YOU, ME & TUSCANY
– Bundesstart 06.08.2026
– First-Release 09.04.2026
Anna ist House Sitter, und wird gerade wegen ungebührenden Verhaltens ihren Job verlieren. Halle Bailey spielt in dieser RomCom Anna, und die sie gerade feuernde Hausbesitzerin wird von Nia Vardalos verkörpert. Warum Vardalos – selbst eine Ikone der modernen RomCom – nur zwanzig Sekunden zu sehen ist und dann nie wieder, bleibt eines der unendlich vielen Ärgernisse dieses Films. Annas Freundin ist Claire, sie wird mit sensationellem losem Mundwerk von der vollkommen unterforderten Aziza Scott gespielt. Claire arbeitet in einem New Yorker Hotel, darf der vor die Tür gesetzten Anna aber keine Zimmer geben. Dafür darf sich Anna an der Hotelbar den Magen vollhauen und sich betrinken. Aus unerfindlichen Gründen spricht sie mit dem amerikanischen Barkeeper italienisch, und aus unerfindlichen Gründen ist der der einzige Gast in der ausladenden Bar Italiener – Matteo. Wie es der Zufall will, kommen beide ins Gespräch. Sie wollte schon immer nach Italien. Er hat eine Villa in Italien.
Und so geht es von einem unerträglichen Zufall zum nächsten, und von einem abgedroschenen Klischee zum anderen. Anna hat als angelernte Köchin eine tragische Vorgeschichte, warum sie nicht mehr kocht, und Matteos Familie hat ein kleines Restaurant in der Toskana. Na, noch Fragen wohin die Reise geht? Matteo ist in New York geblieben, und Anna nistet sich in seiner prachtvollen Villa in der Toskana ein. Als ehemalige House Sitterin weiß sie wie das funktioniert. Aber die Familie kommt ihr in die Quere, und Anna wird für Matteos Braut gehalten.
Selbstredend kommen immer wieder Dinge dazwischen, wenn Anna die Situation klären will. Dann ist da noch der Halbbruder Michael, der von „Bridgerton“-Star Regé-Jean Page gespielt wird. Sofort sind sich Anna und Michael spinnefeind – aus bekannten Gründen. Man hat das alles ja schon etliche Male gesehen. Die Familie schließt Anna in ihr Herz, und alle reden wunderbar Englisch mit ihr, wie es eben in der italienischen Provinz so ist. Sie sprechen alle mit überzogenem Akzent dafür grammatikalisch perfektes Englisch, wie das eben so ist in der italienischen Provinz. Auch unter sich reden die Italiener Englisch, mit ihrem Akzent. wie das eben so ist unter Italienern.
Das Drehbuch hat Ryan Engle geschrieben, der mit „Non-Stop“, „Rampage“, oder „The Commuter“ schon einige mit Klischees überladene Filme geschrieben hat. Man merkt dem Buch von „You, Me & Italy“ an, wie sehr sich Engle immer wieder bemüht für raffinierte Wendungen und trickreiche Stolpersteine zu sorgen. Doch hinter jeder als überraschend gedachten Einlenkung ist sofort der weitere Verlauf zu erkennen. Nichts, aber auch gar nichts in diesem Film ist neu, oder überraschend, oder wirklich witzig. Alles ist so schrecklich überzeichnet, dass eine böswillige Absicht zum Misserfolg vermutet werden muss. Figuren, Handlungsstruktur, Humor, Dialoge – alles.
Gleich die allererste Ansprechperson in Italien ist der stereotype Schwule, der umgehend Annas bester Freund in Italien wird. Matteo ist eigentlich das schwarze Schaf der Familie, deswegen macht er die Braut-Charade von Anna auch mit. Wegen ihr findet er wieder Akzeptanz, nur macht da seine eigentliche Liebe, Isabella, nicht mit. Und Michael hat ja auch schon irgendwie Gefühle entwickelt. Das Ganze hat Kameramann Danny Ruhlmann in gestochenen Postkartenmotiven gefilmt. Ruhlmann war schon von anspruchsvollen Projekten Bildgestalter für eine erweiterte Ebene, wie bei „Foundation“ oder „Wo die Liebe hinfällt“ (Ja! Eine anspruchsvolle RomCom!).
In einer Szene will Anna unbedingt eine einzelne Weintraube probieren, und dafür lässt sie Ruhlmann an 3oo Metern perfekten Weinstöcken vorbeilaufen, nur um das zauberhafte Motiv der Felder auszukosten. Kein Bild und keine Einstellung ist hier Zufall, alles auf den perfekten Hochglanz ausgelegt. Dazu gehören auch die Bauten und Ausstattung (Leitung: Elena Albanese). Jede Kulisse ist klinisch rein, selbst die kleine Küche des Restaurants könnte für eine drei Sterne Küche gehalten werden. Und weil das lange nicht genug ist, gibt es auch eine Gesangseinlage von Anna und Michael, die eigentlich nur Fremdscham auslöst. Wahrscheinlich fehlgeleitetes Zugeständnis an Bailey, wegen ihrer Fehlzündungen „Arielle“ und „Color Purple“.
Da erschreckt dann auch das Finale nicht mehr, wenn in einer für RomComs zur Gewohnheit gewordenen Unart, für den Abspann alle Protagonisten in Tanz ausbrechen. Dabei muss Regisseurin Kat Coiro zugutegehalten werden, dass sie ihren Film zumindest immer am Laufen hält, keinen Leerlauf lässt, und sich auch auf vermeintlichen Pointen nicht ausruht – denn witzig sind ohnehin die wenigstens. Coiro kann sich auf die Ausstrahlung und Talent ihrer Darsteller verlassen, zumindest Halle Bailey und Regé-Jean Page, die den Hardcore-Romantikern im Publikum den Film eine Spur erträglicher machen. Alle anderen Schauspieler gehen in der Einfallslosigkeit von Geschichte und Dialog schlichtweg verloren. Es ist noch nicht so lange her, da wurde in der Kinobranche lauthals das Fehlen von romantischen Komödien für die Jahre ’25 und ’26 beklagt. „You, Me & Italy“ wäre da aber eine eher unbefriedigende Lösung.
Darsteller: Halle Bailey, Regé-Jean Page, Lorenzo de Moor, Marco Calvani, Isabella Ferrari, Paolo Sassanelli, Stefania Casini und Aziza Scott u.a.
Regie: Kat Coiro
Drehbuch: Ryan Engle, mit Kristin Engle
Kamera: Danny Ruhlmann
Bildschnitt: Zene Baker, Troy Takaki
Musik: John Debney
Produktionsdesign: Elena Albanese
USA / 2026
105 Minuten

