PLEASE DON’T FEED
THE CHILDREN
– Bundesstart 22.10.2026
– TUBI TV – 27.06.2025 USA
Ein Virus verwandelt Erwachsene in wilde kannibalistische Monster. Kinder sind immun, allerdings auch die einzigen Überträger, weswegen sie gejagt und interniert werden. Mary ist eines der wenigen Kinder die einem Lager entkommen ist, und versucht über die Grenze aus dem post-apokalyptischen Amerika zu fliehen. Zusammen mit einer Gruppe von fünf anderen Waisenkindern will sie einen geheimen Weg durch das Grenzgebiet nach Mexiko finden. Und das ist einmal etwas anderes, wenngleich nichts Neues im Sub-Genre von Endzeit- und Virus-Thrillern. Regie führt Destry Allyn Spielberg, und das Drehbuch stammt von Paul Bertino. Beide sind in ihren Kategorien Erstlinge bei einem Langfilm. Und beiden ist anzumerken, dass sie sich sehr selbstbewusst in ihren Aufgaben fühlen. Regie und Buch tun etwas, dass nur wenigen Filmen wirklich gelingt – ein radikaler Genrewechsel innerhalb der Handlung.
Nach einigen unüberlegten Dummheiten, wird einer in der Gruppe schwer verletzt, und sie suchen Hilfe bei einem abgelegenen Farmhaus – auch wenn das für Kinder und Jugendliche äußerst gefährlich ist. Doch Bewohnerin Clara zeigt sich hilfsbereit, deren Mann augenblicklich nicht zugegen ist. Mit Michelle Dockery als ominös freundliche Clara bekommt der Film, was ihm bis dahin leider gefehlt hat. Eine Darstellerin, die nicht nur wegen ihrer Rolle dem Film eine anziehende Aura gibt.
Hier schlägt der Film von einem post-apokalyptischen Survival-Thriller in einen Horrorfilm um, der sich nicht entscheiden kann, ob er Slasher oder Okkulthorror sein möchte. Die Jugendlichen werden betäubt, auf den Dachboden gesperrt, und Hauptfigur Mary wird von der psychotischen Clara als neues Ziehkind erkoren. Nur wenigen Filmen gelingt ein radikaler Genrewechsel innerhalb der Handlung wirklich. So selbstbewusst sich Spielberg und Bertino auch geben, ihnen gelingt es nicht.
Tatsächlich ist es aber nicht dieser abrupte Wechsel selbst, der diesem Film zusetzt. Es sind seine weitgehend uninteressanten Figuren. Es ist das ungenutzte Potential der beiden Szenarien. Es sind die teilweise sehr fragwürdigen Entscheidungen der Charaktere. Und es gibt auch einige befremdliche inhaltliche Abkürzungen. Bestes von vielen Beispielen: Mit Staub aufwirbelnden Reifen gelingt den Jugendlichen in letzter Sekunde die Flucht, doch im direkten Schnitt stehen sie mit ihrem kaputten Van irgendwo in der Prärie. Oder das schon gar nicht mehr lustige Klischee, dass das vermeintliche Opfer vor dem Killer die Treppe nach oben flieht, und nicht nach draußen. Der Film ist reich bestückt mit diesem Klischee – entweder wirklich oder sinnbildlich.
Die jungen Darsteller enttäuschen nicht, die agieren im Rahmen dessen was ihnen gegeben wird schon sehr gut. Hingegen scheint Giancarlo Esposito als neugieriger Detective nur mitzuspielen um jemanden eine Gefallen zu erweisen. Außer als potentielles Opfer zu fungieren, stolpert er nur unproduktiv durch die Szenerie. Die Regie weiß nichts mit Detective Fitz anzufangen, der eigentlich ein Freund der Farmer Familie sein soll, und das ist für ein Kaliber wie Esposito beschämend unerfreulich.
Die immer faszinierende Michelle Dockery kann mit ihrem psychotisch verstörenden Charakter den Film einige Zeit tatsächlich interessant halten. Mit der Dauer beginnt sich aber auch Claras brutaler Wahnsinn zu wiederholen. Das Buch und die Regie zeigen ein sehr gutes Verständnis für die Mechanismen des populären Horrorfilms, scheitern aber daran, etwas Neues oder Eigenständiges daraus zu machen – ganz zu schweigen, die Genre-Verquickung zu nutzen. Für einen Regie-Erstling würde man „Please don’t feed the Children“ gerne das Prädikat eines guten Zeitvertreibs zugestehen. Doch in Anbetracht dessen, was im Genre augenblicklich an Filmdebüts geliefert wird, ist es für Destry Allyn Spielberg ein enttäuschender Start, die als Tochter eines der berühmtesten Regisseure der Welt scheinbar sehr wenig gelernt hat.
Darsteller: Michelle Dockery, Zoe Colletti, Andrew Liner,Dean Scott Vazquez, Regan Aliyah, Hoshuah Melnick, Emma Meisel und Giancarlo Esposito u.a.
Regie: Destry Allyn Spielberg
Drehbuch: Paul Bertino
Kamera: Shane Sigler
Bildschnitt: Todd Sandler
Musik: Cornel Wilczek
Produktionsdesign: Kai Boydell
USA / 2025
93 Minuten

