– Bundesstart 17.09.2026
– Release 28.03.2026 (HKG)
Group Captain James Stagg ist treusorgender Gatte, und verbissener Meteorologe. Einer ohne Humor, ohne freundliche Worte während des Dienstes. Group Captain James Stagg ist in der Allied Expeditionary Force der Verantwortliche der britischen Seite, die Landung in der Normandie planen und letztendlich durchführen. Staggs amerikanisches Pendant ist Colonel Irving P. Krick, ein von zufälligen Erfolgen verwöhnter Wichtigtuer. Das Wetter ist maßgeblich für den Erfolg des D-Day, um die Truppen zu Wasser und in der Luft zu koordinieren. Das macht der Oberbefehlshaber der alliierten Verbände, General Dwight D. Eisenhower, immer wieder und sehr lautstark deutlich. Krick sagt perfekte Bedingungen voraus. Stagg prognostiziert hingegen schlechtes Wetter, welches die Landung in einer Katastrophe enden lassen würde. Doch sein stoisches Selbstbewusstsein vermittelt den Generälen mehr Überheblichkeit als Expertise, was starke Zweifel an Stagg nähren.
Gerade wenn man glaubt schon alle Facetten des Zweiten Weltkrieges im Kino oder Fernsehen gesehen oder erlebt zu haben, findet jemand ein neues Schlupfloch eine Geschichte erzählen zu können. Wenn man aber hört, es ging um einen Meteorologen im Hauptquartier der alliierten Kräfte, dann ist das nicht gerade ein Zugpferd. Doch weit gefehlt – und das ist allein auf Andrew Scott zurückzuführen. Helden in allen Genres und biografischen Epochen sind meist durch die Komplexität der Figuren erzählenswert. Aber selbst in diesem Bereich ist Andrew Scott als Group Captain James Stagg eine Ausnahme. Er ist arrogant, herablassend, und sozial inkompatibel – und Scott spielt das mit einer stoischen Kälte, die schlichtweg einfach nur begeistert.
Denn wie viel Emotionen Scott seinem Alter Ego trotz seiner Stoik abringt, ist erstaunlich. Manchmal liegt es an seiner Stimme, aber sehr oft daran, wenn er nichts sagt. Stagg ist nicht abstoßend oder widerwärtig, er ist unangenehm. Wie Scott seinen Captain interpretiert lässt keine Zweifel an seiner Prognose, auch wenn er immer wieder betont, dass das Wetter nie sicher vorausgesagt werden kann – immer wieder. Das lässt Eisenhower verzweifeln, und macht ihn wütend. Ein neuer Termin für den D-Day würde riskieren, dass die Deutschen von den Plänen erfahren könnten. Brendan Fraser ist ein fantastischer General Eisenhower – in Physis und seiner gewaltigen Stimme. Doch Fraser muss an Aufmerksamkeit klar gegen Scott zurückstecken.
David Haig wird als Co-Autor neben Regisseur Anthony Maras genannt. Es beruht auf Haigs 2014 geschriebenem Theaterstück, bei dem er auf einigen Bühnen selbst James Stagg spielte. Die Form eines Bühnenstücks ist in einigen Dialogszenen und Szenenaufbauten erhalten, ohne allerdings die Bühnen-typische Theatralik in Stimme und Gestik. In der Bildgestaltung weiß Jamie Ramsay ein filmisches Äquivalent zur Bühne zu setzen. Bestimmte Passagen sind stark symmetrisch aufgebaut, wenn es um die rein militärischen Planungen und weiteren Belange geht. Leicht verkantet und aus der Kadrierung sind die rein aufs Wetter bezogenen Sequenzen. Bemerkenswert ist auch Ramsays Lichtstimmung, die ein realistisches Bühnenbild, mit einer beeindruckenden Ausstattung (Daniel Taylor) fabelhaft akzentuiert. Es ist ein visuelles Konzept, dass in den entscheidenden Augenblicken die richtige Stimmung trifft.
Immer wieder sprechen Aufzeichnungen und die aktuellen Wetterbedingungen gegen Staggs Vorhersage. Der Generalstab will auch den gesetzten Termin halten, und Colonel Krick bestätigt sie von seiner amerikanischen Seite aus. Es ist Eisenhower, der seine wahre Führungsstärke zeigt, wenn er die überhebliche Sicherheit von Krick gegen die vehemente Vorsicht von Stagg abwägt. Fraser verliert als Eisenhower gerne einmal die Nerven, doch man erkennt ihm Spiel, wie es mehr um seine eigene Unsicherheit als Oberbefehlshaber geht. Es tut dem Charakter sogar sehr gut, dass er immer hinter Stagg gehalten wird. Mit dem entschiedenen Ton, aber auch abschätzenden Sensibilität von Brendan Fraser, wird Eisenhower zu einer Art Spiegel von Staggs innerer Unruhe.
Fehl am Platz wirkt die Rolle von First Lieutenant Kay Summersby, Assistentin von Eisenhower, die unbeholfen zwischen den zwei Hauptfiguren hin und her geschickt wird. Kerry Condon gibt Summersby eine glaubwürdig abgehärtete Note in dieser Männerwelt, wenn sie charmant oder auch energisch zu vermitteln versucht. Dennoch wirkt Condon leider wie ein Zugeständnis an die Frauenquote. Das ist allerdings nicht das einzige Dilemma, mit dem ein Film zu kämpfen hat, der ansonsten über zwei perfekt besetzte und gespielte Protagonisten verfügt. Viel zu gewaltsam und überdramatisiert, will der Regisseur in einer Richtung Spannung aufbauen, wo der Ausgang durch alle gängigen Geschichtsbüchern fest geschrieben steht.
Der D-Day hat ja stattgefunden. Weswegen sich Anthony Maras mehr auf das ‚Ob‘ als auf das ‚Wie‘ fixiert, bleibt fragwürdig. Dann zeigt der Film noch ausführlich die Landung in der Normandie selbst. Mit all ihren Grausamkeiten wirken die Szenen – in ihrem Mix von authentischem und nachgestelltem Material – konträr zur eigentlichen Botschaft der zuvor erzählten Geschichte. Auch wenn es eine Notwendigkeit gibt das Grauen nicht zu verharmlosen. Beide Ebenen sind untrennbar voneinander, aber für die grundsätzliche Atmosphäre des Films ist es störend. Zudem sind solche Szenen im kollektiven Gedächtnis mittlerweile mehr mit dem inszenierten Realismus von „Private Ryan“ verbunden als mit den tatsächlichen Ereignissen. Und das schafft hier einen sanften Plagiatseffekt. Was bleibt ist wenigstens ein beeindruckendes Schauspieldrama. Es stellt die Unberechenbarkeit von Staggs Wetter und die Präzision von Eisenhowers militärischer Kompetenz gegenüber – und wie beide trotzdem nicht voneinander zu trennen sind. Wie Captain Stagg und General Eisenhower.
Darsteller: Andrew Scott, Brendan Fraser, Kerry Condon, Chris Messina, Damian Lewis, Tamsin Topolski, Jojo Macari u.a.
Regie & Bildschnitt: Anthony Maras
Drehbuch: Anthony Maras, David Haig
Kamera: Jamie Ramsay
Musik: Volker Bertelmann
Produktionsdesign: Daniel TaylorGroßbritannien, Frankreich, USA / 2026
110 Minuten

