RONDALLAS
a.k.a. BAND TOGETHER
– Bundesstart 16.07.2026
– First-Release 01.01.2026 (ESP)
Im kleinen galicischen Fischerstädtchen A Garda beschließt ein kleiner Freundeskreis, nach zwei Jahren Pause, ihr Rondalla wieder aufleben zu lassen. Rondallas sind große Ensemble für instrumentale Musik, angeführt von einem fast schon tanzendem Regisseur (nicht Dirigent), und begleitet von stolzen Fahnenträgern. Grund für die Pause war ein Schiffsunglück, bei dem nur zwei Menschen überlebten: Luis, der jetzt die Idee zur Wiederaufnahme hat, und der bärbeißige und stets alkoholisierte Yayo, der vor dem Unglück Fahnenträger war. Schon der Trailer hat es vorweg genommen, und der Film selbst macht es auch schnell deutlich, dass „So klingt das Leben“ eine jener Verquickungen von Drama und Komödie ist, die sonst aus Irland, Frankreich oder England kommen. Eine abwechslungsreiche Mischung aus skurrilen, aber authentischen Menschen und sehr menschlichen Problemen. Tragikomödien die Freude bereiten.
In Galicien sind Rondallas derart beliebt, dass es auch Wettbewerbe unter den Augen und Ohren tausender Zuschauer gibt, in denen diverse galicische Bezirke gegeneinander antreten. Luis glaubt mit dem Musizieren die Gemeinschaft in A Guarda wieder zu zusammenzubringen, die nach dem Bootsunglück auseinandergefallen ist. Luis ist mittlerweile heimlich mit Carmen zusammen, Witwe des Kapitäns jenes Unglücksbootes, der auch Luis bester Freund war, und seinerzeit Regisseur der Musikgruppe. Es ist also nicht so einfach im Ensemble. Carmens Kinder gehen unterschiedlich mit dem Verlust der Vaters um. Der ortsansässige Polizist Xoel will neuer Fahnenträger werden, und hat mit seinem Bruder und dem ehemaligen Träger Yayo gleich zwei Fronten an Problemen. Und Dudelsackspieler Elías wird mit dem Leben selbst nicht fertig.
Damit ist Filmemacher Daniel Sánchez Arévalo aber noch lange nicht am Ende dieser innergemeinschaftlichen Odyssee von Problemen, Sehnsüchten, Ängsten und Hoffnungen. Wie üblich in Dorf-ähnlichen Gemeinschaften, kennt auch in A Guarda jeder jeden. Und jeder fühlt sich bemächtigt, auf die Probleme von jedem Einfluss zu nehmen. Das ist immer wieder belustigend, mit viel hintersinnigem Humor, der aus seiner Authentizität heraus funktioniert. Platten Witz, oder kalauernde Schenkelklopfer lässt Regisseur Arévalo nicht zu. Doch auch die vielen dramatischen Momente werden nicht überstrapaziert, bleiben aber emotional sehr ansprechend.
Natürlich werden dem Ensemble in seiner Neufindung etliche Stolpersteine in den Weg gelegt. Denn über der ganzen Gemeinde liegen noch die ungeklärten Ursachen des Bootsunglücks. Und mitten hinein – als die Proben richtig gut laufen – haben Experten die Gründe für das Unglück gefunden. Es kommt zu Spannungen, in deren Folge Andrea die Regie bei der Musikgruppe übernehmen soll – Tochter des vormaligen Regisseurs, der auch Kapitän des verhängnisvollen Bootes war. Das liest sich an dieser Stelle wie zu viele an den Haaren herbeigezogene Zufälle, doch Daniel Sánchez Arévalo hat einen sensiblen Blick für die Dynamik einer derartigen Kleinstadt-Gruppe, dass die ganzen Verkettungen und Komplikationen glaubhaft und nachvollziehbar bleiben.
Es sind authentische Figuren mit realen Problemen, und die werden von einem ebenso glaubwürdigen Ensemble sympathischer Darsteller getragen. Auch wenn die Handlung nicht vor originellen Neuerungen strotzt, überrascht Arévalo doch mit einer nicht unbedingt zu erwartenden Wendung, die sich am Ende dann tatsächlich noch einmal – und das wirklich überraschend – um 180° verkehrt.
Eine zusätzliche Überraschung bietet Miguel Sanz Esteso mit seiner genialen Montage, die sich auch immer wieder an den Rhythmus der Musik anpasst. Mit Hilfe der Montage wagt auch der Regisseur im Finale noch einmal einen sehr ungewöhnliche Schritt, wenn er den musikalischen Auftritt beim Wettbewerb nicht als obligatorischen Triumph inszeniert, sondern mit unterschnittenen Momentaufnahmen aus den Proben, die Findung der Rondalla-Gruppe und den Geist von Freundschaft und Zusammenhalt feiert. Das macht zwar „So klingt das Leben“ nicht zum ganz großen Wurf, aber er überzeugt mit seinen ehrlichen Gefühlen und der Liebe zu seinen Figuren.
Darsteller: Javier Gutiérrez, María Vázquez, Judith Fernández, Tamar Novas, Carlos Blanco u.a.
Regie & Drehbuch: Daniel Sánchez Arévalo
Kamera: Rafa Garcia
Bildschnitt: Miguel Sanz Esteso
Musik: Frederico Jusid
Produktionsdesign: Antonio Pereira
Spanien / 2025
112 Minuten

