„Ich habe viel von Ip gelernt.“

Audrey-Hepburn-1In den Fünfzigerjahren war der Tierschutz im Filmgewerbe alles andere als wirklich vorhanden. Tiere mussten vor der Kamera in erster Linie putzig aussehen, oder Schrecken verbreiten. Und für Pferde war es gerade in dieser Hochzeit der Western besonders schlimm. Was außerhalb des Kamerabildes geschah, war irrelevant. Aber hier und da gab es im Geschäft vielleicht einmal einen Tiertrainer, dem das Wohlergehen seiner Schützlinge am Herzen lag. Vor laufender Kamera, bedeutet es schon immer mehr Stress für Tiere, als für die Darsteller. Als Regisseur und Schauspieler Mel Ferrer 1958 den Roman GREEN MANSIONS – TROPENGLUT verfilmte, dessen Geschichte im Regenwald des Amazonas angelegt war, waren auch bei diesen Dreharbeiten selbstredend Tiere als Nebendarsteller gefordert. Seine Ehefrau Audrey Hepburn besetzte er für die Hauptrolle des ‚Vogelmädchens‘ Rima. Und als Mädchen des Dschungels brauchte sie natürlich auch einen tierischen Begleiter. Warum für den Amazonas die Wahl auf ein europäisches Rehkitz fiel, muss wohl als künstlerische Entscheidung gewertet werden.


Der zuständige Tiertrainer, dessen Name einfach nicht in Erfahrung gebracht werden kann, hielt es für eine gute Idee, dass die Hauptdarstellerin das Rehkitz sozusagen privat adoptierte. Im Sinn war, ein natürlicheres Zusammenspiel der beiden vor der Kamera zu suggerieren. Die Tierfanatikerin Audrey war begeistert, Ehegatte und Regisseur Mel fand es in Ordnung, und Yorkshire-Terrier Mr. Famous brauchte einige Zeit. Pippin das Rehkitz, wurde akzeptiertes Familienmitglied, und im Hause Ferrer-Hepburn nur noch Ip genannt. Wie es bei einer Zufallsbekanntschaft passieren kann, wurde daraus eine innige Beziehung. Wo Audrey hinging, war Ip dabei. Nicht nur am Set. Zuhause in der Küche, zusammen in der Hängematte, oder bei Einkauf im Supermarkt. Manche Menschen waren der Meinung, dass Ip eine gesunde Wirkung auf Audrey hatte. Die meisten sind sich aber sicher, dass es das ruhige und einfühlsame Wesen von Audrey war, welches Ip so anhänglich, zahm und vertrauensselig werden ließ.

Audrey-Hepburn-3Die schmerzhafte Trennung folgte nach den Dreharbeiten. Audrey war bewusst, sich aufgrund ihrer Tätigkeit nicht angemessen um Ip kümmern zu können. Zudem können ausgewachsene Rehe kaum noch in einem geschlossenen Umfeld gehalten werden. Es war eine schwere, aber letztendlich vernünftige Entscheidung. Audrey hatte noch keine eigenen Kinder, und ihr war bewusst, dass Ip diese Rolle wenigstens für einen kurzen Zeitraum eingenommen hatte. Kurze Zeit danach war die gefeierte Schauspielerin schwanger, hatte aber leider eine Fehlgeburt. Die Geschichte will es, dass Mel Ferrer sich aufmachte, um Ip noch einmal wenigstens an das Krankenbett seiner Frau zu bringen. Und wer diese Anekdote anzweifelt, sollte wenigstens zugeben, dass sie einfach zu schön ist, um als Gerücht abgetan zu werden.

1960 kam dann Sean Hepburn Ferrer auf die Welt. Es sei einmal dahin gestellt, dass man Babys grundsätzlich  als niedlich und hübsch bezeichnet. Aber Sean Hepburn Ferrer war mit Sicherheit nicht so putzig und anschmiegsam wie seinerzeit Ip. Doch Audrey und Mel haben einen anständigen Burschen aufgezogen. Schon vorher sagte sie in einem Interview: „Ich habe keine eigenen Kinder. Doch ich habe sehr viel von Ip gelernt.“

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