Zach Creggers RESIDENT EVIL

Resident Evil - (c) CONSTANTIN FILM– Release 16.09.2026 (world)

Zum einen ist Zach Creggers „Resident Evil“ ein rundherum gelungener Horrorfilm seiner Zeit. Zum anderen hat dieser Film die Fähigkeit, mich als notorischen Nichtspieler (wegen Unfähigkeit) dieses Spiel erleben zu lassen. Und welche Videospiel-Adaption kann so etwas von sich behaupten. „Minecraft“ trifft den Gamer-Nerv sehr gut. „Dungeons & Dragons“ vermittelt ausgezeichnet die Wesenszüge eines Spiels. Doch Zach Cregger geht dabei noch einige Schritte weiter, und bedient mit einem sehr raffiniert ausgetüftelten Konzept alle Lager von potentiellen Zuschauenden. Das Gelegenheitspublikum, den Genrefanatiker, und den Gamer-Puristen. Nach sechs Spielfilmen, vier Animationsfilmen, zwei Serien, und einem Reboot konnte wirklich keiner mehr damit rechnen, dass ein Filmstudio noch einmal Geld für die beliebte Videospielreihe in die Hand nehmen würde, sprich jemanden anderen Geld in die Hand drücken würde. „Barbarian“ und „Weapons“ sind allerdings auch außergewöhnliche Visitenkarten, die Filmemacher Zach Cregger vorlegen kann.

Der Protagonist heißt Bryan. Er ist Kurierfahrer für Organe und medizinischen Bedarf. Er streitet gerade mit seiner schwangeren Freundin, da kommt ein Notfalltransport ins Raccoon General Hospital in den stark verschneiten Bergen Colorados eher ungelegen – aber die Brieftasche will es. Das Bryan auf schneebedeckter Straße, inmitten der Wälder, eine Frau anfährt und scheinbar schwer verletzt, kommt dann aber noch ungelegener. Hier beginnt der große Spaß für das Publikum, und der bodenlose Alptraum für Bryan. Konvertiert würde das bedeuten: Der erste Bereich im Loop.

Von Anfang an ist die Kamera von Spielberg-Favoriten Dariusz Wolski im Spielmodus eines Third-Person-Players – nicht ständig, aber beständig. Meist in den Momenten, wenn sich Bryan in einen nachfolgenden Bereich der Handlung begibt, schaut die Kamera über seine Schulter. Die Kamera nimmt die Perspektive des Spielers ein – des Schauspielers. Weit gefehlt wer glaubt, dass Cregger hier nur ein Videospiel simulieren möchte, sehr weit gefehlt. Ich wiederhole mich, wenn hier die bestmögliche Erreichbarkeit möglichst vieler Besuchergruppen bedacht wird. Und dennoch hat Regisseur Cregger alle Aspekte von Resident Evil, dem Videospiel, auf cleveren Wegen eingeflochten.

Resident Evil 2 - (c) CONSTANTIN FILM

Das Drehbuch folgt keiner Geschichte aus einem der Spiele. Zach Cregger wollte unbedingt einen Resident Evil-Film machen, aber deren Zuspruch war vorerst aufgebraucht. Deswegen hat er sein Buch so gehalten, dass jederzeit ein eigenständiger Survival-Horror-Thriller daraus werden könnte. Zum Glück hat Constantin Film dieses Potential erkannt. Cregger hat die Möglichkeit eines eigenständigen Films entwickelt, aber aus jedem Spiel diverse Elemente entnommen und in seine Handlung eingebaut. Die grüne Transporttasche und der Blick auf eine Schreibmaschine lösten bei scheinbaren Spiele-Nerds im Publikum die lauteste erkennbare Resonanz aus.

Austin Abrams hat bereits bei „Weapons“ mit Creggers zusammengearbeitet. Bisher eher unterfordert, bekommt Abrams hier die ungeteilte darstellerische Aufmerksamkeit, die offensichtlich überfällig war. Sein Bryan ist kein strahlender Held, aber Abrams macht aus ihm eine sympathisch anziehende Figur für die jeder umgehend votiert. Einer dieser Verlierertypen, die einfach nur nicht die richtige Chance bekommen haben, der einfach zu nett ist für diese Welt, und die Welt in die er geworfen wird.

Bryan lernt langsam, aber zum Glück beständig – von Bereich zu Bereich, von der Anhalterin, zu dem teuflischen Hund, zu den Straßen von Raccoon City, und letztendlich zur Umbrella Corperation. Da wir nicht mit dem Joystick nachhelfen können, ist Bryan ganz auf sich gestellt. Und Zach Cregger macht ihm das Leben zur buchstäblichen Hölle. Austin Abrams ist aber die perfekte Wahl, um neben all dem Horror auch die Lacher auf seine Seite zu ziehen. Es sind keine billigen Lacher, keine konstruierten Schenkelklopfer. Der meist sarkastische Humor ergibt sich aus den absonderlichen Situationen – und derer gibt es mehr als genug. Bryan leidet, damit wir mit ihm schwitzen.

Resident Evil 3 - (c) CONSTANTIN FILM

„Resident Evil“ ist kein Geflecht von blankem Horror mit unerwarteten Ergänzungen, raffinierten Wendungen, und unterschwelligen Kommentaren. Zach Cregger hat das mit seinen gepriesenen „Weapons“ und „Barbarian“ getan, bei denen immer das Gefühl entsteht, als hätten sie etwas zu sagen. „Resident Evil“ ist viel einfacher, geradliniger, und auf den Punkt. Und das macht ihn auch ehrlicher – und, was den Aspekt der unverhohlenen Schadenfreude betrifft, sogar unterhaltsamer. Shay Hatten hat den Regisseur beim Drehbuch unterstützt, doch in Anbetracht seiner Scripts zu „Rebel Moon“ oder „Ballerina“, ist sein Einfluss als eher gering einzuschätzen.

Ein Film wie dieser funktioniert nicht allein wegen eines ideal besetzten Hauptdarstellers, und seiner Liebe zum Detail des Ursprungsmaterials. Dieser Film funktioniert in gleichen Teilen – oder vielleicht sogar etwas mehr – durch sein überragendes visuelles Konzept. Als Bildgestalter findet Dariusz Wolski immer die dem Setting angemessene Stimmung. Von der durch Autoscheinwerfer beleuchtete Waldlandschaft zu Beginn, hin zu den kaltweiß beleuchteten Laboren am Ende. Aber alle Bilder haben diesen leicht künstlich anmutenden Look, der in Dunkelheit mehr sichtbar macht als gewöhnlich. „Resident Evil“ ist auch ein Videospiel, und Wolski setzt das auch perfekt um, ohne es wie ein Spiel aussehen zu lassen, oder sein eigenes Design aufzugeben.

Stamm-Cutter Joe Murphy hat den Film zu einer nervenaufreibenden Achterbahnfahrt montiert. Murphy lässt durchaus auch Raum zum atmen, gibt dem Film aber ein starkes Tempo. Mit ungewöhnlich wenigen 95 Minuten (inklusive Abspann), hat „Resident Evil“ kein Gramm zu viel, und kein Gramm Fett. Als Cineast sollte man Constantin Film für die weise Entscheidung beglückwünschen. Aber der Dank von Cineasten und Genrefreunde gehört Zach Cregger – für diesen kompromisslosen Einsatz.

Resident Evil 1 - (c) CONSTANTIN FILM


Darsteller: Austin Abrams, Zach Cherry, Kali Reis, Paul Walter Hauser, Sarah Paxton, Johnno Wilson u.a.

Regie: Zach Cregger
Drehbuch: Zach Cregger. Shay Hatten
Kamera: Dariusz Wolski
Bildschnitt: Joe Murphy
Musik: Hays Holladay, Ryan Holladay
Produktionsdesign: Tom Hammock
Deutschland, Tschechien, Kanada, Australien, Neuseeland, Frankreich, USA
2026
95 Minuten

Bildrechte: CONSTANTIN FILM
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Im Kino gesehen abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

Schreibe einen Kommentar