GLENNKILL: Ein Schafskrimi

Sheep Detectives - © 2026 Sony Pictures EntertainmentTHE SHEEP DETECTIVES
– Bundesstart 14.05.2026
– First-Release 06.05.2026 (PHL)

Gäbe es nicht schon „Ein Schweinchen namens Babe“, wäre es „Glennkill“, der den Platz eines Klassikers in der kulturellen Bedeutung von „Babe“ einnehmen würde. Fast zehn Jahre hat es gedauert, bis die Rechte des Erstlings der deutschen Schriftstellerin Leonie Swann geklärt waren. Die UFA wollte selbst mit einem Animationsfilm eine deutsche Produktion auf den Weg bringen. In der ganzen Zeit hat sich der renommierte Autor von „Hangover“- und „Scary Movie“-Fortsetzungen, Craig Mazin, nicht von einer Adaption abhalten lassen. Daraus hat Minions-und-Gru-Veteran Kyle Balda einen Film gemacht, der nur sehr wenig mit der Romanvorlage zu tun hat. Doch es ist ein fantastischer Familienfilm – so wie diese auch sein sollten. Das junge Publikum nicht unterschätzend, aber auch nicht überfordernd, und anspruchsvoll genug für kritische Erwachsene.

Außerhalb des kleinen Dorfes Denbrook im englischen Hinterland, lebt auf einer saftig grünen Wiese Schäfer George Hardy in einem Wohnwagen. Er liebt seine Schafe – so sehr, dass er ihnen auch zur Abendstunde Krimis vorliest. Und dann, eines Tages, unerwartet, liegt George tot vor seinem Wohnwagen. Lily, das klügste Schaf der Herde, hat bereits jeden von George vorgelesenen Krimi im Vorfeld lösen können. Mit ihrem treuen, aber trotteligen Freund Mopple, und der Unterstützung anderer Individualisten der Herde, will Lily das Rätsel um George lösen. Denn in der realen Welt von Schafen, findet das Konzept von Mord oder Tod keinen wirklichen Platz.

Die Geschichte hat alles, was von einem Film über schnuckelige Schafe zu erwarten ist. Szenen von zuckersüßer Herzlichkeit. Der Film hat auch alles, was jemand von einem Krimi erwarten kann. Und genau das ist die Kunst in „Glennkill“, dass sich diese beiden Element nicht im Weg sind, sondern sich genau daraus die Geschichte formt. Wenn allerdings die Schafe sehr wohl die Menschen verstehen, die Menschen aber nicht die Schafe, sollte das als künstlerische Freiheit gesehen werden. Oder könnte auf Georges literarischen Einfluss geschoben werden. Wie es beliebt.

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So oder so, „Glenkill“ funktioniert. Kyle Balda beginnt seinen Film etwas zu kitschig, findet aber schnell sein richtiges Tempo, wenn die Schafe das erste Mal zu reden beginnen. Ohne es zu merken, hat es zu diesem Zeitpunkt schon die ersten Hinweise für das anstehende Krimispektakel gegeben. Es gibt auf menschlicher Seite den Kreis von üblichen Verdächtigen im Dorf. Das sieht zuerst ein bisschen nach simpler Spielerei aus, um sich mehr auf das Schafsein konzentrieren zu können, doch am Ende wird es doch überraschend komplex. Auf der anderen Seite ist aber die sonst in sich geschlossene Welt der Schafe das wichtigste Element für die Erzählung.

Wirklich interessant dürften für die erwachsenen Zuschauenden spezifische Fragen ihrer Jüngsten werden: Was hat es mit Winter-Lämmern auf sich, oder sind Schafe wirklich so vergesslich? Es ist keine einfache Welt, welche die Macher ihrem Publikum präsentieren, es ist eine fantastische. Manchmal mystisch, manchmal verrückt, aber auf eine seltsame Weise nachvollziehbar „real“. In diesem Sinn wird eines der letzten Bilder im Film, selbst bei belastbaren Besuchern, Tränen der Rührung erzeugen. Aber „Glennkill“ ist nicht nur zuckersüß, er ist auch unglaublich spannend, unheimlich witzig, regt zum Nachdenken an, und eröffnet neue Weltbilder. Und manchmal, da ist „Glennkill“ einfach nur naiv. Doch letzteres verläuft sich im Zuge der straffen Inszenierung.

Es ist Kyle Baldas sehr gut und clever durchdachte Inszenierung, die dem Film in den richtigen Momenten das richtige Tempo gibt. Balda lässt keinen Leerlauf, und ruht sich auch nie auf guten Situationen aus. Ob Witz oder rührender Augenblick – egal wie gut Szenen auch aussehen mögen, der Regisseur wechselt stetig Stimmung und Tempo. Kameramann George Steel findet im abwechslungsreichen Reigen immer wieder Bilder von mystischer Überzeichnung und opulentem Kitsch. Und es ist schön, dass sich Steel dabei nicht zurückhält, wenn er die Tiere in die übertriebene Pracht des ländlichen Idylls stellt. Weil es auch für die Erzählung angemessen ist.

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Genau das gibt dem Film einen unverschämt perfekten Fluss, der unablässig bei Laune hält. Der wiederum von der größte Schwäche des Films ablenkt, und das sind die menschlichen Figuren, die von stereotyp bis langweilig entworfen sind. Selbst Hugh Jackman bringt als treusorgender George lediglich Sympathien aufgrund seiner Tierliebe in die Geschichte, ansonsten bleibt seine Figur wenig interessant und ohne Kanten. Ähnlich verhält es sich mit Emma Thompsons Charakter der Testamentsverwalterin. Ihre Präsenz verspricht weit mehr, als ihre Rolle zu tun bekommt.

Es bleibt mehr Augenmerk auf den Tieren, und ihre erfrischend andere Sicht auf die Welt, in der Schafe zum Beispiel nicht sterben, sondern zu Wolken werden. (Anke Engelke und Bastian Pastewka mögen sehr gute Darsteller sein, aber als Synchronsprecher bringen sie weder Eigenarten noch Natürlichkeit in den Charakter, und konzentrieren sich lieber auf kindgerechtes Vorlesen ihrer Dialoge). Die „Paddington“-Effektfirma Framestore hat Schafe, Ziegen und Hühner makellos, also zeitgemäß visualisiert. In Landschaften und Kulissen eingefügt, sind Aussehen, Bewegung und sogar spielerische Mimik der Tiere beeindruckend realistisch. Lediglich in ‚direktem‘ Körperkontakt mit realen Darstellern gibt es augenscheinliche Verzerrungen.

„Glennkill: Ein Schafskrimi“ ist kein perfekter Film. Es gibt Schwächen, er hat Makel. Was dem Film aber keiner nehmen kann, ist seine merkliche Liebe zu der Geschichte und seinen tierischen Charakteren. Und man spürt Kyle Baldas Hingabe an das Erzählen. Ja, von der ursprünglichen Geschichte sind nur Fragmente übrig, doch man könnte es ja auch so auslegen: Die Freunde und Fans von Leonie Swanns Buch werden von einer vollkommen neuen Geschichte überrascht, welche sie aber am Ende ebenso lieben werden. Und das alles zusammengefasst, ergibt einen fantastischen Familienfilm – so wie diese auch sein sollten.

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Menschen: Hugh Jackman, Emma Thompson, Molly Gordon, Nicholas Braun, Conleth Hill u.a.

Tiere: Julia Louis-Dreyfus (Anke Engelke), Chris O’Dowd (Bastian Pastewka), Bryan Cranston, Patrick Stewart, Regina Hall, Bella Ramsey, Brett Goldstein u.a.

Regie: Kyle Balda
Drehbuch: Craig Mazin
Nach dem Roman von Leonie Swann
Kamera: George Steel
Bildschnitt: Paul Machliss, Emily Brockmann
Musik: Christophe Beck
Produktionsdesign: Suzie Davies
Irland, Großbritannien, USA / 2026
109 Minuten

Bildrechte: Amazon Content Service / Sony Pictures
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