EVIL DEAD BURN

Evil Dead Burn - (c) SONY-WARNER– Release 09.07.2026 (world)

Nach einem bitterbösen Streit mit seiner Frau Alice (Shouheila Yacoub) kommt Will Price (George Pullar) bei einem Autounfall ebenso bitterböse ums Leben. Das wirkt zuerst willkürlich, um eine Geschichte aufzubauen, ist aber in Wirklichkeit schon mitten in der Geschichte – das Böse kann auch sehr komplex sein. Nach Wills Totenfeier im wirklich engsten Familienkreis kehrt die Familie Price zurück in ihr abgelegenes Landhaus. Hier forscht auch Joseph (Hunter Doohan), Bruder von Will, in den Unterlagen und Aufzeichnungen seines Großvaters, der sich mit dem Necronomicon beschäftigte, dem ‚Buch der Toten‘. Entsprechend dauert es auch nicht lange, bis die bekannten Dämonen das Haus heimsuchen – Deadites, wie sie von „Evil Dead“-Liebhabern genannt werden.

Was dem Film fehlt ist Humor. Dieser beißende zynische Humor, der eigentlich nicht wirklich witzig ist, sondern nur etwas von der permanenten Anspannung nimmt – der die grauenerregende Geschehen konterkariert. Sam Raimi hat das bereits bei „Tanz der Teufel“ wunderbar hinbekommen, und dies in dessen Fortsetzung – die eigentlich sein eigenes Remake war – noch verfeinert. „Tanz der Teufel“ hatte hundertfach Epigonen, und die wollten alle noch viel witziger sein. Da machte Fede Alvarez 2013 mit dem vielfach als Remake missverstandenen „Evil Dead“ (wie jetzt auch in Deutschland so genannt) einen guten Schritt in eine eigenständige Richtung. Düsterer und noch viel gewaltvoller. Dennoch blieben Alvarez, sowie Lee Cronin mit „Evil Dead Rise“ ihrem blutigen Ursprung treu. Wohl auch, weil die Erfinder der Reihe, Sam Raimi und Bruce Campbell, als Produzenten weiterhin ihre Finger in die Wunde legen.

Die höchst dysfunktionale Familie Price kämpft also gegen die dämonischen, unheimlich ekelerregenden Deadites. Und sehr oft bekämpfen sich diverse Familienmitglieder untereinander, wenngleich nur verbal – aber auch das ändert sich, wenn sie sich als Opfer selbst als Dämon wieder erheben. Ziemlich zu Beginn ist zu sehen, wie der Vater eine Sägeblatt bestückten Rasentrimmer mit Benzin füllt. Mit glühenden Herzen und erfreutem Grinsen kann man kaum erwarten, bis dieses Gerät Themen-gerecht zum Einsatz kommt. Hier und da kommen ein paar eingestreute Kalauer zum Zuge, die das überzogen eklige Treiben unterstützen. Deadites sind keine Zombies sondern Dämonen, weswegen sie schwer zu töten sind. Am besten ist, den Kopf mit endlose vielen Schlägen in Matsch zu verwandeln. Seit Refns „Drive“ ist der explizite Köpfebrei zu einem Muss in Hollywood geworden. Auch hier fehlt es nicht, wobei es bei Weitem nicht das widerlichste ist, mit dem hier Splatter-Fanatiker verwöhnt werden.

Evil Dead Burn 1 - (c) SONY / WARNER

Es ist aber nicht allein der unglaublich fiese Blutrausch der diesen Film ausmacht, wie auch bei seinen Vorgänger. Es ist diese verstörende düstere Atmosphäre und die niederschmetternde Familiendynamik. Sébastien Vanicek hat sich 2024 als Regisseur mit seinem grandiosen Milieu-und-Horror-Mix-Debüt „Spiders – Infested“ für diesen Film und dessen Stilmittel ins Spiel gebracht – denn Atmosphäre, das kann Vanicek. Somit funktioniert „Evil Dead Burn“ auf verschiedenen Ebenen – und diese zusammengefasst als ein sehr unangenehmer, unverschämt düsterer Horror. Dabei gelingt dem Drehbuch das erstmalige Glanzstück – welches Vanicek zusammen mit „Spiders“-Alliierten Florent Bernard verfasste – diesen Film mit jedem einzelnen der fünf Vorgänger pülausibel und sinnvoll zu verbinden. Ob ein bestimmtes Messer, ob bestimmte Figuren, geschichtliche Zusammenhänge – die Deadites-Hölle wird komplex.

Aber wirkliches Highlight ist Philip Lozanos Bildgestaltung. Lozano imitiert nicht nur die Kult gewordenen Kameraflüge, sondern öffnet mit der Optik auch die wirklich engen Räumlichkeiten, in denen um Sterben und Tot gekämpft wird, und derer gibt es viele. Die Kamera verliert sich nie in dem eigentlichen Chaos der Ereignisse, sondern behält trotz viel bewegter Kamera immer den perfekten Überblick für die Zuschauenden. Der Score von Xavier Caux und Douglas Cavanna, die als Gruppe Double Danger den nervenaufreibenden Soundteppich schrieben, unterstützt sehr effektiv die ohnehin erbarmungslose Atmosphäre. Sébastien Vanicek ist ein atemberaubender Schocker gelungen, der die in ihn gesetzten Erwartungen bestens erfüllt…

… bis auf die unbefriedigenden letzten zehn Minuten, in denen ein nervenaufreibender „Evil Dead Burn“ in einen erschreckend konventionellen Horror-Thriller abrutscht. Es kann eben nicht jeder Versuch von Innovation gelingen. Das es hier im Finale passiert, ist vielleicht enttäuschend, macht aber im Gesamten diesen Tanz der Teufel nicht weniger schonungslos hart. Und wie bei den Vorgängern auch, ist Vorwissen für ein unbedarftes Publikum nicht notwendig, aber für die Freaks sind all die Querverweise ein wundervolles Vergnügen. Vielleicht bringt Francis Gallupi ja wieder mehr von dem zynischem Witz zurück, wenn er 2028 mit „Evil Dead Wrath“ fertig ist.

Evil Dead Burn 2 - (c) SONY-WARNER


Darsteller: Shouheila Yacoub, Hunter Doohan, Luciane Buchanan, Erroll Shand, Greta van den Brink, Tandi Wright u.a.

Regie: Sébastien Vanicek
Drehbuch: Sébastien Vanicek, Florent Bernard
Kamera: Philip Lozano
Bildschnitt: Maxime Caro
Musik: Xavier Caux, Douglas Cavanna als Double Danger
Produktionsdesign: Nick Connor
Neuseeland, Kanada, USA / 2026
110 Minuten

Bildrechte: SONY / WARNER
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