THE MIRACLE CLUB

Ursprünglich war ein Kinostart für den 9.7.26 angedacht
der aus nicht erklärten Gründen abgesagt wurde.
Die Besprechung basiert auf der bereits erhältlichen britischen Blu-Ray!

Miracle Club - (c) Zephyr Pushers / ShinAwil LLC– Bundesstart 09.07.2026
– First-Release 14.07.2023 (CAN)

„Filme wie diese, machen sie heute nicht mehr“, ist eine oft gebrauchte abgedroschene Plattitüde. Dafür ist es umso erfrischender, wenn einmal ein aktueller Film dieser Plattitüde widerspricht. Bereits drei Jahre liegt die Premiere dieses vernachlässigten Glanzstücks zurück, doch seine beschwerliche Reise begann bereits 2005. Autor und Produzent Joshua Maurer und Co-Produzent Alixandre Witlin konnten – der heiligen Bernadette sei Dank – ihr Herzensprojekt nicht aufgeben. Es ist leider auch der letzte Film von Maggie Smith, und in dem wollen drei irische Frauen aus verschiedenen Beweggründen eine Pilgerreise nach Lourdes unternehmen. Es ist 1968 im Dubliner Vorort Ballygar, und die in die Jahre gekommenen Lily und Eileen haben mit der jungen Dolly bei einem Sangeswettbewerb der Kirche gewonnen. Der Gewinn ist eben jene Reise nach Lourdes, die allerdings durch den Widerstand der eigenen konservativen Gatten erschwert wird. Hinzu kommt die Ankunft der allerorts in Ungnade gefallenen Chrissie, Tochter einer gerade verstorbenen Freundin.

Was sich nach einer herrlich verrückten, typisch irischen Komödie anhört, bleibt aus. Es ist eine herrlich verrückte, typisch irische Geschichte, mit Herz und viel Verstand. Regisseur Thaddeus O’Sullivan verzichtet in seiner Inszenierung auf die – wenngleich möglichen – Übertreibungen einer Komödie. Auch wenn der Film genau diesen Strukturen folgt. Denn Chrissie begibt sich mit den Damen, welche sie nicht ausstehen können, auf den Weg nach Lourdes. Und der Film macht diese Entscheidung wirklich plausibel, so wie er es schafft alle Handlungspunkte überzeugend zu gestalten.

O’Sullivan hält die Zügel so kurz, dass aus den Gefühlen kein Kitsch wird, und der Humor nicht zu albernem Witz verkommt. Aber es ist die Besetzung, die aus dem relativ konventionellen Buch eine zutiefst menschliche Erzählung macht. Das gilt selbst für die Amerikanerin Kathy Bates als Eileen, die allerdings Schwächen bei ihrem irischen Akzent zeigt. Ob Eileen, Lily, Dolly mit ihrem Sohn Danny, und eben auch Chrissie, sie alle haben ausgewogen und gleichwertig ihren eigenen Handlungsbogen. Aber ihre individuellen Geschichten greifen auch sehr geschickt ineinander.

Miracle Club 2 - (c) Zephyr Pushers / ShinAwil LLC

Sie alle haben einen Grund nach Lourdes zu gehen. Jede der vier Frauen hofft im Verborgenen auf ihr persönliches kleines Wunder. Dabei geht es um Mut, um Vergebung, Erlösung, und auch Schmerz oder Angst. Aus der Vergangenheit heraus, hängen am Ende diese Hoffnungen auf kleine Wunder doch zusammen. Es ist keine traurige, keine über-dramatisierte, keine trivialisierte Geschichte. Aber sie ist echt im Schmerz und ehrlich in der Emotionalität. Und diese Geschichte erzählt O’Sullivan mit überraschender Leichtigkeit und tiefgründigem Humor.

Mit seinem Score hätte sich Edmund Butt ein wenig zurückhalten können. Bisweilen trägt seine musikalische Untermalung zu stark auf. Das läuft an manchen Stellen der eleganten Inszenierung und dem sensiblen Spiel entgegen, in diesem kleinen Wunderwerk – wie sie tatsächlich heute nur noch schwer zu finden sind. Leider der letzte Beleg, warum Maggie Smith zu den wirklich besten Schauspielerinnen überhaupt zählt. Gegen Ende der extrem kurzweiligen 90 Minuten beschleicht einem immer wieder das Gefühl zu wissen, wie sich das Schicksal dieser wundervollen Figuren fügen wird.

Und dieses Gefühl der Vorahnung ist zum Glück falsch. „Man kommt nicht nach Lourdes, um ein Wunder zu erleben… Man kommt, um die Kraft zu finden, weiterzumachen, wenn das Wunder ausbleibt“, mahnt Pfarrer Byrne. Eine wichtige Lehre für Lily, Eileen, Dolly und Chrissie. Fast anzunehmen das auch Joshua Maurer und Alixandre Witlin in Lourdes waren, denn zu unser aller Glück hatten sie die Kraft, für die Realisierung dieses wunderbaren Films über 18 Jahre durchzuhalten.

Miracle Club 1 - (c) Zephyr Pushers / ShinAwil LLC


Darsteller: Maggie Smith, Laura Linney, Agnes O’Casey, Kathy Bates, Mark O’Halloran, Eric D. Smith, Stephen Rea u.a.

Regie: Thaddeus O‘Sullivan
Drehbuch: Jimmy Smallhorne, Timothy Prager, Joshua D. Maurer
Kamera: John Conroy
Bildschnitt: Alex Mackie
Musik: Edmund Butt
Produktionsdesign: John Hand
Irland, Großbritannien / 2023
90 Minuten

Bildrechte: Zephyr Pushers / ShinAwil LLC
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