MORTAL KOMBAT II

Mortal Kombat 2 a - (c) WARNER BROS– World-Release 07.05.2026

Für ein Spielfilmdebüt hat Regisseur Simon McQuoid seinerzeit eigentlich alles richtig gemacht – fast alles richtig. Die in ihren Belangen meist zu Recht gnadenlose Gamer-Szene, rieb sich an dem Punkt, dass „Mortal Kombat“ lediglich Vorgeplänkel zum eigentlichen ‚Kombat‘ war. Jenes exzessiv brutale Turnier, welches das Computer-Spiel so beliebt und – ebenfalls berechtigt – auch fragwürdig macht. Beinahe untergangen während der Pandemie und daher im Streaming vergeudet, konnte sich McQuoids Regiedebüt dennoch den Umständen entsprechend erfolgreich behaupten. Der Regisseur bleibt in Amt und Würden, begeht aber in der fast schon nicht mehr erwarteten Fortsetzung den nächsten Kardinalfehler: „Mortal Kombat II“ hat seine blutigen Momente, aber bei Weitem nicht so derb wie im ersten Teil, und schon gar nicht in dem Ausmaß, wie es Fans einfordern. Damit müssen diese vorerst aber alleine klar kommen, in diesem Film der so unfassbar sinnbefreit ist. Und der so unfassbar viel Spaß macht.

Ein kurzer gewalttätiger Prolog zeigt, wie der Gigant und Kaiser der Außenwelt, Shao Khan, den Herrscher von Edenia im Wettstreit tötet, und anschließend dessen Tochter Kitana als seine eigene annimmt. Es ist einer von unzähligen Handlungspunkten, mit denen „Mortal Kombat II“ vollgestopft und überfrachtet ist. Und keiner davon ist auf originelle oder befriedigende Weise zu Ende gedacht. Doch darauf kommt es auch nicht an. Wir wissen jedenfalls, dass Kitana den Tod ihres Vaters durch Shao Khan nicht vergessen, und dies in baldiger Zukunft essenziell sein wird…

…nämlich, wenn es endlich zum lang ersehnten und entscheidenden Turnier zwischen Außenwelt und Erdenreich kommt. Dem Sieger fällt das unterlegene Reich zu. Die Recken von Teil eins stehen zu Kampf bereit – Sonya Blade, Liu Kang, Jax Briggs und Cole Young. Fehlt allerdings noch ein Kämpfer, den das Erdenreich im ausgebrannten und vergessenen Action-Filmstar Johnny Cage findet. Warum einen Typen, der im richtigen Leben noch nie einen realen Kampf absolviert hat? Weil Johnny Cage einfach die beliebteste Figur in dieser Videospielreihe ist… und weil der Film dringend befreiende Komik benötigt… und weil Johnny Cage von Karl Urban gespielt wird.

Mortal Kombat 2 b - (c) WARNER BROS

Es geht Schlag auf Schlag [sic!] von einem spektakulären Kampf zum nächsten. Visuell sind diese Kämpfe beeindruckend gestaltet. Die Kameraführung hat sich zum ersten Teil wirklich verbessert. Die Choreografie lässt nichts zu wünschen übrig. Doch das beste Element ist die Individualität aller Kämpfe, die sich in Form und Gestaltung unverkennbar voneinander unterscheiden. Faust gegen Faust, Speer gegen Schwert, Eisblitze gegen Cyborg-Arme, den Mix von Geschlechtern in den jeweiligen Paarungen nicht zu vergessen. Einige der Kämpfe sind parallel montiert, Zeit zum durchatmen bleibt da nur selten. Was auch die starken inhaltlichen Defizite verdrängt. Das kommt aber dem ungebremsten Unterhaltungsfaktor fast schon entgegen.

Wenngleich zum Vorgänger zurückgenommen, sind die Splatter-Momente noch immer herrlich blutig und wunderbar überzogen – der Hardcore-Fan wird widersprechen. Der Hardcore-Fan wird nicht widersprechen, wenn es in dieser Ausgabe um die Beliebigkeit des Sterbens geht. Da werden längst tote Kämpfer reanimiert, oder tut sich auf einmal eine Zwischenwelt auf, in der die Untoten das Turnier mit einem ominösen Amulett beeinflussen. Der Tod ist bei „Mortal Kombat II“ wie eine explodierende Bombe in Wile E. Coyotes Händen. Irgendwie relativ – es bleibt alles möglich.

Am wichtigsten ist zum einen die visuelle Umsetzung, die zwischen abstrakt und epochal, künstlich und künstlerisch auch angemessen und tadellos wirkt. Zum anderen ist es Karl Urbans Film, der neben der spektakulären Visualität den Film mit seinem grandiosen Charme des zuerst uneinsichtigen Verlierers bestimmt. Die Inszenierung von Simon McQuoid gibt sich merklich Mühe jede Figur – und damit den idealen Darstellern Ludi Lin, Jessica McNamee, Mehcad Brooks und Lewis Tan – ausgewogen in Zeit und Kampf glänzen zu lassen. Doch es ist die Entwicklung von Karl Urbans ausgebranntem Star zum brillanten Martial-Arts-Kämpfer, die den roten Faden hält.

Weil ein aufgeblasenes Spektakel dieser Größenordnung durchaus einen zweiten komischen Ausgleich verträgt, geht Josh Lawson als Kano für die Außenwelt in Turnier, der einen wundervoll satirischen Gegenpart zu Johnny Cage bildet. Wirklich wichtig dürfte allerdings Adeline Rudolph in zukünftigen Filmen werden. In Kampf und Ausstrahlung die perfekte, sich gegen ihren Ziehvater Shao Khan stellende, Prinzessin Kitana, die mit Urban eine Chemie entwickelt, die einen ohnehin angedachten dritten Teil fast schon zwingend macht. Vielleicht schafft Simon McQuoid dann noch das letzte Quäntchen, dass einen wahrhaft jeden Fan befriedigenden „Mortal Kombat“ schafft. Unglaublich sinnbefreit, und unglaublich unterhaltsam.

Mortal Kombat 2 c - (c) WARNER BROS


Darsteller: Karl Urban, Adeline Rudolph, Jessica McNamee, Josh Lawson, Ludi Lin, Mehcad Brooks, Tati Gabrielle u.a.

Regie: Simon McOuoid
Drehbuch: Jeremy Slater
nach dem Video Game von Ed Boon & John Tobias
Kamera: Stephen F. Windon
Bildschnitt: Stuart Levy
Musik: Benjamin Wallfisch
Produktionsdesign: Yohei Taneda
USA / 2026
116 Minuten

Bildrechte: WARNER BROS
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