LE MUSICIENS
– Bundesstart 06.08.2026
– First-Release 07.05.2025 (FR)
Preview 29.07.26, Babylon, Fürth
Astrid Carlsons Vater war ein reicher Mann, und sein letzter Wille nicht einfach. Drei Violinen und ein Cello, von Stradivari, gefertigt aus dem Holz desselben Baums, mit einem Stück eines bestimmten Komponisten, gespielt von bereits ausgewählten Musiker/innen. Das ist so verrückt, dass es der perfekte Stoff für eine Komödie ist. Und es ist so abgedreht, dass die Idee nur aus Italien oder Frankreich kommen kann. Diese Idee kommt aus Frankreich, vom bisher unbemerkten, und vielleicht weiterhin unauffälligen Filmemacher Grégory Magne. Der nutzt seinen Stoff nicht für die Art von Komödie, die jemand aus dieser Prämisse schließen würde – was Magne weiterhin Unauffälligkeit bescheren dürfte. Er hat einen anderen Film im Sinn, der um einiges interessanter ist, aber weniger ein breites Publikum anspricht.
Wie nicht anders zu erwarten, hätten alle vier Musiker gute Gründe nicht miteinander zu spielen. Dargestellt werden sie von Marie Vialle, Mathieu Spinosi, Emma Ravier und Daniel Garlitsky, die mit Ausnahme von Spinosi keine professionellen Musiker sind, aber ihre Instrumente perfekt beherrschen. Hochmut, Sorglosigkeit, Ressentiments. Jede und jeder hat in irgendeiner Form etwas gegen jede und jeden. Doch diesen Situationen fehlt es einfach an mehr Humor, obwohl der Aufbau alles dafür bereit legt. Astrid steht kurz vor einer Panikattacke, weil die gemeinsamen Proben der schwierigen Musiker ständig von ihren Animositäten unterbrochen werden. Aber der Termin der heiß erwarteten Live-Übertragung steht. Ja, es ist amüsant – aber zu wenig.
Magne hat für seinen Film ein sehr engagiertes, aber vor allem eingängiges Ensemble gefunden. Wobei der Fokus zuerst auf Valérie Donzelli und ihrer Astrid liegt, die mit sichtlicher Pein versucht den Wunsch ihres Vaters zu verwirklichen. Donzelli findet in ihrer tragischen, aber dann doch amüsanten Emotionalität eine dramaturgische Stütze in Frédéric Pierrot. Pierrot spielt Charlie Beaumont, den Komponisten des auserkorenen Stückes. Doch Beaumont will damit nichts mehr zu tun haben, ihn interessiert nur Musik die augenblicklich im entstehen ist. Doch Astrid braucht ihn, um die Musiker zueinander zu bringen – sie durch die Kraft der Musik ihre Querelen zu vergessen.
Am Ende ist doch Frédéric Pierrot das menschliche Herzstück, der stoisch die Proben verfolgt, und sich unzufrieden in seiner Bewertung zeigt. Pierrot ist einfach hinreißend in seiner missmutigen Art, die sich mit dem positiven Fortschritt des Quartetts allmählich in ansteckende Begeisterung wandelt. Die Darsteller tun ihr Bestes und enttäuschen nicht, bei einem Stoff der so leicht vorhersehbar ist. Magne und sein Co-Autor Haroun finden einige witzige Ansätze, aber eine Komödie wird daraus nicht. Der dramaturgische Aufbau funktioniert weitgehend, allerdings werden den Figuren wirkliche Tiefe und originelle Charaktermomente vorenthalten. Vialle, Spinosi, Ravier und Garlitsky geben ihren Figuren Herz, Magne gibt ihnen aber nichts zu tun. Dafür findet der Regisseur für seinen Film eine ganz andere, seine ganz eigene Perspektive.
Ist bei Musikfilmen die Musik das kathartische Mittel für die Charaktere, werden mit dem „Klang der Stradivari“ die einzelnen Figuren zum kathartischen Instrument für die Musik. Der Film dreht die Prämisse einfach um. Es geht um Musik, um dieses Stück – das Grégoire Hetzel dafür komponiert hat. Laut dem Komponisten eine Mischung zwischen Philip Glass und Dmitri Schostakowitsch. Für das ungeübte Ohr nimmt es sich allerdings aus wie ein Mix von Max Richter und Beethovens 7ter. So oder so lässt sich nichts daran aussetzen, im Gegenteil. Die Partitur steht in ihren wundervollen Klangfarben absolut für sich. Doch das wirklich Besondere in der Inszenierung sind die hörbaren Veränderungen, wenn Beaumont mit den Streichern das Stück entwickelt und umschreibt. Das geht dann auch dem Nicht-Musiker wirklich zu Herzen und in die Ohren. Und das ist es, was den Film wirklich sehr hörenswert macht.
Darsteller: Valérie Donzelli, Frédéric Pierrot, Mathieu Spinosi, Emma Ravier, Daniel Garlitsky, Marie Vialle, Nicolas Bridet u.a.
Regie: Grégory Magne
Drehbuch: Grégory Magne, mit Haroun
Kamera: Pierre Cottereau
Bildschnitt: Beatrice Herminie
Musik: Grégoire Hetzel
Produktionsdesign: Valérie Faynot
Frankreich / 2025
102 Minuten

