EAGLES OF THE REPUBLIC

Eagles of Republic - (c) MFA Film

– Bundesstart 21.05.2026 – First-Release 24.09.2025 (FIN)

Mit Herzblut beim Spielen und prägnantem Gesicht, hat es George Fahmy zum Superstar des ägyptischen Kinos gebracht. Mit souveräner Lässigkeit genießt er seinen Ruhm, und scheut sich auch nicht sein Umfeld merken zu lassen, dass er der ‚Pharao der Leinwand‘ ist. Außer wenn George beim Viagra kaufen vom Apotheker erkannt wird. Es ist eine Szene, die nicht einfach mit dem Klischee des peinlichen Auftritts spielt. Es ist eine Szene, welche die wahre Verletzlichkeit des George Fahmy vor Augen führt, die jenseits des Superstars liegt. Zum Abschluss seiner mutigen und aufwühlenden Kairo-Trilogie, betritt Filmemacher Tarik Saleh das Terrain seines eigenen Metiers, aber in einer anderen Welt. In einer Welt von Manipulation und schleichendem Terror.

Im ersten Teil der Anthologie-Serie die sich Kairo-Trilogie nennt, taucht Tarik Saleh mit „Nil Hilton Affäre“ in das korrumpierte System von Kairo. Der zweite Teil beleuchtet in „Die Kairo Verschwörung“ die politische motivierte Einmischung in die eigentlich gefestigte Religion des Landes. Tarik ist selbst in Stockholm geboren und aufgewachsen, als Sohn einer schwedischen Mutter und eines ägyptischen Vaters. Ägypten ist für Saleh keine Heimat, wurde aber zur Herzensangelegenheit. Er hat sich dabei so tief in die zweifelhaften Strukturen des Landes seines Vaters hinein gegraben, dass er nun zum dritten Mal mit Co-Autorin Magdi Abdelhadi ein reales Portrait eines verstörenden Ägyptens zu erklären versteht. Und im Abschluss der Trilogie gehen die beiden Autoren ganz nach oben, und machen Diktator und Präsident Abdel Fattah al-Sisi zum Thema – aber ohne ihn in den Mittepunkt zu stellen.

Ohne Vorwarnung bricht die elitäre Welt des Superstars zusammen. Ohne Erklärung wird Fahmys Trailer am Set entfernt, es gibt subtile Drohungen gegen seine Familie, die Kommission für moralische Werte kritisiert seine bisherigen Filme. Schließlich bekommt er „ein Angebot, dass er nicht ablehnen kann“. George Fahmy soll einen absurden Propagandastreifen drehen, und General Abdel Fattah al-Sisi auf seinem Weg zum Präsidenten verkörpern. Dafür hat Tarik Saleh erneut sein bewährtes Team der bisherigen Kairo-Trilogie zurückgebracht. Und es sind auch Piere Aims nüchterne, oft farblose Bilder und Theis Schmidts treibender Schnitt, die aus Salehs präzise inszenierten Sequenzen einen nervenaufreibenden Thriller formen.

Eagles of Republic 3 - (c) MFA Film

Im ersten Eindruck ist der Film als bedächtige Erzählung wahrzunehmen. Doch genau damit zieht der Regisseur noch viel stärker in die Geschichte hinein. Jeder ruhige Moment ist ebenso wichtig, wie alle beiläufig wirkende Dialoge. Der Staat, und damit der autoritäre Präsident, will die Leinwandlegende für eine positive internationale Außenwirkung benutzen. Der Star hingegen hat sich in seiner politischen Passivität sehr gut gefallen, und merkt schnell, wie er jetzt nach und nach seine Integrität und gesellschaftliche Relevanz aufgibt. Für George Fahmy beginnt eine komplexe Verschachtelung von Anbiederung, Unterwerfung, Dominanz, Betrug und Vorteilnahme.

Es ist kein Thriller bestehend aus Action oder Mystery. Die Spannung in „Eagles of the Republic“ entsteht durch die systematische Offenlegung des Systems. Ein System das lediglich vorgibt gegenseitige Abhängigkeiten zu schaffen. Letztendlich ist nur Fahmy Opfer. Immer tiefer wird er in die Maschinerie hineingezogen, wenn er Gefallen von den Mittelsmännern des Regimes einfordert, welche sie ihm selbst als Köder ausgelegt haben. Es braucht keine überhöhten Momente, und werden auch keine dramatisierten Dialoge benötigt. Die Subtilität zwischen den Zeilen ist es, die Angst und Misstrauen erzeugt. In einem autoritären Staat ist alles möglich – jederzeit.

Authentizität ist Tarik Salehs Grundprämisse in der Trilogie, und damit auch bei den „Eagles of the Republic“, wie sich die Führungsriege des Regimes nennt. Saleh will keinen faulen Zauber oder platte Schwarzweißmalerei. Das macht sich bemerkbar in der subtilen Eindringlichkeit der Inszenierung, in der zum Beispiel mögliche Repressalien oder Drohungen nie wirklich zur Sprache kommen. Aber auch Set Design und Ausstattung geben nie etwas anderes vor als ein Kairo, in dem gelebt, gearbeitet und regiert wird. Doch allem voran stehen authentische Darsteller, die sich von ihrem Rollenklischee zu lösen verstehen – bis sich die Linie zwischen Hell und Dunkel auflöst.

Eagles of Republic 2 - (c) MFA Film

Immer tiefer wird George Fahmy in das Geflecht des Regimes hineingezogen. Die Regierung beginnt ihn als Fürsprecher zu missbrauchen, sorgt aber auch mit dubiosen Mitteln dafür, dass George immer wieder die Hilfe der ‚Adler der Republik‘ benötigt. Mittelsmann ist hier Dr. Mansour als Advokat von Präsident al-Sisi, der nicht nur die Dreharbeiten überwacht, sondern auch direkte Anweisungen gibt. Akr Waked spielt Mansour mit beunruhigend ausdrucksloser Miene, mit der er dennoch so viel düstere Wahrheiten auszudrücken versteht. Mansour ist aber kein üblicher Antagonist. Er ist wie eine Maschine, die einfach erschreckend präzise funktioniert – eine Figur, die mit ihrer Kaltblütigkeit eine bedrückende Faszination ausstrahlt.

Wie in den Vorgängerfilmen darf auch hier wieder Fares Fares in einer unbequemen Rolle machen, was man im Allgemeinen ‚glänzen‘ nennen würde. Doch mit einer gequälten Figur wie der des George Fahmy wäre dieses Verb befremdlich. Fares ist dieser Fahmy, er geht darin auf, er lebt ihn und er leidet als Superstar, der aus dem Gleichgewicht gerät. Vom schwedischen Comedy-Star zum Sinnbild fehlgeleiteter Systeme. Fares Fares wirkt wie die einzig mögliche Wahl für korrupte Mitläufer oder gebrochene Helden. George Fahmy merkt sehr schnell, dass sich mit der Einmischung des Regimes genau das ändern wird, was er in seiner Überheblichkeit nicht zu schätzen wusste.

Fares Fares macht seinen Wandel in feinsten Nuancen wahrlich spürbar. Aus der anfänglichen Wut wächst langsam die Erkenntnis des Verlustes, und schließlich blanke Angst. Tarik Saleh hat diesen Film inszeniert, aber Fares Fares ist die verwundete Seele dieses Films – er ist stellvertretendes Opfer von autokratischem Wahnsinn. Saleh gibt dieser Seele viel Raum, ihr zuzusehen, mit ihr zu leiden, dem kann man sich einfach nicht entziehen. Fahmy ist zu Beginn kein besonders liebenswürdiger Mann, umso spannender ist die traurige Wandlung in der Geschichte. Es ist ein mitreißender Thriller – ohne Action oder Mystery, aber nervenaufreibend authentisch.

Eagles of Republic 1 - (c) MFA Film


Darsteller: Fares Fares, Amr Waked, Lyna Khoudri, Zineb Trike, Cherien Dabis, Suhaib Nashwan u.a.

Regie: Tarik Saleh
Drehbuch: Tarik Saleh, mit Magdi Abdelhadi
Kamera: Piere Aim
Bildschnitt: Theis Schmidt
Musik: Alexandre Desplat
Produktionsdesign: Roger Rosenberg
Schweden, Frankreich, Dänemark, Finnalnd, Deutschland
– 2025
129 Minuten

Bildrechte: MFA Film
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Im Kino gesehen abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

Schreibe einen Kommentar