HEART OF THE BEAST
– Release 22.09.2026 (World)
Am Ende steht ein großes Fragezeichen. Und mit ihm die verbitterte Frage „Warum?“. Zwischen zwei Filmen mit Jason Statham hat Regisseur David Ayer „Heart of the Beast“ inszeniert. Das Drehbuch stammt von Cameron Alexander, und war 2017 auf der ‚Black List‘ der beliebtesten, nicht produzierten Scripts. Es handelt von Special-Forces-Veteran James Belmont, und dem ihm seinerzeit zugewiesenen Militärhund Odin. Beide leiden unter post-traumatischen Stress, und möchten in der Wildnis von Alaska Ruhe und vor allem Abstand von ihren Kriegseinsätzen finden. Die rauhe Natur und James‘ gesundheitlichen Probleme machen aus der Erholung einen gnadenlosen Kampf ums Überleben. Am Ende kann nur die innige Bindung von Hund und Mensch den Felsschluchten, Wildwassern, Wölfen und Sümpfen trotzen.
Es ist eine simple Story. Asketisch aber funktional konzentriert sich das Geschehen auf James und Odin. Mit dem plötzlichen Besuch eines in der Wildnis lebenden Mannes wird ein schnell verpuffender Spannungsmoment erzeugt, der zu geruhsamen sinnieren am Lagerfeuer führt. Da J.K. Simmons prinzipiell eine Wohltat für die Leinwand ist – unabhängig von der Qualität des Films – ist er auch hier als Mann aus der Wildnis eine lockere Abwechslung. In erster Linie gibt es aber James die Möglichkeit ein klein wenig über seine Vergangenheit zu plaudern. Die Sequenz ist zweckdienlich für die Zuschauenden, dennoch grundsätzlich sehr schön anzuschauen.
Von der ersten Minute an zeigt der Film, dass er kein Risiko eingehen möchte. Die eigentliche Geschichte ist eine Rückblende, somit nimmt der Regisseur in Bezug auf den Ausgang gleich einen der wichtigsten Spannungsmomente – wenigstens zu einem gewissen Grad. Es entsteht das Gefühl, als wolle David Ayer manchmal mehr Wohlfühlkino inszenieren, anstatt eines knallharten Survival-Thrillers – eben kein Risiko. Er nimmt sich sehr viel Zeit, sehr ruhig zu erzählen. Wie James und Odin in der Wildnis ankommen, wie sie nächtigen, wie sie zusammen jagen, wie sie interagieren. Und eben der entspannte Besuch des namenlosen J.K. Simmons.
„Heart of the Beast“ kommt erst nach 30 Minuten – von den ohnehin nur 101 Minuten Laufzeit – richtig in die Gänge. Vielmehr kommt er hier erst zu seinem eigentlichen Anliegen eines Survival-Thrillers, denn so richtig in die Gänge will er nicht kommen. Zumindest nicht in dem Sinne, dass er den Ansprüchen dieses Sub-Genres genüge tun würde. David Ayer will seinen Film aufregend inszenieren, verliert sich dabei allerdings unablässig in Versatzstücken. Die Baumstämme als Brücke, der reißende Gebirgsfluss, oder das Rudel Wölfe. Alles was Rang-und-Namen im Survival-Genre hat, nur das es eben nicht spannend oder wenigstens einfallsreich umgesetzt ist.
Zudem hat der Film das Problem, dass spezielle Kulissen – wie die Baumstammbrücke – sofort als Studioaufnahme zu erkennen sind, und sich Bär und Wolfsrudel selbst als eher schlecht visualisierte Computerfiguren entlarven. Das sorgt immer wieder für einen Bruch in der ohnehin schon behäbigen Atmosphäre. Obendrein hat Jared Michael Fry auch noch einen Score komponiert der vielmehr beschauliches Wald und Wiesen-Idyll vermittelt, und das auch noch mit in die Actionmomente hinein übernimmt. Eine angemessene Stimmung will sich da nur schwer einstellen.
„Heart of the Beast“ macht den Eindruck, als wollte David Ayer einen ganz anderen Film erzählen, ohne diesen zu finden. Es fehlt ihm ein gängiger Rhythmus, und eine glaubwürdige Atmosphäre, die das Publikum einbindet. Und dieses Mitnehmen des Publikums schaffen auch Brad Pitt und Uber nicht in der beabsichtigten Weise. Jeder für sich ist großartig. Im Ernst, in welchem Film, unabhängig von dessen Qualität, hat Brad Pitt nicht mit seiner übermächtigen Präsenz gestrahlt? Und ein stattlicher Schäferhund wie Uber? Da ist anziehende Faszination schon selbstverständlich.
Es ist nicht abzustreiten, dass die direkte und funktionale Erzählung einen unwiderstehlichen Reiz hat, weil sie gar nicht erst versucht mehr zu sein. Die Fokussierung liegt schlichtweg auf der Beziehung zwischen Mensch und Hund. Und David Ayer will dabei eben auch kein Risiko eingehen. Nur, dass sich dieses tiefe Verständnis zwischen James und Odin nicht auf die Leinwand überträgt, welches sie nach ihrer gemeinsamen Vergangenheit haben sollten. Ayer gelingt es nicht diese ganz besondere Beziehung in der Form zu inszenieren, um filmisch zu verdeutlichen, wie dieses eigentlich nicht sichtbare gegenseitige Verständnis funktioniert.
Dennoch bleiben die beiden Hauptdarsteller der primäre Grund, warum „Heart of the Beast“ als einnehmende Parabel über Loyalität und Zuneigung nicht langweilt. Zwei stattliche Veteranen, und eine spannende Geschichte – die wesentlich spannender sein könnte, hätte David Ayer mehr Inspiration gesucht und Mut zum Risiko gezeigt. Am Ende bleibt das große Fragezeichen, und mit ihm die „Warum?“. Denn am Ende treffen die Macher eine Entscheidung, welche sie vielleicht für innovativ und anspruchsvoll halten, die aber nach all den gezeigten Strapazen ziemlich frustriert.
Darsteller: Brad Pitt, Uber, J.K. Simmons und Anna Lambe
Regie: David Ayer
Drehbuch: Cameron Alexander
Kamera: Mauro Fiore
Bildschnitt: Dody Dorn
Musik: Jared Michael Fry
Produktionsdesign: Greg Berry
USA / 2026
101 Minuten

