– Bundesstart 27.08.2026
– Release 19.08.2026 (FR)
Allein das Postermotiv für den deutschen Markt ist brüllend komisch. Noch viel weiter geht die amerikanische Fassung, die dem ersten „Stirb Langsam“ nachempfunden ist. Stathams halbes Konterfei in schwarzweiß, anstelle des Nakatomi-Towers, gibt es ein Containerschiff in Vogelperspektive mit einer Explosion an gleicher Stelle (Eine Explosion, wie sie in „Mutiny“ nie stattfindet). Es muss einfach satirisch gemeint sein, wie alle Filme von und mit Jason Statham mittlerweile nur unter dem Aspekt der Satire zu begreifen sind. Filme, denen nicht einmal ein Hauch an Humor gegönnt ist. Der Begriff Jason Statham – durchaus ein Genre für sich – bedeutet von Film zu Film: Alles ganz anders, um immer dasselbe zu zeigen. Und so schwer es fällt zuzugeben, hat es unglaublichen Unterhaltungswert. Denn auch dieser Cole Reed in „Mutiny“ ist ein maulfauler stoischer Bodyguard, mit Hintergrund bei Polizei und militärischen Spezialeinheiten. Natürlich. Der Name ist Programm, welches die Erwartungen erfüllt.
Reed ist Bodyguard des thailändischen Groß-Reeders Tibu Campallo. Beide pflegen ein fast schon familiäres Verhältnis. Und Regisseur Jean-François Richet inszeniert die ersten fünfzehn Minuten auch eher als eine Vater-Sohn-Beziehung, um möglichst viele Informationen an den Zuschauenden zu bringen. Jede noch so innig anmutende Szene ist lediglich Exposition für den weiteren Verlauf – Reeds Vergangenheit, Campallos Zukunft. Was in den ersten fünfzehn Minuten als tief freundschaftliches Geplänkel zu vernehmen ist, hält später nicht mit Erklärungen auf. Denn später geht es Schlag auf Schlag – oder Schuss auf Schuss – und da darf nichts die Dynamik aufhalten.
Reeds väterlicher Freund wird getötet. Und weil dies eine Jason-Statham-Produktion ist, sind die Verantwortlichen umgehend bekannt. Die bösen Buben legen mit einem von Campallos Containerschiffen ab, und an Bord auch Reed. Es kommt noch eine Frauenrolle in Gestalt von Annabelle Wallis hinzu, die gehört auch zu den Guten, und weiß sich als gediente Matrosin sehr gut selbst zu helfen. Und weiß auch was zu tun ist, wenn sie einen Container mit geschmuggelten Menschen entdeckt. Cole Reed muss jetzt neben der wilden Meuchelei auch noch wehrlose Menschen beschützen.
Manchmal kann ein Film so einfach sein. Doch das gehört eben auch zum Konzept. Nonstop-Action – die hier etwas später einsetzt – ohne sich noch viel Gedanken machen zu müssen. In diesem Film gibt nur eine einzige Figur die im Graubereich liegt, alle anderen sind strikt und ohne wenn und aber in Schwarzweiß aufgeteilt. Das vereinfacht die Dramaturgie schon immens – um nicht von Einfallslosigkeit sprechen zu müssen. Und die letzte Person im Graubereich ist dann nur noch eine zweifelhafte Entschuldigung. Es soll mit dem emotionalen Finale der brutale Rachefeldzug und die perverse Schadenfreude des Publikums nachdrücklich gerechtfertigt werden.
Wenn mit einem Packhaken Gesichter aufgerissen werden, und mit Äxten Schädel gespalten, dann gibt es reichlich Grund für eine Rechtfertigung. Im Film ist es die Vergeltung, und im Kinosaal die mörderische Freude. Sicherlich gibt es brutalere Statham-Werke, und bestimmt auch mit höherem Body Count, doch es ist die Effizienz und die raffinierte Choreographie die einen Film dieser Art ausmacht – und diesen ganz speziell. Warum „Mutiny“ zwei Autoren hat (J.P. Davis, Lindsay Michel), bleibt ein Rätsel. Das er zwei Cutter für die Montage braucht (David & Joe Rosenbloom) beweist das Produkt. Der Fluss jeder Szene wird mit den präzisen Schnittfolgen schlichtweg makellos – nicht nur in den rasanten Actionsequenzen.
Das Bildgestalter Brendan Galvin auch noch weitgehend auf handgeführte Kamera verzichtet hat dann schon wieder einen ganz speziellen Reiz. Besonders die Mann-gegen-Mann-Kämpfe sind dadurch noch besser hervorgehoben, und die auffallend längeren Einstellungen lassen viel schöner die Choreografie bewundern. Doch Galvin glänzt ganzheitlich mit einer überraschenden Kameraführung. Sanfte Fahrten und exakte Kadrierung geben dem Film eine generelle Dynamik, die auch viel über oberflächliche Dialoge und fehlende Inhalte hinwegtragen. „Mutiny“ ist das, was er sein will. Mit absurd brutaler Action, einer weit vorhersehbaren Handlung, und einem emotionslosen Jason Statham. „Mutiny“ hält, was Statham verspricht.
Und auch wenn einem anderorts aufgedrängt wird, es würde sich hier um ein „Stirb Langsam – Die Hard“-Plagiat handeln: John McTiernan ist Regisseur eines ganz anderen Formates, und Bruce Willis das exakte Gegenteil eines Statham-Helden. Und die beiden Filme haben auch ein vollkommen gegensätzliches Narrativ.
Darsteller: Jason Statham, Annabelle Wallis, Jason Wong, Roland Møller, Ramon Tikaram, Arnas Fedaravicius, Adrian Lester u.a.
Regie: Jean-François Richet
Drehbuch: J.P. Davis, Lindsay Michel
Kamera: Brendan Galvin
Bildschnitt: David Rosenbloom, Joe Rosenbloom
Musik: Marcus Trumpp
Produktionsdesign: Russell De Rozario
Großbritannien, USA / 2026
95 Minuten

