MASPALOMAS

Maspalomas - (c) SALZGEBER– Bundesstart 24.09.2026
– Release 26.09.2025 (ES)

50 Jahre in einer falschen Ehe. Nach dem Outing, 25 Jahre in einer festen Beziehung. Mit 75 Jahren dann Single. Jetzt lebt Vicente sein Leben, wie es ihm so lange verwehrt war – in Maspalomas, einem Ferienort auf Cran Canaria. Ein Paradies für die schwule Community. Vicente hat ein Jahr als Single genießen können, bis plötzlich dieser blöde Schlaganfall dazwischenfunkt.
Regisseur und Autor Jose Mari Goenaga hat ein berührendes, aber nie sentimentales Portrait eines ganz normalen Homosexuellen gemacht – zusammen mit Aitor Arregi. Goenaga und Arregi sind Filmschaffende aus einer Gemeinschaft, die sich in der Aufgabenteilung nie festlegen. Dennoch – oder vielleicht deshalb – hat „Maspalomas“ eine wundervoll kohärente Dichte. Die Erzählweise wächst nie über die Geschichte hinaus. Halbseitig beeinträchtigt, wird Vicente von seiner Tochter Nerea aufs Festland in ein Pflegeheim gebracht. Sein Versteckspiel beginnt erneut.

Die Regisseure erzählen ruhig. Sie lassen sich auch Zeit, aber nicht die Art Zeit, welche die Geduld strapaziert. Die ersten zwanzig Minuten sind sehr ausführlich, sehr explizit in ihrer Darstellung des Lebens das Vicentes in Maspalomas verbringt. Für wen diese Welt fremd scheint entsteht in den ersten 20 Minuten eine Art Routine. Es ist Vicentes Leben, nach 75 Jahren vollkommen frei. Und seine Zufriedenheit ist zu spüren. José Ramón Soroiz ist der perfekte Vicente. Ruhig und neugierig, in einem Umfeld welches keine Worte benötigt. Sex, wann immer er will, mit allen Altersgruppen. Ja, Soroiz lässt spüren wie zufrieden er ist, ohne in große Gesten oder Theatralik zu verfallen.

Die Kamera ist meist aus der Perspektive von Vicente. Manchmal beobachtet sie Vicente, dann blicken wir wahrlich in seine Gedanken. Die Kamera von Javier Agirre ist sehr sensibel, weiß immer was wir sehen sollen, ist aber auch nie aufdringlich. Im Pflegeheim beginnt ein emotionales Katz-und-Maus-Spiel. Sein Zimmernachbar Xanti ist ein bürgerlicher Konservativer. Tochter Nerea hat mit Vicente gebrochen, als er die Familie vor 26 Jahren verlassen hat. Der schwule Pfleger Iñaki würde Vicente gefallen. So viele Stolpersteine, die ihn dazu bringen sich wieder zu verstecken.

Maspalomas 2 - (c) SALZGEBER

Vicente ist zurück auf Anfang. Anstelle des großen Dramas, erzählt der Film die Geschichte mit etwas Wehmut, mit verstohlenem Humor, und sehr viel Gefühl. Ausgerechnet der laute und aufdringliche Xanti wird zu Vicentes emotionaler Stütze, dem es dadurch auch gelingt, seine Vergangenheit mit der eigenen Tochter aufzuarbeiten. Nachts stöbert Vicente in queeren Kontaktbörsen, verstohlen unter der Bettdecke. Tagsüber fällt ihm auf, wie seine Verschlossenheit die Situation noch unerträglicher macht. Doch Vicente lebt eben nun wieder in so einer konservativen Welt, in der ein für ihn notwendiges zweites Coming-out kein Verständnis finden würde.

„Maspalomas“ ist am Anfang etwas aufdringlich in seiner Darstellung. Das nutzt die Erzählung aber umso geschickter für die folgenden 90 Minuten, in denen die Zuschauenden auch keine verbalen Erklärungen, keinen Wink mit den Zaunpfahl brauchen. So wie José Ramón Soroiz zu Beginn seine tiefe Zufriedenheit spüren lässt, so intensiv berührt uns sein zurückhaltendes Spiel in der zweiten Hälfte der Geschichte. Vicente will sich nicht schon wieder aufgeben. Und wir begleiten seinen schwierigen Weg mit Wohlgefallen, denn wir wissen, dass er seine innere Kraft – gegenüber seiner körperlichen Einschränkungen  – nie wirklich verloren.

Maspalomas 1 - (c) SALZGEBER


Darsteller: José Ramón Soroiz, Nagore Aranburu, Kandido Uranga, Zorion Eguileor, Kepa Errasti u.a.

Regie: Jose Mari Goenaga, Aitor Arregi
Drehbuch: Jose Mari Goenaga
Kamera: Javier Agirre
Bildschnitt: Maialen Sarasua Oliden
Musik: Aránzanu Calleja
Art Directeor: Mikel Serrano
Spanien / 2025
115 Minuten

Bildrechte: SALZGEBER
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