlichen Kino höchstens Jan de Bont in „Speed“ umzusetzen wusste. Die zweite Hälfte von „Hope“ ist nicht weniger interessant, vermittelt aber das Gefühl das sich Na – Hong-jin wiederholt. Dieses Gefühl entsteht allerdings dadurch, dass der Film in der ersten Stunde unheimlich stark vorgelegt hat, und dann auf diesem nervenaufreibenden Niveau weiterläuft – ohne eine Möglichkeit das Spektakel noch einmal zu steigern. Später kommt noch Im Sung-ae als Polizistin in Ausbildung dazu, die mit aberwitzigem Fahrstil und imposantem Arsenal an Waffen die Jagd maßgeblich begleitet. Doch so viel sollte über die zweite Hälfte eigentlich nicht geredet werden, um Überraschungen zu bewahren.

Hier befinden sich die Zuschauenden im koreanischen Kino, und da dürfen die inhaltlichen Aspekte auch wilde Kapriolen schlagen. Da entsteht dann der Eindruck, aus dem Monsterfilm würde so etwas wie Science Fiction werden. Dazu gesellen sich dann auch noch die ‚etwas anderen Cameos‘ von westlichen Darstellern, wie Alicia Vikander mit Gatten Michael Fassbender. Was unweigerlich zu den visuellen Effekten führt, die eher ernüchternd als gelungen sind. Das wurde bereits nach der Premiere in Cannes kritisiert, und mit noch ausstehender Nachbearbeitung erklärt.

Doch bei den Computer generierten Effekten macht es nicht den Anschein, als hätte sich in den vier Monaten bis zum Fantasy Filmfest etwas verbessert. Was im ersten Moment mit Enttäuschung einhergeht, relativiert sich unheimlich schnell, denn „Hope“ überzeugt in allen anderen Bereichen. Und dabei steht seine unglaublich spannende, und doch comic-hafte Action ganz vorne, die mit so viel Humor angereichert ist, dass „Hope“ geradewegs der wildeste Achterbahnritt im aktuelle Kino wird.

Hope 1 - (c) NEON


Darsteller: Hwang Jung-min, Jung Ho-yeon, Zo In-sung, Eum Moon-suk, als Gäste Alicia Vikander, Michael Fassbender, Cameron Britton u.a.

Regie & Drehbuch: Na Hong-jin
Kamera: Hon Kyung-pyo
Bildschnitt: Kim Sun-min
Musik: Michael Abels
Produktionsdesign: Lee Hwo-kyoung
Südkorea / 2026
160 Minuten

Bildrechte: NEON
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