VIE PRIVÉE
– Bundesstart 16.04.2026
– First Release 26.11.2025 (FR)
Basierend auf der französischen Blu-ray:
Mit Jodie Foster an der Spitze, sollte es Rebecca Zlotowski endlich vergönnt sein, mit ihren Filmen aus dem engen Kreis des französischen Arthouse auszubrechen. Nicht das dieser Kreis etwas Negatives wäre – ganz sicher nicht – nur gehen schlichtweg viel zu viele Filme in dieser Sparte wegen unbegründeter Vorbehalte einfach verloren. Der Jammer und die Zwickmühle bei Zlotowskis neustem Film ist die Sprache – denn es werden sich kaum Kinos in Deutschland finden, die ihn in der Originalfassung spielen. So paradox es auch ist, gründet sich dieses Plädoyer für das Kino auf die in Frankreich längst erhältliche Blu-ray von „Vie Privée“, oder „A Private Life“ wie er vormals heißen sollte, oder „Paris Murder Mystery“ wie ihn der Verleih Plaion nun dummerweise betitelt. Die Geschichte beinhaltet weit mehr als nur ein launiges ‚Murder Mystery‘.
Die amerikanische Psychiaterin Lilian Steiner ist nach ihrer gescheiterten Ehe mit dem Augenarzt Gabriel Haddad in Paris geblieben, allein weil sie sich hier einen guten Kundenstamm aufgebaut hat. Der vermeintliche Selbstmord von Patientin Paula zehrt allerdings an der üblichen Distanziertheit der eigentlich pragmatischen Therapeutin. Immer wieder merkt man an Ausdruck und Sprache, dass Lilian nicht fremd ist, aber ihr amerikanische Ader nicht wirklich verbergen kann. Das schafft eine wundervoll eigene Dynamik und zusätzliche Spannung, in einem Film der sehr leicht Gefahr läuft, in ein seichtes Fahrwasser von obligatorischen Krimis zu geraten.
Jodie Foster spricht seit ihrer Kindheit fließend französisch, hat schon in einigen französischen Produktionen Nebenrollen gespielt, und synchronisiert sich für den französischen Markt oftmals selbst. „Vie Privée“ ist also in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen ist es selbstverständlich Jodie Foster selbst, zum anderen ist es ihr Spiel mit Daniel Autieul, und dann natürlich auch, dass der Film nie in jenes seichte Fahrwasser gerät – was aber in anderen Kombinationen möglich gewesen wäre. Lilian muss ihren Ex Gabriel, den Augenarzt, aufsuchen, weil sie nicht wahrhaben will, dass Paulas Tod für ihre tränenden Augen verantwortlich sein soll.
Die Sache mit den Tränen ist nur ein kleines Beispiel für den hintersinnigen, manchmal auch absurden Humor in Zlotowskis Film. Aber die Filmemacherin achtet sehr sorgsam auf die Ausgewogenheit in der Inszenierung. Es gibt nervenaufreibende Spannung, und tief berührendes Drama. Die Ausgewogenheit zwischen diesen Elementen ist die Stärke des Films, in dessen Verlauf sich Gabriel mehr und mehr in die Spurensuche seiner Ex-Frau einmischt und hilft. Alte Leidenschaften flammen wieder auf, die nie wirklich erloschen waren. Aber dann ist da noch eine merkwürdige Verbindung zwischen Lilian und Paula, die jenseits des Arzt-Patient-Verhältnis liegt.
Es ist ein kleiner unauffälliger Film, der dafür umso mehr Eindruck macht. Dabei unterstützt George Lechaptois Kamera mit wunderbaren Einstellungen die Mysterien von Lilians Spurensuche. Ständig reproduzieren Bildmotive auch Lilians wirr kreisende Gedanken um Opfer und mögliche Täter, oder Spiegel und Spiegelungen brechen den realen Raum auf. Lechaptois Kamera dringt in Lilians Gedankenwelt vor. Am Ende war Paulas Ableben lediglich der Anfang für eine komplexere Geschichte über Menschen und ihre Beziehungen. Rebecca Zlotowski überrascht am Ende nicht mit einem Paukenschlag für gleich zwei raffinierte Wendungen. Alle Wahrheiten sind schon die ganze Zeit über zu sehen, aber Lilian hat uns einfach viel zu nah an sich gezogen.
Dieser kleine unauffällige Film, macht so viel Eindruck, weil er von Jodie Foster so scheinbar mühelos getragen wird. Aber zusammen mit Daniel Auteuil entwickelt sich noch einmal eine ganz besondere Energie. Es wird momentan schwer – wenn nicht unmöglich – im Kino ein glaubwürdigeres Filmpaar zu finden, dessen Verhältnis nicht natürlicher sein könnte, bei dem gemeinsame Vergangenheit regelrecht zu fühlen ist. Wen die Geschichte nicht überzeugen sollte, wird zumindest mit Foster und Auteuil ein befriedigendes Filmerlebnis erfahren. Auf der anderen Seite: Diese Geschichte überzeugt.
Darsteller: Jodie Foster, Daniel Auteuil, Virginie Efira, Mathieu Almeric, Luàna Bajrami, Vincent Lacoste u.a.
Regie: Rebecca Zlotowski
Drehbuch: Rebecca Zlotowski, Anne Berest, Gaelle Macé
Kamera: George Lechaptois
Bildschnitt: Géraldine Mangenot
Musik: Robin Coudert
Produktionsdesign: Katia Wyszkop
Frankreich / 2025
107 Minuten

