– Bundesstart 24.09.2026
– Release 20.08.2026 (AUS)
Review, DCM digitales Kino, 01.09.2026
Jane ist eine arbeitssüchtige Anwältin, und alleinerziehende Mutter. Coco hat ein ausgeprägtes Aggressionsproblem, weshalb sie von ihrem Mann verlassen wurde, der das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder hat. Sophie ist konfliktscheu und harmoniesüchtig, weswegen sie immens unter ihrem despotischen Chef leidet. Alles was die Frauen brauchen, ist gründlich Abstand von ihrem Alltag. Alles was die Frauen brauchen, ist ein Wochenende in einem Wellness-Resort. Und an dieser Stelle muss der männliche Rezensent die dringende Frage stellen: Sind Frauen tatsächlich in der Lage, mit ein paar Gläsern Sekt, einigen Klangschalen, und etwas drückenden und quetschenden Fingern von einem anhaltend stressigen Alltag so weit zu erholen, dass sie den Rest des Jahren zufrieden durch ihren Alltagsstress kommen? Das Autoren- und Regieduo Jon Lucas und Scott Moore sind davon überzeugt, und senden die Damen zur Regeneration.
Mit Paul Feigs „Bridesmaids – Brautalarm“ habe sich auch die Frauen ein Stück vom Kuchen der verrucht derben Komödie geholt. Was Filme wie zum Beispiel „Bad Moms“ nach sich zog, dem aus unerfindlichen Gründen eine Fortsetzung folgte – die beide überraschenderweise von Jon Lucas und Scott Moore realisiert wurden. Die aber auch die Bücher zu den drei „Hangover“s geschrieben haben. Und diese Kausalitätskette führt direkt zu „Spa Weekend“. Ein Film, der zweifelsfrei versucht als Mischung der vorherig genannten Filme sein eigenes Humorfeuerwerk zu zünden.
Jede Freundesgruppe hat diese eine Person, die eigentlich keiner wirklich mag. Das ist tatsächlich so, bei Männern und bei Frauen. Bei Jane, Coco und Sophie ist es die schrille Mel. Mel ist laut, aufdringlich und kennt keine Grenzen, weswegen sie auch nicht zu dem Spa Weekend eingeladen wurde. Doch Mel hat davon Wind bekommen und erscheint mit Donner und Getöse vor den Massagetischen. Es entsteht Chaos, die Hälfte der Einrichtung geht zu Bruch, es gibt unerlaubte Partys und viele unerlaubte Substanzen. Dazwischen werden viele Probleme besprochen und manche auch gelöst. Die Zauberworte sind ‚Dummer Zufall‘, wenn Jane genau ihren Typ an Yoga-Lehrer kennenlernt, und Cocos Ex-Mann aus an den Haaren herbeigezogenen Gründen anreist.
Es ist ein fürchterlich anspruchsloses Drehbuch, das Lucas und Moore hier an ausgelaugten Klischees zusammengeschrieben haben. Der Humor ist um der Pointen Willen erzwungen, die dramatisierten Probleme wirken zu keinem Zeitpunkt natürlich, und den romantischen Momenten fehlt die Originalität. In der Inszenierung gewinnt das Regieduo lediglich mit der Harmonie und dem Verständnis zwischen Leslie Mann, Michelle Buteau und Anna Faris. Hingegen stehen sich der überzogene, und dennoch schwache Witz, und die künstliche, weil absehbare Romantik ständig im Weg. Die besten Absichten sind erkennbar, verglühen aber in Einfallslosigkeit.
Zurück zu den Freunden die keiner mag. Sie ist eben das Problem, die neben der Einfallslosigkeit einhergeht. Mel ist derart überzogen in ihrer Darstellung, dass ihre Beziehung zu Jane, Coco, und Sophie grundsätzlich in Frage zu stellen ist. Niemand hätte zu so einer Figur eine Beziehung, geschweige denn Freundschaft – es sei denn, es wäre möglich vernünftig miteinander zu reden. Doch wie ununterbrochen bewiesen wird, hilft Reden nicht. Mel darf eigentlich nur existieren, um all das Chaos und die Verwüstung, und den überhaupt nicht so derben Humor zu rechtfertigen.
Sollten Frauen tatsächlich mit ein paar Duftkerzen, Luxus-Badeschaum, und Yoga unter Palmen zufrieden sein, um ihre Alltagsprobleme weniger problematisch zu machen, dann verdienen sie höchsten Respekt. Zumindest Jane, Coco, und Sophie hilft es, weil ein schlampiges Drehbuch jeden erdenklichen, unmöglichen Zufall zuschreibt. Auch wenn viele Filme von diesen Prämissen leben, sind diese anderorts originell, witzig, einfallsreich, und manchmal auch plausibel. Dieser Film hingegen versucht alles vergeblich. Und wer dann noch Michelle McGaheys uninspirierte Werbeclip-Ausstattung und das sterile Set-Design von Pseudo-Luxus ansieht, will gar nicht mehr zu diesem Wellness-Resort für ein „Spa Weekend“.
Darsteller: Leslie Mann, Michelle Buteau, Anna Faris, Isla Fisher, Adam Demos, Erika Heynatz u.a.
Regie & Drehbuch: Jon Lucas, Scott Moore
Kamera: Danny Ruhlmann
Bildschnitt: James Thomas, Delaney Del Vecchio
Musik: Philip White
Produktionsdesign: Michelle McGahey
USA / 2026
97 Minuten

