BY ANY MEANS

By Any Means - (c) PARAMOUNT PICTURES– Bundesstart 24.09.2026
– Release 04.09.2026 (US)

Am Anfang steht eine wahre Geschichte. Als Greg Scarpa Sr. mit Hilfe eines Baseballschlägers den Verbleib von drei Menschenrechtlern aus einem Ku-Klux-Klan-Mitglied herausprügelt (um es sehr milde zu beschreiben). Das war 1964. Zwei Jahre später folgt eine ebenfalls wahre Geschichte, die in einen derben Exploitation-Modus wechselt. Im Jahr 1966 verlässt Regisseur Elegance Bratton in weiten Teilen die wahren Begebenheit eines realen Falles. Es ist die Geschichte des schwarzen FBI-Agenten Wayne Strider, der in Mississippi den Mord an Bürgerrechtler Vernon Dahmer aufklären soll. Und weil die Verdächtigen bekanntermaßen im Ku-Klux-Klan zu finden sind, stellt das FBI ihm noch einen Sonderermittler an die Seite: Gregory Scarpa Sr. – Auftragsmörder der kolumbianischen Mafia in New York, der weiterhin unbehelligt auf freiem Fuß lebt. Damit hat das FBI jemanden, der willig ist bei Bedarf die Grenzen der Legalität zu überschreiten.

Zuerst einmal gibt „By Any Means“ vor, ein ansehnliches soziopolitisches Zeitportrait zu sein. Das ist in manchen Szenen auch gelungen, wenngleich es weit intensivere und glaubwürdigere Filme zu dieser Ära und Thematik gibt. „Mississippi Burning“ behandelt eben jenen den Fall, der hier nur zu Anfang angerissen wird. Aber dann will „By Any Means“ auch befreiendes Exploitation-Kino sein. Und es hat – tief im Herzen – tatsächlich immer etwas befriedigendes, wenn es richtig bösen Menschen auch richtig bösartig zurückgegeben wird. So mäandert Regisseur Bratton zwischen zwei unterschiedlichen Filmen hin und her. Doch dabei überschatten die losgelösten Gewaltszenen mit Greg Scarpa stark das eigentliche Drama um die Rassenkonflikte.

Nach mehr oder weniger erfolgreichen TV-Ausflügen in „Wonder Man“ oder „Man on Fire“, hätte Yahya Abdul-Mateen II eine starke Filmrolle durchaus auch wieder gut getan. Dieser historische Fall schreit da förmlich nach seiner starken Präsenz, wie er auch seinerzeit „Trial of the Chicago 7“ mit aufwertete. Und Abdul-Mateen enttäuscht hier nicht, wenn er als schwarzer FBI-Agent den Widrigkeiten der Zeit trotzt, aber immer genau seine Grenzen abzuschätzen weiß. Als Bundesagent widerstreben ihm merklich die gesetzlosen Aktivitäten, die Scarpa mit zur Arbeit bringt. Eine Rolle die in ihrer nonchalanten Skrupellosigkeit Mark Wahlberg wie auf den Leib geschrieben ist. Wahlberg geht da mit Härte und Zynismus vollkommen nach dem Geschmack seiner Zielgruppe auf. Wäre da nicht die Nase – diese unsägliche, absurde Nasenprothese.

In keinem der Öffentlichkeit zugänglichen Bildern ist ersichtlich, warum dem realen Greg Scarpa in der filmischen Interpretation so eine Monstrosität angedichtet wird. An vielen Stellen erwecken Agent Striders Verquickungen von soziologischen Problemen und seiner Arbeit den Eindruck eines ganz anders Films, als in jenen Teilen, wenn Mafiakiller Scarpa sich in die Ermittlungen des Falles einbringt. Und so unwahrscheinlich sich das hier lesen mag, es ist diese befremdliche Entgleisungen von Make-up und Maske, welche beide dramaturgisch unterschiedlichen Teile noch weiter auseinandertreibt. Es wirkt, als ob der Regisseur in Absicht die Beteiligung Scarpas in diesem Fall grob ins Lächerliche ziehen möchte. Er übersieht aber, dass es den gesamten Film betrifft.

By Any Means 2 - (c) PARAMOUNT PICTURES

Die Geschichte selbst ist ein Paradebeispiel wie sich die Problematik der Schwarzen und ein dysfunktionales Rechtssystem als funktionierend dargestellt werden soll. Natürlich war zu jener Zeit ein schwarzer FBI-Agent nur als Augenwischerei gedacht. Und diesen auch noch in den rassistischen Süden zu schicken um Mitglieder des Klans dingfest zu machen natürlich ein Hirngespinst. Und die Einbindung von bereits verurteilten Schwerverbrechern, wie eben Greg Scarpa Sr., in komplizierte aber zwingend zu erledigende Ermittlungen, ist ein überaus spannender, aber fragwürdiger  Aspekt. Zwei Themen, die sich wie gesucht auch gefunden haben. In diesem Geflecht will Strider etwas erreichen, etwas bewegen, und letztendlich tut er das.

Dem Agenten stehen dabei zwei Vorgesetzten gegenüber – dargestellt von Josh Lucas und David Strathairn – die hier nur nüchterne und neutrale Stichwortgeben bleiben. Für Schauspieler dieser Größenordnung eine Vergeudung von Möglichkeiten, hat die hier gezeigte Handlung ohnehin nur noch wenig mit dem realen Fall zu tun. Doch wie das alles Ante Cheng in der Bildgestaltung umgesetzt hat, zeigt eine durchweg überzeugende Referenz jener Zeit in Kamerabewegung und Farbgestaltung. „By Any Means“ ist in Kameraführung und der makellosen Montage ein perfekt gestylter Film, den Regisseur Bratton immerzu am Laufen hält.

Hätte sich Elegance Bratton nur in der Erzählung ebenso an eine Richtung gehalten. So dominiert eindeutig das Exploitation-Kino, und dafür ist es schon wieder zu mild. „By Any Means Necessary“ ist ein Buch mit Reden von Malcolm X, und dem hätte Scarpas radikales Vorgehen sicherlich gefallen. Malcolm X war sicherlich einer der wichtigsten, aber nicht immer der vorteilhafteste Vertreter der Bürgerrechtsbewegung. Das die Geschichte versucht Strider den Schatten von Martin Luther King Jr. und Scarpa den von Malcolm X zu geben geht aber ebenfalls etwas an der Sache vorbei. Denn sicher ist, dass sich die Schadenfreude über die vermeintlich verdiente Gewalt immer als Gewinner zeigt. Damit bleibt „By Any Means“ ein unterhaltsamer und spannender Film, der aber immer wieder an seinem wichtigen Thema und eigentlichen Möglichkeiten vorbei inszeniert ist. Und dann ist da noch Wahlbergs absurde Nasenprothese.

By Any Means 1 - (c) PARAMOUNT PICTURES


Darsteller: Yahya Abdul-Mateen II, Mark Wahlberg, Nicole Beharie, David Strathairn, LisaGay Hamilton, Giancarlo Esposito u.a.

Regie: Elegance Bratton
Drehbuch: Sascha Penn
Kamera: Ante Cheng
Bildschnitt: Kristan Sprague
Musik: Terence Blanchard
Produktionsdesign: Tommy Love
USA / 2026
107 Minuten

Bildrechte: PARAMOUNT PICTURES
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Im Kino gesehen abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

Schreibe einen Kommentar