Jason Statham – SHELTER

Shelter - © 2025 Black Bear– Bundesstart 09.04.2026
– Release Start 29.01.26 (GR)

Versprochen: Wenn Jason Statham auf dem Plakat steht, dann ist auch Jason Statham drin. Nicht wenn er sich die Titel teilen muss wie bei „Operation Fortune“ oder „Fast & Furios“, doch bei allen Einzelfilmen, die zurückreichen bis zu „Transporter“. Da ist Statham in der Art drin, wie jeder zu erwarten weiß. Wie bei „Shelter“. Wortkarg, witzlos, geheimnisvoller Hintergrund, eremitierter Einzelkämpfer. Ein Kerl der vorgibt in Ruhe gelassen zu werden, bis jemand Unschuldiges in Bedrängnis gerät. Im besten Fall sind die bösartigen Häscher aus den höchsten Regierungs- oder Militärkreisen. Meist gibt er vor ein Typ aus dem Volk zu sein, wie Truck-Fahrer oder sogar Bienenzüchter. In „Shelter“ ist  Statham Leuchtturmwärter, ansonsten ist alles beim Alten. Nur durch Zufall kommt das Boot in Seenot, welches ihn auf der einsamen Insel mit Lebensmittel versorgt. Nur durch Zufall überlebt allein die junge Jessie. Nur durch Zufall wird Jessie so unglücklich verletzt, dass der wortkarge Leuchtturmwärter gegen alle Vorsätze in die Stadt an Land muss.

Und wie durch Zufall, wird der geheimnisvolle Leuchtturmwärter vom Geheimdienst MI6 entdeckt. In seiner ersten halben Stunde erweckt der Film tatsächlich den Eindruck, als könnte es sich um eines dieser Dramen in irischen oder schottischen Gefilden handeln, die von Einsamkeit und Menschlichkeit erzählen. Im selben Jahr wie diesen Film, hat Regisseur Ric Roman Waugh auch seine Fortsetzung „Greenland 2: Migration“ gemacht. Ein Katastrophenfilm der sich mit vielen menschlichen Zwischentönen vom Einerlei abhob. Hier täuscht Waugh nur an, um dann nach dieser halben Stunde in ein Fahrwasser einzulenken, welches weit – sehr weit – vorhersehbar ist.  

Mit den Tücken moderner Überwachungs- und Kommunikationstechnik wird der namenlose Leuchtturmwärter zu Michael Mason. Lange gesuchter Elitesoldat, der in Ungnade gefallen ist, und deswegen fallen muss. Durch Kameras in den Straßen, oder in Autos, aber auch durch Selfies in Sozialen Medien bleibt das MI6 an Michael dran, und ihm ein Sonderkommando oder eine ebenbürtige Kampfmaschine namens Workman auf den Fersen. Natürlich muss dann auch Michaels Schützling Jessie beseitigt werden, sonst hätte der Leuchtturmwärter ja keine vernünftige Motivation.

Die Sinnhaftigkeit allen Geschehens stellt sich schon mit der grundlegenden Prämisse in Frage: Warum einen Mann töten, der jahrelang erfolgreich untergetaucht war, und ganz offensichtlich selbst den Bösen nicht schaden wollte? Natürlich finden sich für alle überbewertende Fragen auch an den Haaren herbeigezogene Antworten. „Curtiz“-Schreiber Ward Parry ist in dieser Beziehung nicht sehr einfallsreich (anders als bei „Curtiz“). Kaum etwas im Verlauf  ergibt Sinn. Allerdings ist das auch nicht das Ziel dieses Films, wie bei den wenigsten Statham-Filmen. Das Ziel ist der Unterhaltungsfaktor, und der ist auf seine anspruchslose Art durchaus gegeben.

Dabei wäre es doch so gut möglich gewesen, aus der mittlerweile real gewordenen Dauerüberwachung und ständigen Verfügbarkeit aller persönlichen Informationen viel mehr aus der Geschichte zu machen. Am Ende vielleicht sogar etwas gesellschaftskritisches, oder Sozialsatire? Wie Michael Mason vom MI6 gefunden wird ist eigentlich eine Steilvorlage. Aber die bleibt ungenutzt.

Shelter a - © 2025 Black Bear

Es gibt vier ausgezeichnete Actionsequenzen. Als erstes gegen das Elitekommando, dass dann doch nicht so Elite ist (oder Statham einfach zu perfekt). Eine die Karosserie quälende Autoverfolgung querfeldein. Und zwei Nahkämpfe zwischen Mason und seinem Häscher Workman. Das sind die Elemente, weswegen ins Kino gegangen wird, und kaum jemand enttäuschen werden. Allerdings lässt der Finale Kampf an Aufwand und Inszenierung stark zu wünschen übrig, und funktioniert eher antiklimaktisch. Was aber nicht an Bildgestalter und Kameramann Martin Ahlgren liegt. Der hat mit Waugh auch „Greenland 2“ gemacht, und ansehnlich, sowie angemessen umgesetzt.

Hier bei „Shelter“ unterliegt Martin Ahlgren allerdings dem Irrtum, dass Nahaufnahmen in Kampfszene, diese auch intensiver wirken lassen. Und genau das tut es nicht, viel mehr verwirrt die hektische Nähe an den Personen den optischen Genuss. Doch Matthew Newman schafft in der Montage einen exzellenten Ausgleich zu Ahlgrens Kameraführung, in dem er Einstellungen länger stehen lässt. Damit sind die Darsteller als sie selbst auch in ihren physikalischen Anstrengungen gut zu erkennen, und damit auch mit ihren athletischen Leistungen. Die Choreografie legt dabei weniger Wert auf Ästhetik, als vielmehr auf einen realistischen schmerzhaften Kampf.

Es ist also ordentlich Statham drin, wo Statham draufsteht. Freunde der gepflegten Action und sinnbefreiten Handlungen werden bestens unterhalten. Manchmal ist es eben einfach so, dass es ganz gut tut nicht alles hinterfragen zu müssen. Dafür ist „Shelter“ gedacht. Alles andere wäre vermessen. Dazu ist die Leistung von Bodhi Rae Breathnach als Stathams Sidekick im besten Falle zu gewöhnlich, und Bill Nighy macht als verdeckter MI6-Drahtzieher viel zu sehr den Eindruck, als würde er nicht wissen was er hier tut. Und über die schwindelerregenden Logiklöcher will man gar nicht rede. Aber es steht Statham drauf, und das ist manchmal schon ausreichend.

Shelter b - © 2025 Black Bear


Darsteller: Jason Statham, Bodhi Rae Breathnach, Naomi Ackie, Bryan Vigier, Harriett Walter und Bill Nighy u.a.

Regie: Ric Roman Waugh
Drehbuch: Ward Perry
Kamera: Martin Ahlgren
Bildschnitt: Matthew Newman
Musik: David Buckley
Produktionsdesign: Tim Blake
Großbritannien, USA / 2026
107 Minuten

Bildrechte: BLACK BEAR
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