KISS THE COOK

CHEF – Bundesstart 28.05.2015

Chef-2, Copyright Koch MediaAls Darsteller stand Jon Favreau selten an vorderster Front, sondern gab bisher immer den lustigen Sidekick. Als Regisseur hingegen erlangte er mit ELF und ZATHURA große Aufmerksamkeit, und mit den ersten beiden IRON MAN war er ganz oben angekommen. Lediglich COWBOYS & ALIENS wollte man ihn nicht richtig verzeihen. Da hat er sich als Regisseur fürs Kino drei Jahre Auszeit genommen, und lediglich drei Episoden für diverse Serien inszeniert. Dafür hat er sich in dieser Zeit selbst ein Drehbuch auf den Leib geschrieben, und beschlossen endlich selbst der Held einer seiner Geschichten zu sein. Herausgekommen ist pures Wohlfühlkino, welches leider auch keine großen Ansprüche stellt. Favreau ist Carl Casper, ein Koch aus Leidenschaft, der als Küchenchef mehr möchte, als nur das festgefahrene Menü des Restaurants zu wiederholen.  

Das Problem mit KISS THE COOK, ist eindeutig der Handlungsaufbau. Hat Carl gleich zu Anfang eine handfeste Auseinandersetzung mit dem Restaurantbesitzer, ist sofort klar, wie Carls Karriere weiter verlaufen wird. Wenn er zu Anfang seinen Sohn immer wieder zwecks gemeinsamer Zeit vertrösten muss, dann weiß man auch, dass die Läuterung im letzten Akt kommen wird. Wenn anfänglich ein verlockendes Angebot an Carl heran getragen wird, welches er aus Eitelkeit ablehnt, dann wird es genau dieses Angebot sein, mit welchem er die Beine wieder auf die Erde bekommt. Die Vorhersehbarkeit, mit der jede Exposition auch aufgelöst wird, hat schon nichts mehr mit Wohlfühlkino zu tun, sondern wird im Verlauf der Handlung stetig zu einem heftigeren Ärgernis. Und gerade einem Mann wie Favreau hätte das in dieser krassen Form nicht passieren dürfen. Auch wenn es erst sein sechstes Drehbuch war, müsste er zumindest als siebzehnfacher Regisseur gegen die Tücken und Niederungen von Klischees und Versatzstücken gefeit sein.

Merkwürdig ist die deutsche Altersfreigabe ab 6 Jahren, während der Film in Amerika ein R bekommen hat, also Jugendliche unter 17 Jahren dürfen den Film nur in Begleitung eines Erwachsenen sehen. Die Deutschen liegen mit ihrer Freigabe weit unter einer realen Einschätzung, während die amerikanische Einstufung viel zu hoch angesetzt ist.

KISS THE COOK ist durchaus unterhaltsam, weil erstklassige Darsteller die seichte Handlung tatsächlich veredeln. Nun ist Jon Favreau offen gestanden nicht wirklich erste Wahl für eine Hauptrolle. Umso auffälliger ist dabei das Ensemble, mit dem er sich hier umgibt. Downey Jr., Johansson, Platt, Hoffmann, Leguizamo sind nun wirklich keine Leichtgewichte im Kino. Dafür wäre auch in Geschichte und Handlung um ein vielfaches mehr möglich gewesen, um den Zuschauer bei Laune zu halten. KISS THE COOK ist leichte Kost mit Unterhaltungswert, und er ist auch gefällig zu genießen. Aber um sich besser zu empfehlen, hätte er schon einige Haken schlagen müssen, und originellere Eckpunkte gebraucht. Selbst die Kochsequenzen sind in Szene gesetzt, wie sie in ähnlich gelagerten Filmen auch umgesetzt wurden, wo in sprunghaften Schnitten nicht der Vorgang des kochen, sondern die Ästhetik der Bilder im Vordergrund steht. Dabei kann Jon Favreau doch wirklich gut inszenieren, er bräuchte nur ein weit originelleres Drehbuch.

Chef-1, Copyright Koch Media

Darsteller: Jon Favreau, John Leguizamo, Bobby Cannavale, Emjay Anthony, Scarlett Johansson, Sofia Vergara, Dustin Hoffman, Oliver Platt u.a.
Regie & Drehbuch: Jon Favreau
Bildschnitt: Robert Leighton
Kamera: Kramer Morgenthau
Produktionsdesign: Denise Pizzini
USA / 2015
110 Minuten

Bildrechte: Koch Media
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