fast verpasst: OUTCOME

Outcome - (c) Apple TV– Release 10.04.2026 Apple TV

„Weißt du wie schwer es ist du selbst zu sein? Wenn du ein Star bist, musst du doppelt spielen. Einmal, wenn du deine Rolle spielst, und dann auch wenn du dich selbst spielst.“ Das war seinerzeit schon eine Warnung von Jay Kellys Schauspiellehrer. Jay Kelly nahm die Herausforderung an. Das war das Leben, das er wollte, und ihn letztendlich zum größten Schauspieler seiner Generation machte. In der gleichen Position befindet sich auch Reef Hawk, zweifacher Oscar-Preisträger, und Held von gleich drei der erfolgreichsten Filmreihen. Jemanden mit einer Karriere wie Reef Hawk von Keanu Reeves spielen zu lassen, soll dem Film natürlich eine griffige Plausibilität geben. Ähnlich wie „Jay Kelly“ mit der Besetzung von George Clooney eine Art metaphysischer Ebene zuteilwird – wie auch auf dieser Seite nachzulesen. Und selbst wenn es möglich ist, stundenlang über „Jay Kelly“ zu philosophieren, geht es an dieser Stelle doch um „Outcome“ – Jonah Hills zweite Filmregie, lässt man seine ego-freundliche Dokumentation „Stutz“ außen vor. Allerdings erweist sich „Outcome“ als Hills weit egozentrischeres Vehikel.

Nach fünf Jahren Auszeit will Reef Hawk zurück auf die Leinwand. Auszeit für die Außenwelt. In Wirklichkeit waren es fünf Jahre Entzug von Drogen und Alkohol. Doch ein erpresserisches Video könnte den Neustart in die Quere kommen. Inhalt und Erpresser bleiben vorerst unbekannt, aber Reefs vollkommen überdrehter Anwalt und Krisenmanager Ira Slitz (Jonah Hill) reagiert mit einem Konglomerat an spezialisierten Anwälten, von Frauen- bis Religion- hin zu Menschenrecht.

Hingegen raten Reefs beste Freunde und Wegbegleiter Kyle und Xander (Cameron Diaz und Matt Bomer) zu einer Entschuldingungstour, zu allen Personen denen Reef in seiner Alkohol- und Drogen-geschwängerten Zeit Unrecht getan hat. Allerdings war sich Reef dieser Vergehen als solcher nicht bewusst. Und die Liste ist lang. Doch wenn der Erpresser eines von Reefs mentalen Opfern ist, wird sicher auch das Video verschwinden. Somit bekommt die Geschichte von „Outcome“ eine wunderbare Ausgangssituation. Nicht nur als Charakterstudie als solche, sondern ins Besondere als wunderbare Gelegenheit für eine Reflexion über den Preis einer Karriere als Hollywoods Superstar.

Aber Jonah Hill hat als Produzent, Regisseur, Darsteller und Co-Autor – mit Ezra Woods – keinen „Jay Kelly“ im Sinn. Er will eine Komödie, er will eine Satire, einen überzogene Farce auf das Filmgeschäft. Doch irgendwie versucht er es auch mit der intensiven Charakterstudie. Dieser Teil gelingt mit Keanu Reeves ausgezeichnet, der sich paradoxerweise mit dem wortkargen John Wick als einer jener Darsteller bewies, die ohne Dialog so viel mehr ausdrücken können. Und hier ist Reeves als Reef am besten, wenn er sich als passiver Gesprächspartner versucht bei denen zu entschuldigen, die er schwer in ihren Gefühlen verletzt hat. Hier geht Reeves auch tief zu Herzen.

Doch ein Film hat auch ein Problem, wenn von allen Darstellern ausgerechnet ein Regisseur das beste Spiel bei allen gebotenen Vorstellungen zeigt. Martin Scorsese ist Richie Rodriguez, genannt Red, und Reefs erster Manager seinerzeit in Kindstagen. Jetzt betreibt er eine Bowling-Halle, und versteht, dass Reef mit steigendem Erfolg damals auch das Management wechseln musste. Der Regisseur überrascht dabei mit einer Sensibilität, die nicht ehrlicher und mitreißender sein könnte.

Outcome 1 - (c) Apple TV

Ziemlich absurd hingegen ist der Auftritt von Susan Lucci als Reefs Mutter Dinah, welche Reefs Entschuldigung für ihre Reality-Show aufzeichnen lässt. Doch in dieser skurrilen Situation ist Susan Lucci diejenige mit dem besten Satz im Film und zum Thema eines sich ständig verstellenden Superstars: „Nur weil dabei Kameras laufen, heißt das nicht das es nicht real ist, und nur weil es gespielt wird, heißt es nicht das es nicht die Wahrheit ist.“ Damit hat es sich leider, was der Regisseur und Autor Hill an irgendeiner Art von cleveren oder gar tieferen Einblicken in den Wahnsinn der Filmbranche bietet. Denn das der Film nicht funktioniert, liegt ganz allein beim Macher selbst.

Der Regisseur Jonah Hill lässt dem Schauspieler Jonah Hill absolut freien Lauf, ohne Rücksicht oder auch nur einer Spur von Finesse. Eine Toilettenszene macht den Eindruck als hätten sich die Wayans-Brüder nicht mehr unter Kontrolle gehabt. Als Krisenmanager Slitz läuft Hill regelrecht Amok, kalauert schlecht, schneidet unentwegt überflüssige Grimassen, und bewegt sich wie auf Drogen. Bei Cameron Diaz und Matt Bomer als Reefs beste Freunde merkt man, dass sie die zweite Reihe wirklich genießen. Aber entgegen Hill, wirkt ihr entspannter Freilauf absolut für die Geschichte.

Hier gibt es einen Film der gegen sich selbst arbeitet. Die beabsichtigte Satire fällt den wirklich guten emotionalen Szenen ständig in den Rücken. Davon abgesehen das was Jonah Hill als Regisseur, und er mit Azra Woods als Autoren für witzig, bissig oder ironisch hält, weder witzig, noch bissig oder ironisch ist. Das Konzept einer satirischen Komödie wird stets von gefühlvollen Charakterszenen unterbrochen. Hill beweißt  durchaus Gespür für einzelne Szenen. Aber sie fügen sich nicht – und so beißt sich die Schlange bei jeder neuen Szene ständig selbst in den Schwanz.

Was sich das Kreativteam dabei gedacht haben mag, die Szenen am Strandhaus ganz offensiv mit LED Wänden in einem Volume Studio zu realisieren, und dann auch noch die Farbintensität überzeichnen zu lassen, wird auf immer ein Rätsel bleiben. Dazu kommt ein absolut an den Haaren herbeigezogener Streit zwischen den drei Freunden Reef, Kyle und Xander, der ganz offensichtlich nur aus dramaturgischen Gründen stattfinden muss. Insider und Film-Geeks können bei „Outcome“ die eine oder andere Pointe genießen, ein ansprechendes Filmvergnügen ist das aber nicht. Die sensible Geschlossenheit eines „Jay Kelly“ ist nicht zu erwarten. Ja, „Jay Kelly“ ist ein ganz anderer Film, aber der macht seine überstrahlende Figur und die Kehrseiten des Filmgeschäfts wenigstens verständlich. Und ist um ein vielfaches unterhaltsamer.

Outcome 2 - (c) Apple TV


Darsteller: Keanu Reeves, Cameron Diaz, Matt Bomer, Jonah Hill, Cary Christopher, Laverne Cox, Kaia Garber u.a.

Regie: Jonah Hill
Drehbuch: Jonah Hill, Ezra Woods
Kamera: Benoit Debie
Bildschnitt: Nick Houy, Nicholas Ramirez
Musik: Jon Brion
Produktionsdesign: K.K. Barrett
USA / 2026
83 Minuten

Bildrechte: APPLE TV
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