HOW TO MAKE A KILLING – Todsicheres Erbe

How Make Killing - © 2026 STUDIOCANAL SAS– Bundesstart 09.04.2026
– First Release 20.02.2026 (CAN)

Neuinterpretationen von Filmklassikern müssen nicht zwangsläufig schlecht sein. Als Leigh Whannell 2020 den „Invisible Man“ mit Elizabeth Moss neu überdachte, wurde daraus eine wirklich fantastisch gelungene Adaption. Hingegen lagen ausgerechnet die Coen-Brüder mit der Neuauflage des britischen Kultklassikers „Ladykillers“ nicht ganz auf dem schwarzhumorigen Niveau des Originals. Die Briten sind eben ein ganz eigenes Volk in Sachen Humor – wie vor 75 Jahren in „Adel verpflichtet“. Ein entfernter Verwandter muss sich durch 8 Personen meucheln, um in der Erbfolge an erste Stelle zu gelangen. Stellt sich eigentlich die Frage, warum eine Neuverfilmung so lange gedauert hat, bei dieser bitterbösen und herausfordernden Prämisse. Es ist John Patton Fords zweiter Spielfilm, nach dem überaus spannenden Überraschungshit „Emily the Criminal“. Und auch hier hat Ford wieder selbst das Drehbuch geschrieben. Die Frage, warum eine Neuinterpretation von „Adel verpflichtet“ so lange gedauert hat, muss mit einer Gegenfrage beantwortet werden: Warum hat dieser Versuch überhaupt sein müssen?

Seine Mutter wurde von ihrem Multi-Milliarden schweren Vater – seinem Großvater – verstoßen, weil sie ihn als Teenager austragen und auf die Welt bringen wollte: Beckett Redfellow. Etliche Jahre später und leidlich im normalen Arbeiterleben verhaftet, will Beckett Redfellow umsetzen, was ihm seine sterbende Mutter geraten hatte – sich zu holen, was ihm zusteht. Zwischen Beckett und seinem Großvater Whitelaw Redfellow stehen noch sieben andere in der Erbfolge. Und so beginnt ein ironischer Reigen des Ablebens, dem allerdings die Ironie fehlt. Überhaupt, kann sich Ford nicht entscheiden, in was für eine Richtung sein Film eigentlich gehen soll.

Und mittendrin ausgerechnet All-American Boy Glen Powell, der seine Super Star Qualitäten mit der brillanten und biografischen Komödie „Hit Man“ endgültig festgelegt hatte. Glen Powell versucht hier mit seinem Markenzeichen-Charme zwischen Unschuld und Selbstbewusstsein einen soziopathischen Killer salonfähig zu machen. Und das würde gerade mit Glen Powell auch hier sehr gut funktionieren, hätte sich der Regisseur ein weit besser durchdachtes Drehbuch geschrieben. Doch dieser Film ist nicht witzig wenn er es sein sollte, und ihm fehlt die Dramatik in den ruhigen Momenten. Ganz zu schweigen von der absoluten Abwesenheit von bitterböser Satire.

How Make Killing 2 - © 2026 STUDIOCANAL

Ford ist vielmehr auf die Versuche konzentriert, so viele gute gemeinte Wendungen wie möglich in die Handlung einzubauen. Dabei scheint ihm abhanden zu kommen was eine schwarzhumorige Komödie ausmacht, und täuscht sich immer wieder in Absicht und Auswirkung. So tötet Beckett mit kaltschnäuzigem Kalkül einen Cousin von dem er wirklich bewundert wird, und klaut obendrein noch dessen Freundin, hat aber mächtig Skrupel bei einer wirklich verabscheuungswürdigen Person. Dann gibt es noch eine psychotische Bekannte aus Kindstagen, die versucht Beckett zu erpressen. Und es gibt eine Rahmenhandlung in der Beckett in seiner Zelle auf seine Hinrichtung wartet, die einen essenziellen Twist beinhaltet. Allerdings die Tatsache ignorierend, dass Todeskandidaten oft Jahre oder Jahrzehnte auf die Vollstreckung warten.

Das alles geht irgendwie nie richtig zusammen. Ford hangelt sich von einem Handlungselement zum nächsten, ohne eine sinnstiftende Verbindung dazwischen zu haben. So ist das FBI umgehend auf Becketts mörderischen Spuren, verhaftet ihn aber nur, wenn ihm ein Alibi gelingt, lässt ihn aber unbehelligt, wenn seine Verstrickung allzu offensichtlich ist. Die Struktur von Buch und Regie ist schlichtweg willkürlich. Und damit beraubt sich Ford selbst jedweder Spannungsmomente.

Selbst die künstlerisch technische Umsetzung bleibt in den guten Absichten hängen. Die ständige Wiederholung der immer gleichen Kameraeinstellung bei den einzelnen Beisetzungen wäre ein herrlich absurdes Element, wären nur die restlichen 98% des Films ebenso exzentrisch inszeniert. Bill Camp, Ed Harris, Jessica Henwick, Margaret Qualley, angeführt von einem ebenso bemerkenswerten Glen Powell. Was sollte da schon schief gehen? Es geht nichts schief, wenn man lieber noch einmal auf Fords „Emily the Criminal“ mit der ebenfalls bemerkenswerten Aubrey Plaza zurückgreift.

How Make Killing 1 - © 2026 STUDIOCANAL


Darsteller: Glen Powell, Margaret Qualley, Jessica Henwick, Bill Camp, Ed Harris, Topher Grace, Zach Woods u.a.

Regie & Drehbuch: John Patton Ford
Kamera: Tod Banhazl
Bildschnitt: Harrison Atkins
Musik: Emile Mosseri
Produktionsdesign: Christian Huband
Großbritannien, Frankreich / 2025
105 Minuten

Bildrechte: STUDIOCANAL
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