WAS MÄNNER WOLLEN

What_Men_Want_1, Copyright Paramount PicturesWHAT MEN WANT – Bundesstart 14.03.2019

Man möchte es kaum glauben. Es ist fast 20 Jahre her, da vollzog sich für Mel Gibson der Traum eines jeden Mannes. Mel erfuhr, was Frauen wollen. In Zeiten von Sequels und Remakes, fast ein Wunder dass es solange dauerte, bis man den Blick auf das andere Geschlecht richtete, wo Frauen die Gedanken von Männern hören können. Damals wäre ein zeitnäherer Aufguss noch charmant und vielleicht auch in den besseren Händen gewesen. Die Erinnerung war noch frisch, der Unterhaltungswert gegeben. Nicht nur die Rollen wären verändert, sondern man hätte auch von weißen Darstellern auf Schwarze umschalten können. Ein für alle Bürgerrechtsgruppen zufriedenstellende Erweiterung, und Bereicherung. Man stelle sich Whitney Houston vor, wie sie Denzel Washingtons Gedanken und Gefühle zum eigenen Vorteil nutzt. Wäre möglich gewesen.

Es ist dünn gesät bei den afro-amerikanischen Schauspielerinnen. Octavia Spencer kommt da als eine der Ersten in den Sinn. Regina King natürlich, und selbstverständlich Viola Davis. Nur um an der Oberfläche zu kratzen. Und ganz oben ist auch Taraji P. Henson angekommen. HUSTLE & FLOW hat sie hoch katapultiert. Mit BENJAMIN BUTTON folgte wieder ein Highlight ihrer darstellerischen Fähigkeiten. Und außer Frage steht ohne Zweifel HIDDEN FIGURES. Nicht zu vergessen die fünf Staffeln von EMPIRE, welche sie wieder mit Terrence Howard von HUSTLE & FLOW zusammen brachte. Auch ihr komödiantisches Talent kam in den zwei Teilen der wunderbaren Ensemble-Produktionen THINK LIKE A MAN sehr gut zur Geltung.

Jetzt also WHAT MEN WANT. Ein Film, der sich schwer einordnen lässt, ob Neuinterpretation, Fortsetzung, oder einfach Ableger. Auf alle Fälle ein Film, der nicht ist, was er vorgibt zu sein. WAS FRAUEN WOLLEN war damals, und ist noch heute eine lockere, unbeschwerte Geschlechterkomödie, die sich einen gewissen Tiefgang nicht entgehen ließ, ohne allerdings ins Drama abzugleiten. Was Nancy Meyers Vorbild hervorragend verstand, war eine Komödie zu gestalten, die auch ein Publikum begeisterte, welches sich tatsächlich im Alter seiner Filmfiguren befand, und deren Alltags- und Beziehungsprobleme auch reflektieren konnte. Nun ist Regisseur Adam Shankman nicht der Komödienspezialist schlechthin, aber gute Unterhaltung, wenngleich auch manchmal etwas absurd, das bekommt er durchaus hin. Er und Taraji P. Henson haben sich sogleich als Ausführende Produzenten für das Projekt WAS MÄNNER WOLLEN stark gemacht. Warum allerdings, das bleibt ein Rätsel.

Eine Komödie, die auf Gedeih und Verderb so lustig sein möchte, dass letztendlich nichts mehr daran lustig ist. Sollte es zwei, oder dreimal etwas Erheiterndes geben, ist der Zuschauer zuerst damit beschäftigt, einen tatsächlichen Unterhaltungswert zu erkennen. Hat sich das Original darauf verstanden, gekonnt mit Rollenklischees zu spielen, haben sich hier die Autoren Gordon, Huyck und Gregory ziemlich erfolglos an anzüglichen Teenager-Komödien orientiert. Den ganzen Film über reißt Henson derbe, geschmacklose und humorlose Zoten, worin sich der Film auch schon erschöpft. Der Showdown gipfelt dann auch noch in einer wüsten, dafür unsinnigen Schlägerei vor einem Traualtar, ganz im Sinne von ebenso witzlosen Screwball-Comedys, allerdings aus den fünfziger Jahren.

Vergleiche sind oftmals ungerechtfertigt, voreilig, kaum differenziert. Hier müssen diese allerdings zum besser Verständnis beitragen. Wo also waren Whitney und Denzel, als man sie brauchte.

What_Men_Want_2, Copyright Paramount Pictures

Darsteller: Taraji P. Henson, Josh Brener, Max Greenfield, Brian Bosworth, Richard Roundtree, Tracy Morgan, Aldis Hodge u.a.
Regie: Adam Shankman
Drehbuch: Tina Gordon, Peter Huyck, Alex Gregory
Kamera: Jim Denault
Bildschnitt: Emma E. Hickox
Musik: Brian Tyler
Produktionsdesign: Mark Hutman
USA / 2019
117 Minuten

Bildrechte: Paramount Pictures
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