THE DEVIL WEARS PRADA 2
– World-Release 30.04.2026
21 Oscar Nominierungen – davon dreifache Preisträgerin – aber kein Figurenname ist so geläufig und verbunden mit Meryl Streep wie Miranda Priestly. Eine schematische Komödie über die aufstrebende Journalistin Anne Hathaway, die ihren ersten Job in der für sie unbekannten Sphäre des exklusivsten Modemagazins der Welt meistern muss – unter der zynisch despotischen Führung von Chefredakteurin Meryl Streep. Der Erfolg dieser Komödie lag in der Verlässlichkeit auf Struktur und Dramaturgie, sowie Witz und Entwicklung der Figuren. „Der Teufel trägt Prada“ wurde Publikumsliebling nach Blaupause. Allerdings rechtfertigte sich der Film durch ein Vierergespann an wunderbaren Darstellern – allen voran Meryl Streep. Ein Film, der erst in Produktion ging, als diese für die Rolle der Miranda Priestly zusagte. Im Übrigen Streeps vierzehnte Oscar Nominierung.
Noch im Anschluss des Erfolgs von 2006, wäre eine Fortsetzung als ungerechtfertigte Geldschneiderei durchgefallen. Hingegen werfen zwanzig vergangene Jahre ein anderes Bild auf Mode, Modepublikationen und natürlich den damit verbundenen Figuren – diese liebgewonnen kauzigen Figuren. Veränderungen gibt es, entwickelt haben sie sich nicht. Der zweite Teil von „Teufel trägt Prada“ ist der gleiche Film mit veränderten Eckpunkten. Das Magazin ‚Runway‘ ist das filmische Äquivalent zur realen ‚Vogue‘, wegweisender Hochglanz-Glamour in der Modewelt, unter der unbarmherzigen Führung von Miranda Priestly. Allerdings kommt das Heft in Bedrängnis, als Priestly unwissentlich eine Marke hochleben lässt, die in Ausbeuterfabriken herstellen lässt.
Der Besitzer des Unternehmens, dem ‚Runway‘ angehört, engagiert keine Geringere als die gerade anderswo gefeuerte Journalistin Andy Sachs (Anne Hathaway). Mit Sonderbeiträgen und Portraits soll sie die Seriosität des Magazins wieder herstellen. Sehr zum Missfallen von Priestley – die mit vorhersehbaren Gemeinheiten Andy die Arbeit schwer macht. Selbstverständlich ist auch wieder Nigel (Tucci) dabei, Mirandas rechte Hand. Und die ehemalige Kollegin Emily [sic] (Blunt), die jetzt bei Dior arbeitet. Zeitgeistiges Handlungselement ist die Schnelllebigkeit durch modernen Medien und Social Media. Was der Film erstaunlich ansprechend behandelt.
Zu Anfang werden Andy und ihre gesamte Kollegenschaft durch eine Textnachricht entlassen, und ‚Runway‘ muss sich mit Filmschnipseln und billigen Kurzbeiträgen bei Social Media modern halten. Veränderungen mit denen sich auch eine Miranda Priestly schwer tut, weil sie kaum Einfluss auf das rasante Medium hat. Aber das Drehbuch von Aline Brosh McKenna (dieses Mal alleinige Autorin) hält sich nicht lange damit auf, und Regisseur (erneut) David Frankel scheint auch damit ganz zufrieden. In der zweiten Hälfte geht es nach Mailand zu der Milan Fashion Week, zu Zwischenschnitten vieler populärer Menschen, und einem Kurzauftritt von Lady Gaga.
Hinzu kommt ein dubioser Plot um den möglichen Verkauf von ‚Runway‘ und einer damit verbundenen Demontage der Modeikone Miranda Priestly. Und ähnlich wie bei ‚Succession‘, konspirieren alle gegeneinander für dieselbe Sache, hier aber turbulent humorvoll umgesetzt. Würden die Protagonisten – wie im wirklichen Leben – miteinander reden, wäre der Film dreißig Minuten kürzer. Aber letztendlich geht es ja um Miranda und Andy. Wie die eine niemanden gleichberechtigt neben sich akzeptiert, und die andere ihre eigene Integrität sucht. Der Regisseur folgt dabei der Struktur des Originals, auch mit den gleichen Versatzstücken als Wiedererkennungseffekt. Nigel gibt Andy die gleiche Motivationsrede, den Hintern zusammenzukneifen. Miranda demütigt Andy mit der gleichen Überheblichkeit. Und Tracie Thoms wiederholt als Andys beste Freundin Lily sogar die Handtaschenszene des ersten Films. Et cetera.
Und das ist nicht verkehrt. Filme wie dieser sind dafür gemacht das Publikum auf ihre unkomplizierte Art mitzunehmen, kurz loszulassen und sanft wieder aufzufangen. „Der Teufel trägt Prada“ war dabei einer der weit besseren dieser Filme. Seine Fortsetzung ist nicht ganz auf diesem Niveau, das bringt aber eine Fortsetzung schon durch ihr maßgebliches Anliegen der Wiederholung mit sich. Aber David Frankel hat es geschafft, erstklassiges Wohlfühlkino zu inszenieren. Manchmal brüllend komisch, oft durch Nostalgie injizierter Humor, auch mal weit übers Ziel hinaus. Aber zu keinem Zeitpunkt enttäuscht er in seiner Absicht. Er wird den Ansprüchen gerecht.
Florian Ballhaus ist mit seiner Kamera mehr Beobachter anstatt Erzähler. In der Visualisierung könnte Ballhaus durchaus etwas aufregender, pulsierender, insgesamt glamouröser sein. Die exklusiven und luxuriösen Locations würden etwas aufdringlichere Zurschaustellung vertragen. Doch was der Kameramann sehr gut beherrscht, ist genau die Perspektive zu finden um die Stimmung der Figuren zu unterstreichen. Zu sagen, wie atemberaubend die Streep wieder ist, wie sympathisch unbeholfen Hathaway bezaubert, wie mitreißend souverän und integer Tucci agiert, wie wundervoll hinterhältig Blunt wieder sein kann, erscheint irgendwie überflüssig. Es ist exakt dieses Ensemble, ohne das dieser Film – wie auch der erste Teil – nicht möglich wäre.
All seine Vorzüge machen „Der Teufel trägt Prada 2“ nicht weniger formelhaft, nicht weniger vorhersehbar. Das nennt man Crowd Pleaser, Publikumslieblinge die mit den geringsten Verlusten die breiteste Publikumsschicht erreichen. Der Film ist sich dessen auch merklich bewusst, was ihn noch sympathischer macht. Das zeigt auch die Masse an bekannten Köpfen aus Mode und Unterhaltung, die in den Party-Montagen zu sehen sind. Wer gönnt sich nicht diese wunderbare Publicity, ohne sich in einen Kontext stellen lassen zu müssen. In einem Film der niemanden weh tut, aber maximale Reichweite genießt. Mit seiner Auseinandersetzung über Online und Social Media hat der Film sogar was zu sagen. Doch sehen wollen wir Meryl Streep – der wieder einmal die Rolle der Miranda Priestly passt, wie Maßgeschneidertes von Prada.
Darsteller: Meryl Streep, Anne Hathaway, Stanley Tucci, Emily Blunt, Justin Theroux, Simone Ashley, Kenneth Branagh, B.J. Novak, Lucy Liu u.a.
Regie: David Frankel
Drehbuch: Aline Brosh McKenna
Kamera: Florian Ballhaus
Bildschnitt: Andrew Marcus
Musik: Theodore Shapiro
Songs: Lady Gaga
Produktionsdesign: Jess Gonchor
USA / 2026
119 Minuten

