OBSESSION – Du sollst mich lieben

Preview der Fantasy Filmfest Nights 2026, Nürnberg

Obsession - © 2026 Focus FeaturesOBSESSION
– Bundesstart 25.06.2026
– First-Release 13.05.2026 (BLG)

Bear, Nikki, Ian und Sarah sind Freunde seit Kindstage, und nun auch noch Arbeitskollegen. Bear ist unsterblich in Nikki verliebt, wagt es aber nicht ihr das zu sagen. Bear – kurz für Baron – ist nicht nur unglaublich schüchtern, er hat zudem Angst die gemeinsame Freundschaft aufs Spiel zu setzen. Doch dann kommt der große Tom Hanks-Moment, den wir bereits in „Big“ kennengelernt haben – das magische Wunschinstrument. Hanks Josh fand den Jahrmarkt-Automaten Zoltar, und Bear findet einen albernen Esoterik-Spaß. Ein Stück Holz einer Weide, bei der man den Wunsch während des Zerbrechens aussprechen muss. Aber Regisseur, Autor und Cutter Curry Baker macht mit seiner düsteren Bildsprache und unangenehmen Dialogsequenzen von Anfang an klar: Das hier wird nicht Penny Marshalls „Big“.

Selbstredend ist „Obsession“ nicht der erste Horrorfilm in dem sich erfüllte Wünsche zum Alptraum verkehren. Das aber Curry Bakers Alptraum in gewisser Weise dann doch eine Besonderheit darstellt, macht sich nur schleichend bemerkbar. Bear zerbricht das Weidenholz und wünscht sich, „Nikki würde mich mehr lieben als jeden anderen auf der Welt.“ Und von da an ist sie ihm verfallen. Direkt nach dem Wunsch will Nikki sofort bei Bear übernachten, würde ihm am liebsten in die Arbeiten folgen, und kann nicht aufhören ihm zu sagen, wie sehr sie ihn liebt – mit kurzen Blackouts.

Blackouts sind in der Regel die Momente, die jemanden aus der Normalität reißen. Bei Nikki ist es genau andersherum. Während ihrer manischen Phase der widernatürlichen Zuneigung, bricht nur ab und an die wahre Nikki durch. Doch Bear findet immer mehr Gefallen an der anfangs extrem unangenehmen Situation, mit der ein scheuer und zurückhaltender Mensch wie er, auch nur langsam klar kommt. Auch wenn es der Wunsch aller Wünsche ist, der in Erfüllung ging. Derartige verdrehte Realitäten haben stets großes Comedy-Potential, und Regisseur Baker weiß den komischen Aspekt auch zu nutzen und auszuspielen. Bis man sich als Zuschauer dabei ertappt, dass ein guter Lacher hier alles andere als angebracht ist. Es ist blanker Terror.

Obsession 2 - © 2026 Focus Features

Visuell lässt Curry Baker eigentlich nie eine positive Stimmung aufkommen. Taylor Clemens‘ Bilder sind blass, leicht unterbelichtet, und gut farbentsättigt. Das alles verdüstert sich noch um einige Grad, wenn Bears Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Die Freunde reagieren irritiert, und versuchen sich in warnenden Gesprächen. Während Nikkis Benehmen immer unberechenbarer wird – wenn Bear außer Haus geht, gegenüber den eigentlich gemeinsamen Freunden, oder im möglichen Konkurrenzverhalten. Aber mit dieser Steigerung gibt es auch einen eklatanten Wechsel.

Üblicherweise ist der Sympathieträger auch in der Rolle des Opfers. Doch jetzt wandeln sich die Verhältnisse, von befremdlich in etwas sehr bedrückendes. Die kurzen Blackouts der manisch verliebten Nikki zeigen, dass nicht Bear unter seinem Wunsch leidet, sondern Nikki das Opfer seiner absurd verdrehten Welt maskulinen Terrors wird. Ihr wahres Selbst, tief in ihrem Bewusstsein, wird sich dieser Vergewaltigung durchaus bewusst. Curry Baker schafft eine von Ari Aster inspirierte unangenehme Atmosphäre mit unerwarteten, extrem grafischen Gewaltausbrüchen. Es gibt sehr wohl einen gewaltigen Unterschied zwischen nervenaufreibenden Grusel und dem widerwärtigen Bösen.

Baker macht daraus aber kein moralisierendes Stück, und er ist weit von der Political Correctness entfernt. Dafür stellt der Film angemessen stark den übernatürlichen Horror in den Vordergrund, und auch in seiner physischen Brutalität ist er zu überzogen. Wobei die Gewaltspitzen als Schockelement nicht als reiner Schauwert genutzt werden, sondern eine stimmige Geschlossenheit mit der durchweg unberechenbaren Atmosphäre haben. Das dann aber doch ein guter und beständiger Hauch von #MeToo mit dem schaurigen Geschehen einhergeht, ist in dieser makabren Beziehungskiste letztendlich ein ergänzendes Element bösartigen Terrors.

Obsession 1 - © 2026 Focus Features


Darsteller: Inde Navarette, Michael Johnston, Cooper Tomlinson, Megan Lawless, Andy Richter u.a.

Regie & Drehbuch & Bildschnitt: Curry Barker
Kamera: Taylor Clemons
Musik: Rock Burwell
Produktionsdesign: Vivian Gray
USA / 2025
108 Minuten

Bildrechte: FOCUS FEATURES
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