RESURRECTION

Resurrection - (c) PLAION PICTURESKUANG YE SHI DAI
– Bundesstart 25.06.2026
– First-Release 22.11.2025 (CHN)

Es gibt Filme, die herausfordern, und darin finden sich welche, die auf bestimmte Weise weit darüber hinaus gehen. Und es gibt Filme, die einfach nur durch ihre Visualität faszinieren. „Resurrection“ fällt in diese beiden Kategorien – aber sonst in keine weitere. Sieben Jahre nach „Long Day’s Journey into Night“ hat Filmemacher Bi Gan seine künstlerischen Ambitionen noch viel höher geschraubt. Diese sieben Jahre hat er für sein jüngstes Werk benötigt, es zu entwickeln und auszuarbeiten. Beim der Entwicklung hatte Bi Gan Unterstützung von Co-Autor Zhai Xiaohul, und bei der Ausarbeitung war Hauptdarsteller Jackson Yee an seiner Seite. Jackson Yee spielt fünf verschiedene Rollen in fünf verschiedenen Episoden. Und man kann über den Film sagen was man will, aber Yee ist mit jeder Figur großartig.

Fünf verschiedene Episoden, die durch verschiedene Aspekte ineinandergreifen. Da sind zuerst die sechs einzelnen Sinne die jede Geschichte bestimmen. Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, und Fühlen – in Verbindung mit dem Verstand. Zudem spiegelt jede Folge eine andere Epoche und Genre im Kino wieder. Das beginnt beim deutschen expressionistischen Stummfilm, über den Film-Noir hin zum Neorealismus des französischen Kinos. Die Story – sofern diese so zu bezeichnen ist – wird mit Texttafeln im alten Stil erklärt, und bildet einen eher dürftigen roten Faden.

In der Zukunft sind die Menschen unsterblich, weil sie das Träumen aufgegeben haben. Nur wenige Rebellen – sogenannte ‚Deliranten‘ – widersetzen sich, träumen, und sterben langsam. Der von Jackson Yee dargestellte, jeweils wechselende Protagonist, träumt sich von Episode zu Episode, bis zu seinem biologischen Ende. Dies als Handlungsstrang zu bezeichnen wäre gewagt. Allerdings liegt es auch ganz klar in der Absicht von Bi Gan, keiner kohärenten Struktur folgen zu wollen. Und er verzichtet auch bewusst auf eine klassische Erzählform von Aufbau, Wendepunkt, und Auflösung.

Was „Resurrection“ genau sein will lässt sich schwer beschreiben, und sehr offensichtlich will Bi Gan seinen Film auch genau so verstanden wissen. Ein unendlicher Fluss von grandiosen Eindrücken und Erfahrungen, ein Fest für zumindest vier der sechs behandelten Sinne. Was Ausstattung und Set-Design zusammen mit Dong Jingsongs überwältigender Bildgestaltung an visueller Opulenz auf die Leinwand zaubern, ist nichts anderes als das Beste was geneigter Cineast in diesem Jahr im Kino zu sehen bekommt. Die perfekte Synergie von künstlerischer Filmtechnik.

Resurrection 2 - (c) PLAION PICTURES

Die atemberaubende Bilderflut trägt sich schnell auf. Mit 160 Minuten ist Gans Film erschöpfend lang. Auch wenn jede Episode für sich besteht. Sie sind auf höchstem technischen Niveau gefilmt, und im modernen Stil erzählt, dennoch sind die zeitgeschichtlichen Kinoepochen ganz unmissverständlich zu erkennen. Da sie allerdings als traumartige Sequenzen konzeptioniert sind, lassen sie auch verständliche Zusammenhänge, oder logische Erklärungen vermissen. Und bei 160 Minuten verliert sich nach geraumer Zeit auch die gebührende Aufmerksamkeit.

Wirklich enttäuschend ist allerdings der 38-minütige Long Take. Umgehend nach der Premiere in Cannes, wurde „Resurrection“ für eine in einer einzigen Einstellung gedrehten Episode bejubelt und gefeiert. Wer sich allerdings an die Plansequenz von Welles‘ „Im Zeichen des Bösen“ vor 68 Jahren erinnert, wird schnell eines Besseren belehrt. Sie ist nur ein Zehntel so lang, aber ohne Steady-Cam oder digitale Unterstützung gedreht, und dabei um Längen spannender. Ganz zu schweigen von Roger Deakins technischem Irrsinn bei „1917“. Wirklich schmälern kann man den visuellen Geniestreich von „Resurrection“ nicht – aber filmhistorisch vielleicht etwas gerechter einordnen. Bi Gans Film bleibt eine transzendente Erfahrung – cineastisch und in Ausdauer.

Resurrection 1 - (c) PLAION PICTURES


Darsteller: Jackson Yee, Shu Qi, Mark Chao, Li Gengxi, Huang Jue u.a.

Regie: Bi Gan
Drehbuch: Bi Gan, Zhai Xiaohul
Kamera: Dong Jingsong
Bildschnitt: Bi Gan, Bai Xue
Musik: M83
Produktionsdesign: Liu Qiang
China, Frankreich, USA / 2025
160 Minuten

Bildrechte: PLAION PICTURES
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