SCARY MOVIE (2026)

Scary Movie a - (c) PARAMOUNT PICTURES– Release 04.06.2026 (world)

Es ist erst 13 Jahre her, seit dem letzten, dem fünften „Scary Movie“. Doch es ist bereits 25 Jahre her, seit dem letzten, dem zweiten „Scary Movie“, bei dem die Wayans-Brüder noch die Kontrolle hatten. Nicht nur das „Scary Movie 5“ wegen seines unbeholfenen Dilettantismus der vorerst letzte in der Reihe war, es war auch eine Zeit frei von einflussreichem Horror. Die Neuauflagen von „Scream“, „Halloween“, Final Destination“, und ikonische Originale wie „Weapons“, „Substance“, oder „Get Out“ haben aber einiges auf den Markt geworfen, dass sich lohnt durch den Kakao gezogen zu werden. Haben sich zumindest die Wayans-Brüder gedacht. Da darf „Blood and Sinners“ natürlich nicht fehlen. Cindy Campbell ist also zurück – wie fünfmal zuvor – gespielt von Anna Faris, dieses Mal im Jamie Lee Curtis Modus aus „Halloween“. Ihre Töchter wurden beinahe Opfer von „Scream“s Ghostface, eine davon ist die schwarzhaarig bezopfte Tuesday. Das trifft nicht nur die Serie „Wednesday“ sondern gleich Wednesday-Darstellerin Jenna Ortega, die eine Hauptrolle im „Scream“-Neustart belegt. Damit niemand den Gag verpasst, wird er im Dialog noch erklärt.

Das Konzept ist hinlänglich bekannt, und selbst für Neueinsteiger nichts Überraschendes. Hier liegt jetzt der Fokus auf dem ‚Requel‘, eine tatsächlich für „Scream“ erfundene Wortschöpfung aus Remake und Sequel. Es wird mit frischen Gesichtern eine alte Geschichte neu aufgelegt, wobei die Recken von damals in einer Art Staffelübergabe die Neuen unterstützen. Die Wayans-Brüder bauen ihr Drehbuch exakt nach dieser Struktur auf, und machen sich gleichzeitig genau darüber lustig. Bei „Scream“ ist das schon metaphysisch. Bei „Scary Movie“ ein klein wenig peinlich.

Scary Movie c - (c) PARAMOUNT PICTURESEin klein wenig peinlich, weil der Film in seinem politisch inkorrekten, und Grenzen überschreitenden Humor wie aus der Zeit gefallen wirkt. Was seinerzeit provozierte, bleibt heute ein lahmer Versuch der Provokation. Der Ansatz von Respektlosigkeit bei einem Trans-Charakter, wird von den Machern selbst weitgehend im Keim erstickt. Ansonsten ist dieser „Scary Movie“ wie ein bekiffter Abend in einer Studenten-Bude. Viele Gags sind richtig unangenehm, manche zünden einfach nicht, einige sind schlichtweg nicht witzig, andere fragwürdig. Und ab und an findet sich einer, der brüllend komisch ist – wie das Anatomie-Poster in einem Arztzimmer, das zu schreien beginnt, wenn es von Ghostfaces Messer durchbohrt wird. Humor ist Geschmackssache.

Ein vollbesetztes Kino ist da um ein vielfaches dankbarer. Humor ist Geschmackssache, und somit ist das Lachpensum auf stark differenzierte Humorlevel besser verteilt. Bricht das Kollektiv weg, wird es für einzelne Zuschauende im Unterhaltungswert sehr eng. Regina Hall lässt ihre Brenda wieder aufleben, jetzt in Oktavia Spencers „Ma“-Look. Und Shorty ist ebenfalls zurück, als ob Marlon Wayans all die Jahre nichts anderes gespielt hätte. Besonderer Witz hier: Er geht immer noch auf die High School, hat also bereits sein 25. Abschlussjahr. Manche zünden eben, manche sind fragwürdig.

Wirklich gut kommt Song-Oscar-Gewinner ‚Golden‘ aus „KPop Demon Hunters“ – nur in schamlos umgetexteter Darbietung. Wirklich mies kommt Dave Sheridan als Doofy, ein idiotischer Verschnitt von „Scream“s David Arquette. Es ist ein extrem unausgewogenes Hin und Her an Film, bei dem das untere Niveau Oberhand behält – was das Bild der Studentenbude voller bekiffter Autoren weiter festigt. Viele visuelle Gags oder Anspielungen werden tatsächlich auch im Dialog erklärt.

Dafür gibt es ein unglaublich beeindruckendes Produktionsdesign. Nicole Elespuru hat mir ihrem Team an Ausstattern und Bühnenbauern grandiose Arbeit geleistet. Die haben ikonische Orte wie das Badezimmer-Design von „Substance“, die Vorortatmosphäre von „Scream“, die Kulisse von „Blood and Sinners“ – und vieles mehr – auf den ersten Blick erkennbar nachgestellt. Das bereitet dem Cineasten wahre Freude.

Scary Movie d - (c) PARAMOUNT PICTURES

Die bitterbösen respektlosen Persiflagen der ersten „Scary Movie“s wurden kurz danach von Jason Friedberg und Aaron Seltzers unerträglich plan- und witzlosen „Date Movie“, „Epic Movie“, etc. abgelöst. Seitdem konnte sich dieses Sub-Genre der Komödie weder erholen, noch wirklich neu erfinden. Und die Wayans stecken mit ihrem ‚Requel‘ von „Scary Movie“ regelrecht festgefahren in der Vergangenheit. Es funktioniert vielleicht noch als kollektives Kinoerlebnis, aber nicht mehr wie einst vor 13 Jahren – geschweige denn 25 Jahren. Schlechter Witz dominiert ganz brutal die guten Pointen.


Scary Movie b - (c) PARAMOUNT PICTURESDarsteller: Anna Faris, Regina Hall, Marlon Wayans, Jon Abrahams, Cheri Oteri, Shawn Wayans, Dave Sheridan u.v.a.

Regie: Michael Tiddes
Drehbuch: Craig Wayans, Keenen Ivory Wayans, Marlon Wayans, Shawn Wayans, Rick Alvarez

Kamera: Terry Stacey
Bildschnitt: Jonathan Schwartz
Musik: Haim Mazar
Produktionsdesign: Nicole Elespuru
USA / 2026
96 Minuten

Bildrechte: PARAMOUNT PICTURES
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