ALLEGRO PASTELL

Allegro Pastell - (c) DCM Film Verleih– Bundesstart 16.04.2026

DCM- Screener, Digitales Kino, 14.06.2026
Dies ist ein sehr konkreter Film. Wie Leif Randts Romanvorlage auch, der die Adaption zum Drehbuch gleich selbst übernommen hat. Der Film spricht ein ganz konkretes Publikum an. Doch welches das ist, gilt es zu enträtseln. Nicht die, die das Buch gelesen haben, naturgemäß ist ein Film selten inhaltlich stärker als der Roman. Und warum sollte sich jemand durch die filmische Personifizierung der Figuren die letzte Fantasie nehmen lassen. Gleichwohl ist es in diesem Fall unheimlich schwierig ein bislang unbedarftes Publikum zu erreichen. „Allegro Pastell“ ist eine sehr konkrete Geschichte, für ein sehr konkretes Publikum – die Millenials, oder auch Generation Y. Es ist also alles auf ein bestimmtes Lebensgefühl, auf einen definierten Zeitgeist ausgerichtet. Der Film und damit seine Figuren sind in ihrem Hier-und-Jetzt, verhaftet in einem greifbaren Realismus. Ob Kneipen, Restaurants, Kleidung, Firmen, oder Sprachjargon – es handelt sich um reale Orte, Güter oder auch Gepflogenheiten. In diesem realen Umfeld sind nur die Figuren erfunden, aber authentisch.

Die Mittdreißigerin Tanja Arnheim (Sylvaine Faligant) ist mäßig erfolgreiche Schriftstellerin in Berlin. Der gleichaltrige Jerome Daimler (Jannis Niewöhner) ist Webdesigner, wohnhaft im von der Mutter geerbten Haus im ländlichen Umland von Frankfurt. Tanja und Jerome haben eine funktionierende Fernbeziehung – glauben sie zumindest. Sie kommunizieren lieber über Textnachrichten und E-Mails, weil sie so ihre Gedanken klarer ausdrücken können, meist sehr analytisch. Es ist viel Off-Text in diesem Film zu hören. Selbstreflektierend, als Abrisse eines Lebensgefühls.

Es bleibt außer Frage, dass Sylvaine Faligant und Jannis Niewöhner ausgezeichnet spielen. Nur ihre Figuren bleiben abstrakt fremd. Ein wehleidiger Narzissmus umgibt Tanja und Jerome. Sie brauchen sich, wollen füreinander da sein, aber ohne etwas von sich selbst aufzugeben. Die denken viel und referieren darüber, was alles sein könnte oder sollte. Doch sie leben nicht danach. Sie erschöpfen sich in dem, was sie nicht tun werden. Von außen betrachtet, ist es schwer für Tanja und Jerome Sympathien zu entwickeln. In ihrem ständigen Auf und Ab ihrer Gefühle, bleibt zwischen Leinwand und Auditorium eine emotionale Leere. Es sind Figuren, die allein für ihre Generation stehen.

Allegro Pastell 1 - © Walker + Worm - Felix Pflieger

Die Kamera begleitet diesen sinnsuchenden Pragmatismus mit stehenden Einstellungen und langen Tracking-Shots. In seiner Bildgestaltung widerstrebt Felix Pflieger dem gewachsenen Trend, eine künstliche Nähe durch verwackelte Schulterkamera zu suggerieren. Seine Bilder sind präzise kadriert, mit starken Kontrasten, und laden zum beobachten und erkunden – die Gesichter der Figuren, und das Geschehen rund um die Figuren. Die sauber betonten Kamerabilder vermitteln auch ein Gefühl von Distanz. Es unterstreicht den Film in seiner erstaunlichen Emotionslosigkeit.

Kritische Merkmale der Generation X, wie sie Douglas Coupland in seinem gleichnamigen Roman definierte, war die ironische Distanz, Abkehr von Markenlogos oder auch die kulturelle Übersättigung. Die Generation Y, also Millenials, finden sich fast – aber nur fast – im genauen Gegenteil von Weltauffassung und Selbstwert. Regisseurin Anna Roller bringt das mit ihrem präzise inszenierten Film geradewegs auf den Punkt – für ein Publikum exakt aus dieser Generation. Es ist ebenso Leitfaden, wie vorgehaltener Spiegel. „Ich wollte das alles leicht bleibt, dass unsere Begegnungen schön sind, aber nicht existenziell“, sagt Tanja. Während solcher Lebensweisheiten zeigt Anna Roller in ihrem „Allegro Pastell“, dass die Wirklichkeit genau andersherum funktioniert.

Allegro Pastell 2 - © Walker + Worm - Felix Pflieger


Darsteller: Sylvaine Faligant, Jannis Niewöhner, Haley Louise Jones, Luna Wedler, Martina Gedeck, Wolfram Koch u.a.

Regie: Anna Roller
Drehbuch: Leif Randt
nach seinem Roman
Kamera: Felix Pflieger
Bildschnitt: Andreas Wodraschke
Musik: Max Rieger
Produktionsdesign: Lena Müller, Luisa Rauschert
Deutschland / 2026
100 Minuten

Bildrechte: DCM Film Verleih
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