READY or NOT 2: Here I Come

Ready or Not 2 - © 2026 Searchlight Pictures– Bundesstart 09.04.2026
– First Release 19.03.2026 (ARG)

Jeder Film wurde schon einmal gemacht. Es ist Weisheit und Wahrheit gleichermaßen. An dieser Stelle war vor über fünf Jahren zu lesen, „Ready or Not“ würde sich dadurch hervor tun, all die Klischees und Blaupausen des Horrorfilms und von Revenge-Thrillern frisch und unverbraucht wirken zu lassen. Es war ein verdienter Überraschungserfolg, und ein Durchbruch für Samara Weaving der gleich mit Superstar-Status einherging. Frisch und unverbraucht kann man auch die viel zu spät erscheinende zweite Auflage nennen. Frisch und unverbraucht nicht nur zu anderen Vertretern der Genres, sondern auch zum eigenen Vorgänger. Obwohl der Film direkt mit der letzten Szene des ersten Films beginnt. Das Herrenhaus steht in Flammen, die den Teufel anbetende Le Domas Familie ist ausgelöscht, in die Grace gerade einmal für 12 Stunden eingeheiratet war. Sie kommt ins Krankenhaus, wird dort aber gleich verhaftet, und zu allem Überfluss erscheint noch ihre entfremdete Schwester Faith.

Die Streitereien zwischen den Schwestern liefern im Verlauf den größten Anteil an Witz, aber auch an Drama. Doch mit Grace und Faith (Gnade und Glaube) – was soll da schon schief gehen, wenn es gegen die Stellvertreter des Teufels geht. Die „Scream“ und „Abigail“ Regisseure Bettinelli-Olpin und Gillett haben nicht nur erneut die Inszenierung übernommen. Das Regie-Duo, welches sich im Gespann eigentlich Radio Silence nennt, hat dieses Mal auch am Buch mitgeschrieben. Die Autoren Busick und Murphy sind dennoch an Bord geblieben. Also alles im doppelten Doppelpack, der Film trägt ja auch die 2 im Titel. Entsprechend ist auch alles aufgeblasen.

Mit der Opfergabe von Grace wäre die Familie Le Domas‘ weiterhin Vertreter des Teufels geblieben. Jetzt machen sich gleich vier Familien aus allen Teilen der Erde auf den Weg, denn die Regeln gelten noch. Wer Grace erlegt, übernimmt den höllischen Vorposten, und damit alle Macht der Welt. An dieser Stelle muss auf den ‚Anwalt‘ eingegangen werden, der im Namen Luzifers darauf achtet, dass alle Regeln des Spiels eingehalten werden. Dieser ‚Anwalt‘ wird von Elijah Wood mit so viel sichtlichem Vergnügen gespielt, dass er allein schon jeden Cent des Eintritts wert ist. Zudem es ist eine überirdische Freude, wie streng sich im Höllenreich an die Bürokratie gehalten wird.

Alles über Gebühr aufgeblasen – meist zum Guten, manchmal weniger glücklich. Der Überraschungsmoment der platzenden Körper aus dem ersten Teil – wenn jemand gegen Regeln verstößt, oder verliert – der ist natürlich dahin. Und bei wesentlich mehr Spielern in der Runde, ist der explodierende Blut- und Fleischanteil entsprechend hoch. Doch die Macher geizen auch nicht an originellen Kills, welche Splatter und Slasher-Freunde angenehm befriedigen werden. Wenngleich wirkliche Innovationen vermisst werden – wie seinerzeit Graces Loch in der Hand und ein rettender Nagel.

Ready or Not 2 c - © 2026 Searchlight Pictures

Fragwürdig ist allerdings erneut eine Szene – auch vom Original übernommen und aufgeblasen – in der eine Frau weit über das Ertragbare erniedrigend blutig geschlagen und getreten wird. Gerade wenn ein Film in seiner Prämisse und Umsetzung mehr mit Absurdität und schrägem Witz unterhalten will gibt es gewisse Regeln, welche Radio Silence an dieser Stelle ignoriert haben. Ansonsten bleibt das Regie-Duo mit unglaublichen Tempo und perfidem Humor in der sich immer weiter öffnenden Welt seiner Geschichte. Grace und Faith prügeln, schießen, und stechen sich durch die Anwärterschaft als Luzifers Stellvertreter. Dafür mussten sie auch die schicke Atmosphäre der ausladenden Le Domas Villa verlassen.

Im Original war noch der obszön prunkvolle Prachtbau ein integrales und signifikantes Element als Allegorie für die Kill-the-Rich-Geschichte. Hier geht es nach draußen, auf einen leeren Golfplatz, und nach drinnen in ein Luxushotel – aber lediglich in die Serviceräume. Das macht weniger Spaß, wirkt etwas willkürlich, und auch beliebig. Umso bemerkenswerter ist die Kamera von Brett Jutkiewicz, die sich immer wieder den Bewegungen bestimmter Protagonisten anpasst – ob sie nach vorne fällt, sich zur Seite legt, oder um sich selbst dreht. Die Optik zieht richtiggehend in die wilde Action hinein. Am Besten im Zweikampf von zwei durch Pfefferspray vernebelte Rivalinnen – in herrlichen Gegenschnitten wird gezeigt was die Kämpferinnen glauben zu sehen, und auf was sie tatsächlich einprügeln.

Kenner des Genres haben bereits im ersten Teil die kurze Erwähnung einer weiteren Familie vernehmen können. Autor Guy Busick ist mit seiner Arbeit an „Final Destination: Bloodlines“ und den „Scream“-Neuauflagen – letztere ebenfalls von Radio Silence – mit Fortsetzungen und der Handhabung von Legenden bestens vertraut. Diesbezüglich wäre es nur verständlich, wenn Busick trotz des seinerzeit originalen Materials von „Ready or Not“ nicht auch schon in die Zukunft gedacht hätte. Von Radio Silence stammt jedenfalls die Idee der Schwestern, die im ersten Teil verworfen wurde.

Ready or Not 2 b - © 2026 Searchlight Pictures

Kein noch so absurder Film bleibt davon verschont, dass heute alles in großen überbordenden Universen gedacht wird. Allerdings hat sich „Ready or Not“ mit dieser Fortsetzung eine herrlich verrückte Welt – oder besser gesagt ‚Unterwelt‘ – geschaffen, die einen dritten Teil absolut und von blutigem Herzen rechtfertigt. Während „Ready or Not 2: Here I Come“ qualitativ in Technik und Originalität mit seinem Vorgänger höchstens gleichauf liegt, wird dieser Teil allein wegen seines wilden Ensembles zu einem absoluten Muss. Nicht nur wegen des grandiosen Elijah Wood.

Es sollte unmöglich sein einen anderen Film zu finden, bei dem die Darsteller mit so offensichtlicher Freude und Hingabe agieren. Teilweise mit derart sichtbarem Spaß, dass man einige Szenen auch für Outtakes halten könnte. Entgegen aller Befürchtungen, ist das garantiert kein Nachteil. Wermutstropfen nicht nur im Spiel, sondern den ganzen Film betreffend, ist Shawn Hatosy als vom unbedarften Stümper zum obersten Bösewicht mutierenden Teufelsanbeter, der einfach falsch besetzt ist. Hatosy fehlt Charisma, und er kommt über abgenutzte Schurkenstandards nie hinaus.

Hatosy enttäuscht im Gegensatz zu seiner herrlichen Filmschwester Sarah Michelle Gellar, die mit stoischer Gelassenheit und kühler Präzision die Lage versucht im Griff zu behalten. Die Chemie zwischen Samara Weaving und Kathryn Newton ist insofern stimmig, dass ihre desolate Beziehung genrebedingt weniger stark beleuchtet werden kann. Aber Newton ist mit ihrer spürbaren Energie perfekt für den überraschenden Wandel zum Final-Girl. Weaving bleibt natürlich in der Führungsrolle, aber die Macher haben sehr gut daran getan Grace nicht zur stereotypen Überheldin zu stilisieren, sondern ihr nach dem vorangegangenen und nun folgenden Martyrium nicht nur physische, sondern auch glaubwürdige psychische Probleme mitzugeben. Dies macht das bemerkenswert grandiose Finale von „Ready or Not 2: Here I Come“ noch erhebender. Aber bitte nicht noch einmal sechs Jahre für eine Fortsetzung Zeit lassen.


Darsteller: Samara Weaving, Kathryn Newton, Elijah Wood, Sarah Michelle Gellar, Shawn Hatosy, David Cronenberg u.a.

Regie: Matt Bettinelli-Olpin & Tyler Gillett
Drehbuch: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett, Guy Busick, R. Christopher Murphy
Kamera: Brett Jutkiewicz
Bildschnitt: Jay Prychidny
Musik: Sven Faulconer
Produktionsdesign: Andrew M. Stearn
USA / 2026
108 Minuten

Bildrechte: SEARCHLIGHT PICTURES
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