– Bundesstart 10.09.2026
– Release 15.05.2026 (US)
Wie bei jedem guten Heist-Movie teilen sich auch hier die Protagonisten in ihren Fähigkeiten auf: Kyle, der Anführer und Mastermind. Petey, das Gehirn mit dem Fachwissen. Alex, die Kreative in der Kunst der Täuschung. Und Sid, der Hacker und Störer von Systemen. Jeder von ihnen sitzt an einem anderen Ort, sogar in einem anderen Land, aber was sie verbindet, ist die Sucht nach dem WWW. Ihr nächtliches Vergnügen, ist sich in Zentralen von Internet-Betrügern einzuhacken, und die Verbrecher auffliegen zu lassen. Am besten auch gleich mit Polizeieinsatz. Und weil das Abstrafen von unbehelligten Bösewichtern so viel Spaß macht, wollen sie das Bitcoin-Konto des hemmungslosen Tech-Millionärs Don Heard leerräumen. Und dafür haben Regisseur Ronan Corrigan und Hope Elliott Kemp ein sehr cleveres und raffiniert konstruiertes Script verfasst. Beide immerhin Debütanten in ihren jeweiligen Professionen.
Screenlife-Filme sind sicherlich nicht die Erfindung des russischen Filmemachers Timur Bekmambetow („Wächter der Nacht“, „Wächter des Tages“). Doch Bekmambetow ist als Produzent ein Pionier in dem Genre, das solche Titel wie „Unfriended“ oder „Missing“ hervorbrachte. Das sind Filme, bei denen sich die gesamte Handlung ausschließlich über Computerbildschirme, Browserfenster, Instagram-Videos oder Social-Media-Oberflächen erzählt. Fenster werden geöffnet, geschlossen, vergrößert oder minimiert, entweder nacheinander, oder mehrere Tabs auf einmal, alles im ständigen schwindelerregenden Wechsel. Da ist eine gehörige Aufmerksamkeitsspanne gefragt. Und es ist extrem anstrengend, auf der großen Leinwand zu verfolgen.
Und wie es nach einem gelungenen Raubzug so üblich ist, werden die Helden übermütig. Sie rechnen nicht mit Influencerin Lindsey, die Tochter des bereits betrogenen Don Heard. Damit ist beinahe – aber nur beinahe – zu viel verraten. Jeder gute Heist-Film besteht durch seine wirklich nicht vorhersehbaren Wendungen. Und „LifeHack“ gehört zu den Guten dieser Filme. Zumindest was seine einfallsreiche Handlungsstruktur anbelangt. Die Erzählform hingegen, steht der Handlung manchmal im Wege. Sie ist zweifelsfrei der wahre Kern des Films, aber oftmals extrem fordernd.
Mit Georgie Farmer (Kyle), Yasmin Finney (Alex), Roman Hayeck-Green (Sid), und James Scholz (Petey) sind vier Hauptdarsteller gefunden, die einer Bandbreite an Stereotyp von Computer-Nerds gerecht wird. Doch nur James Scholz schafft mit seinem glaubwürdigen Spiel auch vollumfänglich emotional anzusprechen. Hayeck-Green hingegen ist in seiner überzogenen Ecstacy-Laune ein wahrer Nervtöter. Zwischen Kyle und Alex deutet sich eine Romanze an, doch um die Beziehung tiefer auszubauen bleibt keine Zeit. Was der Film an Technik aufwendet, vernachlässigt er bei den Figuren.
…doch dafür ist die Technik grandios – auch wenn sie ein Publikum sehr strapazieren kann, das weniger mit Computern vertraut ist. Im Sinne der heutigen jungen Generation wird hier wie von Sinnen über den Bildschirm gefegt. Öffnen, schließen, scrollen, überlagern, löschen. Wer nicht hundertprozentig dabei ist, versäumt welcher Videoschnipsel tatsächlich relevant ist. Und relevant ist vieles an den unzähligen Tabs, Zahlen, Textnachrichten, Bildern. Das Ganze hat auch noch einen erstaunlichen Wiedererkennungseffekt. Im Gegensatz zu vorherigen ‚Screenlife‘-Filmen, legt das Design hier großen Wert auf bekannte Oberflächen. Auch wenn die Namen der Unternehmen nie zu lesen sind, erkennt man eindeutig die Fenster von YouTube, WhatsApp, Instagram oder Google. Das schafft einen beeindruckenden Realitätsbezug.
Wer genauer aufpasst, findet in dem irren Gewimmel an Bildschirmfenstern und Informationen auch noch perfekt gesetzte Easter Eggs – wie eine Einladung von Jeffrey Epstein, oder Anspielungen auf „Oceans 11“. Und auch wenn „LifeHack“ lange nicht die Qualitäten von „Oceans 11“ erreicht, hat er auf seine ganz eigene Weise die Qualitäten eines herrlich verspielten Gaunerstücks. Die außergewöhnliche Spannung und das atemberaubende Tempo ist dabei auf die exzellente Montage von Sasha Kletsov und dem Regisseur selbst zurückzuführen. Es ist eindeutig ein Film von einer jungen Generation von Filmemachern, für die junge Generation Publikum.
Es gibt eine nicht zu verkennende moralische Aussage, die das aktuelle Weltbild sehr gut widerspiegelt, ohne allerdings belehrend zu werden – wäre auch kein Platz dafür. Wir leben einfach in einer Zeit, in der es viel zu leicht möglich ist, selbst in gut gemeinter Absicht größtmöglichen Schaden anzurichten. Und das eben auch gegen sich selbst – weil uns die Technik glauben macht, dass uns eigentlich nichts geschehen kann. Es ist einfacher diese „Screenlife“-Filme als Experiment zu sehen, was bei „LifeHack“ allerdings außerordentlich zufriedenstellend geglückt ist. Auch für die Alten und die Puristen unter uns – man muss sich einfach nur einmal darauf einlassen.
Darsteller: Georgie Farmer, Yasmin Finney, Roman Hayeck-Green, James Scholz, Jessica Reynolds, Charlie Creed-Miles u.a.
Regie: Ronan Corrigan
Drehbuch: Ronan Corrigan, Hope Elliott Kemp
Kamera: Ciaron Craig
Bildschnitt: Ronan Corrigan, Sasha Kletsov
Musik: I Love You, Two Blinks
Großbritannien, USA /
97 Minuten

