H WIE HABICHT

H is for Hawk - (c) DCMH IS FOR HAWK
– Bundesstart 23.07.2026
– First-Release 23.01.2026 (CAN)

Helen Macdonald ist 37 Jahre alt, als ihr Vater überraschend stirbt. Zu diesem Zeitpunkt ist die nicht binäre Helen Forschungstipendiat am Jesus College in Cambridge, und hat einen Lehrstuhl am Institut für Geschichte und Philosophie der Wissenschaft angegliedert an die University of Cambridge. Aber mit der Erforschung und Beobachtung von Habichten hat Helen schon vorher begonnen. Und jetzt wird es für sie Zeit, selbst einen Habicht zu besitzen. Für sie die einzig angemessene Maßnahme, um mit dem Tod ihres Vaters klar zu kommen – glaubt Helen zumindest. Der Film mag in manchen Details von Helen Macdonalds Bestseller-Autobiografie abweichen, aber die Komplexität ihres Charakters und die Misere um Verlust und Kompensation bleiben in der ganzen schmerzhaften Breite erhalten.

Philippa Lowthorpe hat mit Helens Geschichte eine sehr eigenwillige Biografie inszeniert, die sich über die dramaturgischen Standards hinwegsetzt. Lowthorpe hat mit Helen-Darstellerin Claire Foy bereits bei „The Crown“ gearbeitet, und das Verständnis zwischen Regisseurin und Darstellerin ist essenziell für den Film. Claire Foy ist in jeder Szene präsent, und bekommt dabei größtmöglichen Freiraum, der strauchelnden und orientierungslosen Helen angemessen zu begegnen – und das ist nicht immer einfach mitzuverfolgen. Sie besorgt sich auf illegalem Weg eine Habicht-Dame, die sie später Mabel nennen wird – wenn ihr der Vogel vertraut ist.

Habichte sind die schwierigsten und komplexesten Vögel in der Falknerei [sic!]. Helen glaubt in Mabel ein emotionales Gegengewicht zu haben. Immer wieder gibt es in Rückblenden Erinnerungen an ihren Vater. Es war eine besondere Beziehung, eine innige Beziehung ohne große Worte. Die Vaterrolle mit Brendan Gleeson zu besetzen, ist ein weiterer genialer Schachzug des Films. Der eigentlich knorrige, oft hartgesottene Gleeson war selten in einer so gelösten, dabei glaubwürdig herzlichen Rolle zu sehen. Als gefeierter Fotojournalist zeigt er sich gleichsam kultiviert und resolut, steht aber mit seiner Tochter auf einer ganz eigenen Ebene von harmonischer Beziehung.

H is for Hawk 2 - © 2025 Protagonist Hawk Limited, Saturnia Llc And Channel Four Television Corporation

Helen verliert sich mehr und mehr in ihrem Verhältnis zu Mabel. Sie versäumt Vorlesungen, und vernachlässigt fortwährend ihre beste Freundin und die Familie. Die Regisseurin baut dabei keine großen Konfrontationen auf, verzichtet auch auf episches Drama. In gewisser Hinsicht gelingt es ihr auch – dank Foys zurückhaltendem, dennoch sehr intensiven Spiel – ein Verständnis für Helen zu entwickeln. Es schmerzt sie so verloren zu sehen, denn in gewisser Weise war schon jeder einmal an einem ähnlichen Punkt. Vielleicht nicht so ausgeprägt, trotzdem nachvollziehbar.

Eigentlicher Höhepunkt ist eine anstehende Trauerfeier für den gesellschaftlich respektierten Vater, für die sich Helen bereiterklärt eine Laudatio zu halten. Eine Aufgabe, bei der schon vorgezeichnet ist, dass Helen hier ihren endgültigen Zusammenbruch erleiden wird. Der Film zeigt sehr gut, dass weder Familie noch Freunde sich von Helen abwenden, auch wenn sie selbst ihr möglichstes tut, ihnen aus dem Weg zu gehen. Es ist das leise Drama, die ehrliche Reflexion, die uns anspricht.

Es ist diese Ehrlichkeit, weshalb dieses Schicksal umso tiefer berührt. Eine offene und gleichsam sensible Inszenierung, mit einem bravourösen Ensemble. Fantastisch Sam Spruell endlich einmal außerhalb des Antagonisten zu sehen. Es wird einem sehr viel über den langwierigen Prozess in der Falknerei beigebracht, dadurch verstehen wir aber auch den schwierigen Prozess in Helens eigener Entwicklung.

H is for Hawk 1 - © 2025 Protagonist Hawk Limited, Saturnia Llc And Channel Four Television Corporation


Darsteller: Claire Foy, Brendan Gleeson, Denise Gough, Lindsay Duncan, Sam Spruell, Josh Dylan u.a.

Regie: Philippa Lowthorpe
Drehbuch: Philippa Lowthorpe, Emma Donoghue
nach dem Buch von Helen Macdonald

Kamera: Charlotte Bruus Christensen
Bildschnitt: Nico Leunen
Musik: Emilie Levienaise-Farrouch
Produktionsdesign: Sarah Finlay
Großbritannien, Singapur, USA / 2025
119 Minuten

Bildrechte: DCM / Protagonist Hawk Limited, Saturnia Llc And Channel Four Television Corporation
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