– Bundesstart 10.09.2026
– Release 22.05.2026 (GB)
Besprechung basierend auf
der britischen DVD-Fassung
Ein junger attraktiver Mann lernt die Frau seiner Träume kennen, bekommt aber eine falsche Telefonnummer. Aber irgendwie muss er sie ausfindig machen. Eine junge attraktive Frau will ihm dabei helfen, aber nur im Rahmen ihrer angedachten Dissertation. Jetzt ist natürlich sofort klar, wohin diese Suche führen wird. Es ist das Langfilmdebüt von Regisseurin Alicia MacDonald. Eine gewisse Risikobereitschaft in Inhalt und Inszenierung ist da schon zu erhoffen, in der das uralte Konzept als grundlegende Basis verwendet wird, um geneigtem Publikum dann die Erwartungshaltung ordentlich um die Ohren zu hauen. Owen ist 23, unentdeckter Musiker, und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Bei einem dieser Jobs lernt er Emily kennen, und zusammen verbringen sie den Abend mit tanzen und quatschen. Doch Emily gibt dem schwer verliebten Owen aus Versehen nicht ihre komplette Telefonnummer.
Auf seiner verzweifelten Suche begegnet er einer anderen, gleichaltrigen Emily. Die brühtet gerade über ihrer Dissertation, welche die Liebe gleichstellt mit einer temporären Psychose. Ein evolutionäres Relikt, und in der Moderne ohne Funktion. Ohnehin würde Liebe nur zur Selbstsabotage führen. Eine wirklich gewagte These, bei der alle darauf warten, wie sie im Film regelrecht zerfetzt wird – wie in jeder normalen Romcom. Doch bei Alicia MacDonald besteht ja immer noch die Hoffnung angenehm überrascht zu werden. Das Drehbuch hat Rachel Hirons geliefert, die bisher noch nicht sonderlich aufgefallen ist – was „Finding Emily “ auch nicht ändern wird.
Mit Angourie Rice und Spike Fearn hat der Film zwei dynamisch engagierte Darsteller gefunden, die gleich so gut zusammenpassen und als Figuren zu perfekt harmonieren, dass die Geschichte einfach gegen die Erwartung enden muss. Alles andere wäre spießig und unzeitgemäß. Es gibt einige starke Ideen, mit dem sich der Film modern zeigen will. Eine selbstgefällige Podcasterin, die Owens Suche ausschlachtet und ihn der Lächerlichkeit preisgeben will – weil man nur so auch Klicks generiert. Oder der unablässige Versuch einer Frauengruppe, Owen als sexbesessenen Stalker an den Pranger zu stellen. Die einzige tatsächlich starke Idee, ist Owen in vermeintlichen Augenblicken von Fremdscham überraschend als begnadeten Musiker zu präsentieren.
Wenngleich MacDonald mit ihrer lebendigen und zügigen Inszenierung überzeugt, die ihren Hauptdarstellern großartigen Freiraum lässt, wirft ihr Frauenbild bohrende Fragen auf. Die Anführerin der Frauenrechtsgruppe von ‚Emilys‘ zeigt sich als unglaublich abstoßende Fanatikerin. Universitätsdekanin Watkinson (unterfordert: Minnie Driver) geht jeder Verantwortung rigoros aus dem Weg. Die Podcasterin Laura Lewis ist eine zickige Tyrannin. Und selbst Hauptfigur Emily wird zur Schuldigen eines Dilemmas, welches keines sein müsste. Frauen haben hier keinen guten Stand.
Doch „Finding Emily“ soll ja auch witzig sein, was so manche fragwürdige Entscheidungen nötig macht, um den Humor zu rechtfertigen. Wenngleich MacDonald mehr mit dem Charme ihrer passend besetzten Darsteller überzeugt als mit Pointen. Weder witzig noch romantisch ist hingegen das bittere Versagen etwas Anderes, etwas Besonderes zu probieren. „Finding Emily“ ist flott und ohne Durchhänger inszeniert, die Atmosphäre wird von eingängigen, sehr gefälligen Songs getragen, und Spike Fear beweist, dass sich Unterricht in Gesang und Gitarre absolut bezahlt gemacht hat. Von Fear wird bestimmt bald noch mehr zu hören sein. Nur das nachgestellte „Bittersweet Symphony“-Video zum Abspann wagt es nicht in die Vollen des Originals zu gehen.
Doch das Pseudo-Video ist ohnehin nur eine gelungene Geste an Musikfreunde, da ist der Film an sich schon längst zu Herzen gegangen, oder hat sich eine ablehnende Haltung eingefangen. Schlimmstenfalls – und solche Filme gibt es – hat man ihn bereits nach dem Abspann vergessen. Alicia MacDonald hat das ursprüngliche Buch von Los Angeles nach Manchester umschreiben lassen, was kaum Auswirkungen auf die Drehorte hat, und keine Bedeutung für die Handlung. „Finding Emily“ ist kein schlechter Film per se, aber es ist ein Film vieler verpasster Chancen. Sehr viele Kleinigkeiten machen die Filmemacherin darauf aufmerksam beim nächsten Projekt viel mehr zu wagen.
Darsteller: Spike Fearn, Angourie Rice, Cora Kirk, Jack Riddiford, Isabella Laughland, Minnie Driver, Prasanna Puwanarajah u.a.
Regie: Alicia MacDonald
Drehbuch: Rachel Hirons
Kamera: Rachel Clark
Bildschnitt: Phil Hignett
Musik: Morgan Kibby
Produktionsdesign: Bobbie Cousins
Großbritannien, USA / 2026
111 Minuten

