THE INVITE

Invite - (c) TOBIS FILM– Bundesstart 30.07.2026
– First-Release 26.06.2026 (USA)

Preview, 29.07.26, Cineplex Fürth
Der spanische Film „Sentimental“, den Cesc Gay 2020 nach seinem eigenen Bühnenstück inszenierte, darf durchaus als Erfolg gesehen werden – was sich auf den europäischen Markt bezieht. Eine Komödie, die dafür gedreht wurde, für einen internationalen Markt neu verfilmt zu werden. Aus der spanischen Vorlage ist ein zutiefst amerikanischer Film geworden. Dieser hat allerdings so viel europäisches Arthouse-Flair, das er sich positiv von den meisten Komödien abhebt, die sonst auf den Markt geworfen werden. Und mit der Spanierin Penélope Cruz in einer der vier Hauptrollen, wird das europäische Flair noch einmal kräftig unterstrichen. Aber am Anfang stehen erst einmal Joe und Angela, beide mittleren Alters. Er ist deprimierter Musiklehrer, sie ist zu Hause und richtet die Wohnung ein. Aus der Langeweile des Alltags heraus, hat Angela für den Abend die geräuschvollen Nachbarn vom Stock über ihnen eingeladen.

Diese Nachbarn sind Piña und Hawk, die die lange überfällige Einladung annehmen. Angela findet das Paar einfach nur interessant, Joe will sich über ihren lautstarken Sex beschweren. Piña und Hawk sind genau so interessant wie es sich Angela vorgestellt hat, und Joe wird nach einigen Startschwierigkeiten auch seine Beschwerde los. Doch das ist erst der Anfang von einem brüllend komischen Abend, über den man im Vorfeld eigentlich so wenig wie möglich wissen sollte. Eigentlich – aber diese Rezension will auch geschrieben werden. Deswegen geringe Spoiler voraus.

Apropos Spoiler: Tatsächlich kommt es nicht darauf an was passiert, sondern was die Schauspieler daraus machen, wie sie es machen – und warum. Zwei Pärchen treffen aufeinander die unterschiedlicher nicht sein könnten. Zwei Pärchen, die aber auch merken, dass es innerhalb der eigenen Partnerschaft Nachholbedarf gibt. Es ist ein Feuerwerk an geschliffenen und trotzdem natürlichen Dialogen. Und es ist ein Paradebeispiel für ein perfektes Ensemble. Rashida Jones und Will McCormack haben die Drehbuchadaption übernommen – ein Autorenduo, das schon mit „Celeste & Jesse Forever“ im Comedy-Drama sehr positiv aufgefallen ist.

Die Wortgefechte erinnern ohne Übertreibung an die besten Screwball-Komödien – wohlgemerkt, diese reichen fast 100 Jahre in der Filmgeschichte zurück. Es gibt kaum Leerlauf im Reden. Gegeneinander, miteinander, gerne überlappende Sätze. Aber Regisseurin Olivia Wilde weiß genau die richtigen Momente für Pausen zu finden. Das Publikum soll nicht überfordert werden, sondern den teilweise sehr tiefgründigen Aussagen und Unterhaltungen auch wirklich folgen können. Dennoch legt Wilde ein aberwitziges Tempo vor, das eine unglaubliche Schlagzahl an Pointen generiert. Wichtig ist aber, dass der Film dennoch viel zu sagen hat.

Die größte Stärke sind schlichtweg die Darsteller, die ihre Figuren mit Glaubwürdigkeit und individueller Persönlichkeit vor die Kamera bringen. Joe, ein Zyniker mit verlorenen Träumen. Angela, die aufgeschlossen nur das Gute sieht. Piña, als analytische Pragmatikerin. Hawk, eine verständnisvolle Seele, der niemanden Böse sein kann – egal was gesagt wird. Und es wird eine Menge gesagt. Damit schlägt die Geschichte auch ununterbrochen aberwitzige Haken. Im einen Moment streiten Joe und Hawk, und im nächste wettern sie gemeinsam gegen Angela. Schneller als die Dialoge, wechseln die Konstellationen der Allianzen innerhalb der Gruppe.

Invite 2 - (c) TOBIS FILM

So brüllend komisch manche Dialoge auch sein mögen – und derer gibt es unentwegt – sie sagen viel über die Figuren. Direkt unter jedem witzigen Schlagabtausch geht es um Ängste, Hoffnungen, Erwartungen, oder auch Enttäuschungen. Seth Rogen, Penélope Cruz, Edward Norton, und Olivia Wilde. Sie spielen alle auf gleichem Niveau vollendet ausdrucksstark, und selbst im Rahmen eines leichten Überzeichnens für die Komödie, sind sie authentisch. Da bleibt keiner zurück, und niemand wird vorangestellt. In anderen Filmen wird Olivia Wilde gerne hinter den Hauptfiguren versteckt. Hier ist es anders herum, und Wilde tritt gerade durch ihre starken Mitspieler gleichberechtig in die erste Reihe. Dasselbe schafft Regisseurin Wilde, mit Seth Rogen, der trotz – oder gerade – mit seinen bekannten Routinen zu einer sehr greifbaren Figur wird.

Etwas mehr, als gleichberechtigte Partner, sind Kamera und Montage. Ständige, perfekt abgestimmte Wechsel der Gefühlslagen zwischen den Protagonisten, geben dem Film einen unvergleichlich treibenden Rhythmus. Anthony Boys und Yorgos Mavropsadiris bestimmen im Schnitt für jede Szene das angemessene Tempo – und das zur Perfektion. Und zeitgleich unterstreicht Adam Newport-Berras Kamera in der sorgsam durchdachten Bildsprache nicht nur die Emotionen der Figuren, sondern auch die jeweilige Atmosphäre im Raum. Wobei die Einstellungen je nach Stimmung mal mehr, mal weniger aus der eigentlichen Bildmitte genommen sind, was eine leicht irritierende Wirkung hat – und warum das so ist, erklärt ein ganz spezieller Moment im Film.

Olivia Wilde ist mit ihrer dritten Regiearbeit ein kleines Gesamtkunstwerk gelungen – mit einem starken Kreativteam und exzellenten Darstellern – das sich erfrischenderweise an ein Publikum außerhalb der stets angestrebten Demografie richtet. „The Invite“ ist trotz seines überschwänglichen Humors eine sehr kluge Betrachtung von Beziehungen und partnerschaftlicher Dynamik. Mitunter gibt es Augenblicke, in denen ein Lacher in bittere Erkenntnis umschlägt. Erkenntnisse die einem Publikum unter 25 eher fremd sein dürften. „The Invite“ ist das Remake einer spanischen Komödie, das sich dadurch rechtfertigt, diesem fabelhaften Stoff eine wesentlich größere Reichweite zu geben. Jetzt ist es Olivia Wildes Stoff – absolut verdient.

Invite 1 - (c) TOBIS FILM


Darsteller: Seth Rogen, Olivia Wilde, Penélope Cruz, Edward Norton u.a.

Regie: Olivia Wilde
Drehbuch: Rashida Jones, Will McCormack
Kamera: Adam Newport-Berra
Bildschnitt: Anthony Boys, Yorgos Mavropsadiris
Musik: Devonté Hynes
Produktionsdesign: Jade Healy
USA / 2026
107 Minuten

Bildrechte: TOBIS FILM
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