POWER BALLAD

Power Ballad - (c) LEONINE DISTRIBUTION– Bundesstart 25.06.2026
– First-Release 29.05.2026 (IRE)

Wer kennt nicht irgendeine Power-Ballade. Der erste Schultanz, eine Hochzeit zur später Stunde, oder jedes Konzert in Meat Loafs letzten Jahrzehnten. Wenn es also in einem Film um so einen Song geht, und der Protagonist Rick Power heißt, dann weiß man Bescheid. John Carneys Film pendelt sich irgendwo zwischen Komödie und Drama ein. John Carney hat so einen Film schon öfter gemacht – „Sing Street“ oder „Flora and Son“. Ja, auch in diesen Filmen ging es primär um Musik, er liebt Musik. Nur, wenn der Film von einer Power-Ballade handelt, sollte eine solche auch zu hören sein – und überzeugen. Viele gute Filme enttäuschen mit ihrem, mit diesen ganz speziellen Song. Ein überraschend positives Beispiel war allerdings der Psychothriller „Mother Mary“. In „Power Ballad“ heißt der angepeilte Ohrwurm ‚How to Write a Song (Without You)‘. Regisseur John Carney hat ihn zusammen mit dem schottischen Musiker Gary Clark geschrieben. Und was soll man sagen – es ist ein Ohrwurm, der überzeugt.

Der Amerikaner Rick Power war mit seiner Band in Irland, als ihn die Liebe ereilte, und er in Dublin sesshaft wurde. Jetzt ist Rick Sänger und Gitarrist einer Hochzeitsband, die mit Cover-Versionen von Hits aus den 80ern für Stimmung sorgt. Bei einer dieser Hochzeiten ist auch Danny Wilson anwesend. Ehemaliger Sänger einer Boy-Band, der nun versucht eine Solo-Karriere zu starten. Man kommt ins Gespräch, trinkt etwas, plaudert über die Karriere, trinkt etwas mehr, tauscht sich aus, man jammt, trinkt noch mehr, sie spielen sich gegenseitig vor, Ideen werden ausgetauscht.

Paul Rudd und Nick Jonas sind sympathische Darsteller, deren Figuren auch auf sympathische Weise harmonieren. Jonas ist professioneller Musiker, Rudd spielt sehr überzeugend einen professionellen Musiker. Nach dieser sehr angenehmen Nacht geht auch jeder wieder seiner Wege. Bis Rick sechs Monate später Danny im Radio hört – mit einem Song, den er ihm seinerzeit als Idee vorgespielt hat. Ein Song der zum Welthit wird, und endlich die Solo-Karriere von Danny Wilson startet.

Es gehört nicht viel dazu, den weiteren Verlauf der Geschichte zu erahnen. Allerdings versucht John Carney auch gar nicht das Rad neu zu erfinden, sondern ist viel mehr auf die emotionale Ebene seiner Figuren konzentriert. Das Drehbuch hat Carney zusammen mit Peter McDonald geschrieben, der die Rolle von Sandy mit übernommen hat, der beste Freund von Rick. Zusammen fliegen die beiden Freunde nach Los Angeles, um Danny Wilson zur Rede zu stellen – und Ricks Song zurückzuholen.

Die erste Hälfte von „Power Ballad“ funktioniert sehr gut als mildes Drama – oder wenn man will, sanfte Komödie. Natürlich glaubt niemand, dass ein Coverband-Sänger wie Rick, den Song eines ‚Superstars im Kommen‘ geschrieben haben kann. Selbst Gattin Rachel oder Tochter Aja haben starke Bedenken, denn Rick hebt eigentlich jede Notiz auf, oder hat eingespielte Ideen archiviert. Ein cleverer Schachzug in der Dramaturgie ist zudem, dass selbst in jener Nacht das Lied nicht wirklich zu hören war.

Power Ballad 2 - (c) LEONINE DISTRIBUTION

Bis zum Beginn des zweiten Aktes bleibt Carneys Inszenierung geerdet und auf seine unterhaltsame Art auch nachvollziehbar. Doch in der zweiten Hälfte zerfällt der Film in eine Ansammlung von reizlosem Humor und fragwürdigen Unwahrscheinlichkeiten. Wenn sich zum Beispiel Rick und Sandy nach einem Konzert in den Backstage-Bereich mogeln, oder eine bewachte Hollywood-Party sprengen. Da verzichtet der Film auch nicht auf  Slapstick – was eher Bauchschmerz auslöst, anstatt Lacher.

Eine muss man aber lassen, John Carney hat das Herz am rechten Fleck, wenn es um Musik geht. Und das hält den Film tatsächlich am Laufen, trotz inszenatorischer Fehltritte. Und das Ensemble durchweg sympathischer Darsteller mit ihren fast durchweg greifbaren Figuren macht auch jeden Fehltritt irgendwie erträglich. Lediglich Jack Reynor muss sich als Dannys Manager Mac mit einem hässlichen Stereotyp zufrieden geben. Dafür ist Paul Rudd genau der Typ, der einen gebeutelten Mann mit unendlich positiver Energie angemessen verkörpern kann und nahbar macht.

Und als Gegenüber kann sich Nick Jonas bis zu einem gewissen Grad behaupten. Seine Chemie mit Rudd ist stimmig. Nur im emotionalen Höhepunkt wird Jonas von der Geschichte im Stich gelassen, weil sich diese dann doch auf Ricks Alleinanspruch auf den Song fokussiert. Auch wenn kurz angesprochen, findet Dannys Anteil am Erfolg keinen Zuspruch, und wird weiter negativ behandelt. Es ist kein sehr guter Film im Allgemeinen, aber ein sehr guter Film über Musik – und was sie einem bedeutet.

Und genau zu eben jener Bedeutung führt das Finale von „Power Ballad“, zu einer Aussage die sich wie eine überraschende Wendung ausnimmt, aber für jeden Musiker die eigentliche Essenz seiner Musik ist. Kann sich jemand erinnern, wen Barry Manilow in ‚Mandy‘ besingt? Genau hier liegt die Aussage von „Power Ballad“ – und die Essenz von ‚How to Write a Song (Without You)‘ trägt uns dort hin.

Power Ballad 1 - (c) LEONINE DISTRIBUTION


Darsteller: Paul Rudd, Nick Jonas, Peter McDonald, Beth Fallon, Marcella Plunkett, Jack Reynor u.a.

Regie: John Carney
Drehbuch: John Carney, Peter McDonald
Kamera: Yaron Orbach
Bildschnitt: Stephen O‘Connell
Musik: John Carney, Gary Clark
Produktionsdesign: Anna Carney
Irland, USA / 2026
98 Minuten

Bildrechte: LEONINE DISTRIBUTION
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