THE DISH – Verloren im Weltall

Zur Erinnerung an Sam Neill

Dish - (c) WARNER BROSTHE DISH
– Bundesstart 19.07.2001
– First-Release 19.10.2000 (AUS)

Diese Besprechung erschien erstmals in ‚Abgeschminkt‘ in 2001. Sie wurde überarbeitet und ergänzt, ohne die eigentlichen Aussagen zu verändern.
Gerade wenn jemand wieder von der Übermacht amerikanischer Produktionen auf europäischen Leinwänden überwältigt ist, gibt es diese kleinen aber feinen Juwelen, die sich außerhalb des Radars bewegen und plötzlich als leuchtender Punkt auf dem Schirm erstrahlen.
Was Regisseur Rob Sitch mit seinen drei Co-Autoren ausgeheckt hat, dürfte selbst ein von Komödien verwöhntes Publikum überraschen. Je näher das größte Menschenereignis der Neuzeit rückt, desto intensiver fokussiert sich die Inszenierung auf seine äußerst liebenswerten, herausragend geschriebenen, und mitreißend gespielten Figuren.

Um einen reibungs- und übergangslosen Kontakt zum Raumschiff der ersten Mondlandung zu gewährleisten, braucht NASA auf der entgegengesetzten Seite des Globus ein Radioteleskop. Die auserwählte ‚Schüssel‘ steht in dem verschlafenen Nest Parkes, New South Wales, Australien. Leiter des Teleskopes ist Cliff Buxton, mit beruhigender Gelassenheit von Sam Neill verkörpert. Es war ein steiniger Weg vom Teufel in „Omen 3“, zu „Todesstille“, gefolgt von „Death in Brunswick“ bis zu „The Dish“. Hier hat Neill seinen wahren Charakter gefunden, der ihn weltweit die verdiente Aufmerksamkeit bringt. Ein in sich ruhender Pol, der seine Zuschauenden mitnimmt, sich mit ihm staunend den Wundern des Lebens zu stellen.

Mehr als mit der Arbeit an der ‚Schüssel‘, ist Buxton mit den Eigenarten seiner Mitstreiter Mitch und Glenn beschäftigt. Perfekt: Kevin Harrington und Tom Long. Dazu gesellt sich der Abgesandte von NASA, Al Burnett, der in Form von Patrick Warburton mehr mit der australischen Ungezwungenheit zu kämpfen hat, als mit dem Kontakt zu Houston-Control. Doch das Team läuft mit leichter Verzweiflung zu Höchstformen auf, als zum Beispiel Apollo 11 wegen eines Missgeschicks unvermittelt kurzfristig verschwindet. Oder als sich Neil Armstrong dazu entschließt seinen Mondspaziergang früher als geplant zu beginnen. Und das bedeutet, dass alle Bilder der weltweiten Fernsehübertragung von Buxton und seinem Team in Australien geliefert werden.

Mit viel Charme – und noch mehr Gelassenheit – zaubern die Macher hier ein fantastisches Zeitkolorit jener neuen Zeitrechnung. Kostüme, Ausstattung und Kulissen lassen keinen Zweifel an der Liebe zu einem bemerkenswertes Produktionsdesign. Gedreht wurde aber auch am originalen Radioteleskop in Parkes. Zu Anfang werden die Originalaufnahmen der Apollo-Mission noch sehr spärlich genutzt, was auch noch mehr Raum für die Figuren gibt. So werden auch deren Motivationen und Empfindungen gegenüber der Bedeutung ihres historischen Beitrages sehr gut beleuchtet. Mit der Verdichtung der realen Fernsehbilder in der zweiten Hälfte, steigert sich auch die emotionale Intensität der überaus kauzigen, aber stets glaubwürdigen Figuren.

Dish 2 - (c) WARNER BROS

Mit ihren greifbaren Charakteren und ihren verständlichen, wenngleich kuriosen Problemen gegenüber des geschichtsträchtigen Ereignisses, wird auch jenes wunderbare aufwühlende Gefühl vermittelt, welches die damals 600 Millionen Zuschauenden der ersten Mondlandung gehabt haben dürfen. Rob Sitch schafft dieses aufregende Erlebnis für ein junges Publikum ebenso greifbar zu machen, wie für jene zu wiederholen, die seinerzeit Live vor den Fernsehschirmen klebten. Und das gelingt ihm nicht wegen der Originalaufnahmen allein. Es ist hauptsächlich dem wundervollen Ensemble von weitgehend unbekannten Darstellern zu verdanken.

Mit unaufdringlichen Gesten und perfektem Timing, mit pointierten Dialogen und ausgewogenen Schwerpunkten überzeugt die Inszenierung von der ersten Minute an. Oft zuckersüß, aber niemals schmalzig, streift der Film gerne die Grenzen einer Mainstream-Komödie, aber weder das Sujet noch die Figuren lassen es zu, sich diesem Mainstream zu ergeben. Die wunderbaren Schauspieler sind sich merklich der Grenzen zwischen aufgesetztem Humor und differenzierten Untertönen bewusst. Die kleine Person von Down Under prägt die Bedeutung der historischen Ereignisse, weil sie manchmal kauzig, manchmal naiv sind, aber niemals lächerlich oder unsinnig.

Graeme Wood verwandelt in warmen, aber kontrastreichen Tönen die Leinwand zu einem Panoptikum faszinierend idyllischer Aufnahmen und trägt sehr viel zu der gesamten Stimmung bei. Edmund Chois symphonische Klänge erinnern in weiten Teilen Horners Soundtrack zu Apollo 13, aber das könnte durchaus auch Methode sein. Wunderbar anzuhören ist es allemal. Es ist ein kleines Juwel des Kinos, und kommt aus Australien. Es ist eine Geschichte nach wahren Begebenheiten. Es gibt viele Filme nach wahren Begebenheiten. Allerdings überzeugt „The Dish“ mit dem großen, prägenden Fortschritt, der mit eindringlicher Menschlichkeit erzählt wird.

Sam Neill, du wirst fehlen.

Dish 3 - (c) WARNER BROS


Darsteller: Sam Neill, Patrick Warburton, Tom Long, Kevin Harrington, Roy Billing, Eliza Szonert, John MacMartin u.a.

Regie: Rob Sitch
Drehbuch:Rob Sitch, Santo Cilauro, Tom Gleisner, Jane Kennedy
Kamera: Graeme Wood
Bildschnitt: Jill Bilcock
Musik: Edmund Choi
Produktionsdesign: Carrie Kennedy
Australien, Südafrika / 2000
101 Minuten

Bildrechte: WARNER BROS
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