DAS ENDE DER STERNE

Dog Stars - (c) 20th CENTURY STUDIOSTHE DOG STARS
– Release 26.08.2026 (world)

Ridley Scott ist ein sehr visueller Mensch. Der Produzent und Regisseur liebt das große Kino. Das Publikum weiß das bei jedem seiner bisher 30 Kinofilme zu würdigen. 57 Regiearbeiten hat er insgesamt hinter sich (Jede TV-Serie wird nur einmal gezählt). Ridley Scott ist 88 Jahre alt, und in seinem Terminkalender stehen bereits acht weitere Spielfilme. Es geht nicht um das Alter per se, wenn es hier Erwähnung findet, sondern um Scotts Enthusiasmus zum Erzählen. Ridley Scott liebt die große Leinwand, und er liebt das Erzählen – mehr als die Geschichten selbst. Das macht ihn auch zu einem der wechselhaftesten Mainstream-Regisseur unserer Zeit. Für jeden grandiosen Film, inszeniert er auch einen inhaltlichen Flop. Fantastisch anzuschauen sind sie alle, nur manche Geschichten enttäuschen – so wie die Verfilmung des Peter Heller Romans „Das Ende der Sterne“.

Eine Grippe-Pandemie hat den größten Teil der Menschheit ausgelöscht. Neun Jahre später haben sich Mechaniker und Pilot Hig, sein Hund Jasper und Ex-NavySEAL Bangley in einem Tal mit einem kleinen Flugplatz sicher eingerichtet. Während sich Bangley als frustrierter und kompromissloser Überlebenskünstler beweist, ist Hig ein stiller Typ, der in Ruhe seine Melancholie pflegt. Er hat in der Pandemie seine schwangere Frau verloren, weswegen er nun am liebsten gedankenverloren in seiner Cessna 182 allein mit Hund Jasper über dem Terrain kreist. Natürlich auch, um nach marodierenden und mordenden Gruppen Ausschau zu halten.

Das Buch von Christopher Wilkinson („Nixon“, „Ali“) und Mark Smith („Midnight Sky“, „The Revenant“) macht es den Zuschauenden ungewohnt und enttäuschend leicht. Nicht nur wird das gesamte Szenario viel zu schlicht aufgezeigt, sondern das die Handlung selbst immer wieder vorhersehbar ist. Wie das Schicksal des besten Freundes, welches sich auch noch krass von der Buchvorlage unterscheidet, um ausgerechnet ein unnötiges abgedroschenes Klischee zu erfüllen. Begleitet wird das von einem eher sanften Folk-mäßig angehauchten Soundtrack von Harry Gregson-Williams, der viel mehr Ruhe-nach-dem-Sturm als apokalyptische Stimmung über die Szenerie legt. 

Menschen wie Hig und Bangley gibt es in jedem Endzeit-Szenario. Sie sind das Ying und Yang einer neuen Welt, in der eine verklärte Version der alten Welt mitschwingt. Wäre nur Hig nicht so unendlich melancholisch, ansonsten hat auch Ridley Scott dem nichts Neues hinzuzufügen. Am Ende hat der Film vier Hauptdarsteller, und einen vermeintlichen Querschnitt an individuellen Geistern. Doch anstatt aus vier Perspektiven über den Zustand der Welt zu reflektieren, bedient die Geschichte lieber liebgewonnene Stereotype des Endzeitfilms. Kollektiven Irrsinn von rücksichtslos plündernden Wilden, oder eine Oase der Vernunft, die Hoffnung schöpfende Überlebende mit Lug und Trug das Bild einer wieder im Aufbau befindlichen Zivilisation lockt.

Es ist eine grobe Mischung von Zombie-Apokalypse und Mad-Max-Mentalität. Nur baut Scott seinen Film vehement auf dem Gefühl von Sicherheit und Idyll auf, als hätte die drastische Dezimierung der Menschheit die Welt wieder zu etwas Schönem gemacht. Auf der anderen Seite torpediert der Regisseur dieses Gefühl immer wieder mit Bangleys gnadenloser Liquidierung von Plünderern, die nicht einmal etwas Böses im Schilde führen mögen – man erfährt es nicht. Und es gibt drei sehr intensive Actionsequenzen, die tadellos mit Tempo und ordentlich Spannung inszeniert sind. Aber es ist Action um der Action Willen, weil es das Genre verlangt. Oder weil es auch Ridley Scott verlangt. Die cineastische Erfahrung zeigt, dass der gestandene Brite Action nicht einfach nur liebt, sondern perfekt beherrscht („Napoleon“ irgendjemand?).

Dog Stars 1 - (c) 20th CENTURY STUDIOS

Die zwei Ebenen zwischen Drama und Actionkino beißen sich mitunter, weil auch keine von beiden wirklich befriedigend zu Ende geführt wird. Vieles von der emotionalen Seite verläuft sich in Plattitüden oder bleibt unausgesprochen. Wirklich besonders, oder außergewöhnlich ist keine der Figuren, die dadurch auch im Kosmos von Endzeitfilme etwas beliebig wirken. Was diese Figuren aufwertet sind allenfalls die Darsteller. Brolin, Qualley, Pearce – wer kann dazu schon nein sagen? Nur Jacon Elordi wiederholt den traurigen Charme seiner bisherigen Filme. Aber grundsätzlich sind auch die Darsteller nicht wirklich gefordert, weil schon die Vorlage keine wirklichen Anreize bietet.

Technisch ist „Das Ende der Sterne“ makellos. Mit Kameramann Erik Messerschmidt hat Scott lediglich bei seinen Fernsehproduktionen zusammengearbeitet. Aber Messerschmidt beweist ein gutes Auge für ausdrucksstarke Bilder, großartige Landschaften, aber auch die Action in ihrem rasanten Tempo übersichtlich zu halten. Die Kamera bestimmt mit ihren klaren Bildern, kräftigen Farben und starken Kontrasten die Atmosphäre – durchweg. Was alles durch den extrem fokussierten Schnitt von Sam Restivo und Claire Simpson elegant zum tragen kommt. Restivo und Simpson passen sich stets akzentuiert an die jeweilige Szene an – ob träumerisch ausladende Überflüge mit der Cessna, oder das pointierte Stakkato in den exzessiven Schießereien.

Ridley Scott liebt das große Kino. Und das zeigt er sehr konkret auch wieder in „Das Ende der Sterne“. Er liebt die Art des Erzählens mehr, als die Geschichten selbst – wie „Das Ende der Sterne“ ebenfalls demonstriert. Die eigentliche Spannung in diesem Film ergibt sich aus der Erwartungshaltung, wann der Film endlich einmal etwas anderes macht, als geneigtem Publikum bereits hinlänglich bekannt ist. Es ist ein Epos – zweifelsfrei. Groß und großartig anzuschauen, aber nicht wirklich homogen in seinen atmosphärischen Wechseln. Das fällt umso schwerer ins Gewicht, weil der Film es nicht wagt noch unerforschte Wege zu gehen. Dabei müssten doch in einer postapokalyptischen Welt so viel mehr unerschlossene Schicksale zu finden sein.

Dog Stars 2 - (c) 20th CENTURY STUDIOS


Darsteller: Jacob Elordi, Margaret Qualley, Josh Brolin, Raksha, Allison Janney, Guy Pearce, Benedict Wong, Sam Spruell u.a.

Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Christopher Wilkinson, Mark L. Smith
nach dem Roman von Peter Heller
Kamera: Erik Messerschmidt
Bildschnitt: Sam Restivo, Claire Simpson
Musik: Harry Gregson-Williams
Produktionsdesign: Chris Seagers
Großbritannien, USA / 2026
118 Minuten

Bildrechte: 20th CENTURY STUDIOS
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