MARSUPILAMI

Marsupilami - © Splendid Film– Bundesstart 20.08.2026
– First-Release 04.02.2026 (BLG)

Bereits 2012 hat sich Filmemacher Alain Chabat mit „Auf den Spuren des Marsupilami“ an einer – der ersten – Realverfilmung über das mysteriöse und scheue Fabelwesen versucht. Mit eher mittelmäßigem Erfolg. Auch wenn Jamel Debbouze seine Rolle des Pablito Camaron aus dem Chabat-Film erneut aufnimmt, ist der nun von Philippe Lacheau initiierte und inszenierte Film keine Fortsetzung. Dazu sollte man wissen, das Philippe Lacheau auch Anführer der Comedy-Gruppe ‚La Bande à Fifi‘ ist – Fifi ist Philippes Spitzname. ‚La Bande à Fifi‘ haben schon einige Slapstick-Komödien wie „Babysitting“ oder „Alibi.com“ gemacht, und auch bei „Marsupilami“ sind sie alle wieder vereint. Genau so nimmt sich der Film auch aus – wie eine Aneinanderreihung von Comedy-Routinen, aber nicht wie ein Abenteuer um das namensgebende Fabelwesen.

David ist ein Versager in seinem Job beim Wildtier-Park von Jeffrey Malone. Er bekommt noch eine Chance, wenn er ein wertvolles Ei aus dem fernen Palumbien nach Frankreich bringt. Philippe Lacheau spielt – wie meist – die Hauptrolle des unfähigen David selbst, und Jean Reno spielt den niederträchtigen Franzosen mit dem amerikanischen Namen. Was ist in letzte Zeit nur mit Jean Reno los, dass er ständig solche fragwürdigen Rollen übernimmt? Natürlich ist klar was für ein Ei David schmuggeln soll, und weil das Ganze – warum auch immer – als Schiffreise stattfindet, nimmt er seinen Sohn und seine von ihm getrennte Frau mit. Und den einfältigen Kollegen Stéphane.

Es ist nicht klein zu reden, dass die Rate von verbalem und körperlichem Humor ausgesprochen hoch liegt. Es ist das, was man Feuerwerk an Pointen nennt. Dieses Feuerwerk ist allerdings fest auf ein vorpubertierendes Publikum ausgerichtet. Bei diesem Familienfilm bleiben die Erwachsenen weit zurück. Hier ist auch das Problem: Die ‚La Bande à Fifi‘ verzichtet trotzdem nicht auf ihre überzogenen derben Späße. Der Fäkalhumor ist für das Publikum unter 12 Jahren meist unangebracht, und die Elternteile kennen das alles schon zur Genüge – nur wesentlich besser.

Marsupilami 2 - © Splendid Film

Natürlich gibt es noch finstere Typen, die hinter dem Ei her sind. Natürlich wird es chaotisch auf der Reise. Mit dem überraschenden Effekt, dass das Ei kaputt geht, und ein junges Marsupilami schlüpft. Selbstredend verbrüdert sich das junge Fabelwesen mit Davids Sprössling Léo. Während viele Slapstick-Einlagen und Filmzitate tatsächlich überraschend kommen, ist die Handlung als solche ganz fürchterlich vorhersehbar. Es ist das Einmaleins des Kinderfilms. Da sperren sich dann auch die eingestreuten Filmzitate. Wie zum Beispiel an passender Stelle Eric Serras Musik aus „Im Rausch der Tiefe“, die lediglich richtigen Cineasten auffallen dürfte. Oder die kopierte Fahrradflucht von „E.T.“. Wenn Kinder die Szene erkennen, müssen sie auch „E.T.“ gesehen haben, und dann dürfte die Enttäuschung über „Marsupilamie“ gewaltig sein.

Selbst mit bestem Willen gäbe es technisch nichts auszusetzen. Die Kamera (Pierre Gantelmi d‘Ille) weiß immer genau wo sie für den bestmöglichen dramatischen Effekt sein muss, und die Montage (Antoine Vareille) bringt ein unablässiges Tempo in den Film, ohne sich auf visuellen oder akustischen Pointen auszuruhen. Bei allen Schwächen, vergeht der Film dennoch wie im Flug. Es sind eher die schauspielerischen Leistungen, die zu wünschen übrig lassen. Während das Timing in den Kapriolen-artigen Sequenzen geradezu perfekt erscheint, geben die Darsteller ihren Figuren wenig bis keine Tiefe, geschweige denn eine greifbare glaubwürdige Nähe.

Und dann ist da das Marsipulami selbst, dass 95% seiner Auftritte als animatronische Figur absolviert. Was budgetmäßig billiger ist, und laut Regisseur Lacheau auch wesentlich zugänglicher wirkt. Nein, das tut es nicht. Was bei eine großen Science Fiction Serie aus sentimentalen Gründen funktionieren mag, sollte in anderen Filmen gut überlegt sein. Das Marsupilami – welches ohnehin viel zu kurz kommt – wirkt alles andere als zugänglich. Und da Kinder gnadenloser sind als das erwachsene Publikum, ist das eindeutig als Puppe zu erkennende Marsupilami eher kontraproduktiv. Es ist ein Kinderfilm, der sein Publikum nicht ernst nimmt. „Marsupilami“ ist keine Fortsetzung – aber anhand der Qualität könnte er es durchaus sein.

Marsupilami 1 - © Splendid Film


Darsteller: Philippe Lacheau, Jamel Debbouze, Tarek Boudali, Elodie Fontan, Julien Arruti, Corentin Guillot und Jean Reno u.a.

Regie: Philippe Lacheau
Drehbuch: Philippe Lacheau, PierreLacheau, Julien Arruti, Pierre Dudan
Kamera: Pierre Gantelmi d‘Ille
Bildschnitt: Antoine Vareille
Musik: Maxime Desprez, Michael Tordjman
Produktionsdesign: Samuel Taisseire
Belgien, Frankreich / 2025
99 Minuten

Bildrechte: SPLENDID FILM
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Im Kino gesehen abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

Schreibe einen Kommentar