– Bundesstart 28.05.2026
– First-Release 05.02.2026 (UAE)
Die schlimmste Sache, die Kevin James seinem Publikum angetan hat waren zweifelsfrei die zwei „Kindsköpfe“-Teile. In einer Bierlaune beschließt eine Gruppe alter Freunde um Adam Sandler einfach die Kamera laufen zu lassen, bei all den dummen Dingen, die sie für witzig halten. Wer dafür gezahlt hat: Selbst schuld. Von Bierlaune zu Schnapsidee hört es sich an, wenn sich Kevin James für den Lockdown während der Pandemie mit den Kinnane-Brüdern einschließen lässt, um einen Film auszuarbeiten. Die Kinnanes sind ein Filmemacher Kollektiv von sieben Brüdern und einem Schwager. Herausgekommen ist ein Film der nicht schematischer sein könnte. Eine formelhafte Abfolge von Offensichtlichem und Absehbarem. Kevin James spielt hier exakt diesen Typ, wie ihn das Publikum seit „King of Queens“ kennt. Und genau an diesem Punkt, sollte erst einmal Pause gemacht und ganz tief Luft geholt werden. Denn „Solo Mio“ hat etwas, was in Anbetracht der Voraussetzungen absolut unwahrscheinlich scheint.
Nach langer Zeit der Glückseligkeit macht Kunstlehrer Matt Taylor seiner Kollegin Heather endlich einen Heiratsantrag. Heather schreit vor versammelter Klasse begeistert Ja. Geheiratet wird wild romantisch, in der ewige Stadt Rom – so zumindest der Plan. Doch Matt bleibt alleine vor dem Altar stehen. Von Heather bleibt nur ein Brief ohne wirkliche Erklärung. Weder die Hochzeitssuite, noch das gesamte Hochzeitspaket mit Fahrrad- und Bootstouren und Candle-Light-Dinner können noch storniert werden. Zwei andere Paare im Hotel – natürlich die der skurrilen Art – nehmen Matt unter ihre Fittiche, der das Hochzeitspaket jetzt eben ohne Braut absolviert. Dabei lernt Matt – ganz zufällig – die aufgeschlossene und muntere Café-Besitzerin Gia kennen.
Kevin James rennt in diesem Spektakel so unglaublich schnell von einem Zufall zu nächsten, dass es einem schwindelig werden könnte. Doch es ist eben Kevin James der etwas kräftige Kumpel-Typ, der immer liebenswürdig ist, und rücksichtsvoll bleibt. Unter anderen Umständen wäre „Solo Mio“ wirklich nicht zu ertragen. Für ein Filmkollektiv wirkt diese RomCom der Kinnanes kaum durchdacht. Brendan, William und Schwager Jeffrey Azize sind Produzenten. Patrick und John haben mit Kevin James das Drehbuch geschrieben, und Pete war im Schnitt. Daniel und Charles saßen in den Regiestühlen, und deren Inszenierung ist in Ton und Tempo nicht kohärent.
Doch ist es das ganz große Plus von „Solo Mio“, dass sich der Film seiner Schwächen durchaus bewusst ist. Er versucht zu keinem Zeitpunkt besser, schlauer oder origineller zu sein, als andere romantische Komödien. Er nimmt seine absehbaren Versatzstücke und umarmt sie mit einem herzlichen Druck. In der Rolle von Gia, der herzensguten und attraktiven Cafe-Besitzerin, ist Nicole Grimaudo zu sehen. Grimaudo musste wegen fehlender Englischkenntnisse ihre Dialog phonetisch vor Ort lernen. Vielleicht sind Versprecher daran schuld, dass die Chemie und das aufrichtige Kichern zwischen Kevin James und Nicole Grimaudo so natürlich und real scheint.
Die Kamera von Jared Fadel begleitet Gia und Matt auch zu den schönsten Orten Roms. Es sind nicht unbedingt die bekanntesten Postkartenmotive, doch Fadel schafft mit seinen Hochglanzbildern ein Italien, dass einer Romanze wie dieser mehr als gerecht wird. Ein Grad an Kitsch wie man ihn einfordern müsste, würde der Kameramann nichts selbst all seine Drehorte in das schönste vorstellbare Rom verwandeln. Doch selbst mit Nicole Grimaudo an der Seite, bleibt es eine Kevin-James-Show. Da gibt es leise Töne, sensiblen Humor, und brüllenden Witz, aber auch Gags, die gar nicht zünden.
Matt Taylor ist ein armer Kerl, der verunsichert, müde, und manchmal unbeholfen durch die Straßen geht, auf der Suche nach Antworten, die ihm keiner gibt. Doch Matt ist nicht der bemitleidenswerte Typ. Er verliert nie den Mut oder seine Integrität, lacht noch immer gerne, und in welche Richtung auch immer: Hoffnung steht immer in seinem Gesicht geschrieben. Das ist eben der Kevin James, wie er seit „King of Queens“ allgemein das Publikum erfreut – und der Kevin James, wie man ihn sehen will. „Solo Mio“ ist kein wirklich guter Film, aber er hat diesen überspringenden Funken, der ihn sehenswert macht. Man kann nicht anders, als mit diesem Mann zu lachen und zu schluchzen – und mit Nicole Grimaudo ist das nochmal die Crema auf dem Café.
Darsteller: Kevin James, Nicole Grimaudo, Kim Coates, Alyson Hannigan, Jonathan Roumie, Julee Cerda, Julie Ann Emery u.a.
Regie: Charles Kinnane, Daniel Kinnane
Drehbuch: Patrick Kinanne, John Kinnane, Kevin James
Kamera: Jared Fadel
Bildschnitt: Pete Kinnane
Musik: Joy Ngiaw
Produktionsdesign: Chiara Balducci
USA / 2026
96 Minuten

