PRACTICAL MAGIC 2: Zauberhafte Schwestern

Practical Magic 2 a - (c) WARNER BROSPRACTICAL MAGIC 2
– Release 10.09.2026 (world)

Es war zu erwarten, dass „Practical Magic 2“ nicht dieser magische Charme seines 28 Jahre alten Vorgängers umgeben würde. Diese zu Recht als Klassiker bezeichnete romantische Komödie mit Fantasy Einschlag – oder Fantasy mit romantischen Zügen. Wer will sich da schon festlegen, genau das macht ja den Charme dieses Films aus. Mit den angesagtesten Darstellerinnen dieser Zeit, war ein finanzieller Erfolg zu erwarten. Überraschend war seine Qualität, die bis heute an nichts eingebüßt hat. Tatsächlich zeitlos.
Es ist ein Fluch – ähnlich wie der Fluch der Owens-Frauen – das ein zweiter Teil immer um seine Reputation und Berechtigung kämpfen muss. Mit Sandra Bullock und Nicole Kidman ist dieser Kampf um ein vielfaches einfacher ausgestanden und gewonnen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Fortsetzung von Regisseurin Susanne Bier ohne Makel wäre.

Sandra Bullocks Sally hat der Zauberei abgeschworen, nachdem auch ihr Mann (seinerzeit Aidan Quinn) aufgrund des Owens-Fluch das Zeitliche gesegnet hat. Vor 300 Jahren hat Hexe Hannah Owen den Fluch über ihre Blutlinie gebracht, dass jeder Mann sterben soll, in den sich eine Owen-Nachfahrin ernsthaft verliebt. Sally hat auch ihre Töchter Antonia und Kylie mit einem Zauber belegt, der ihnen die Erinnerung an ihre magischen Fähigkeiten nimmt. Da steht Nicole Kidmans Gillian natürlich dagegen, die nach wie vor mit Freuden der Zauberei frönt, und der Meinung ist, ihre Nichten sollten mit der Magie vertraut werden. Gegensätze – wie zauberhafte Schwestern eben sind.

Der erste Fehler, ist den Fans und Freunden keine zeitlich Einordnung zu geben, um plausibel zu machen, warum Evan Rachel Wood nicht wieder die Rolle von Tochter Kylie bekommen hat. Anhand von Antonias Stelle als Assistenzärztin und Kylies Aufenthalt im College, kann eine Zeitspanne von zirka 15 Jahren innerhalb der Handlung vermutet werden. Die reale Zeit zwischen beiden Filmen liegt bekanntlich bei 28 Jahren, das muss man sich erst einmal alles selbst erarbeiten. Nach dieser Rechnung, hat die jüngere Zoey King die Rolle der Kylie bekommen. Und im Rahmen der ihr gegebenen Möglichkeiten enttäuscht King nicht. Letztendlich ist sie es, die sich unsterblich in Mitschüler Gideon verliebt, und demnach auch dessen Schicksal besiegelt.

Maisie Williams ist hier als Antonia mehr Stichwortgeberin, auch wenn die Geschichte etwas zu verkrampft versucht, ihr und Kylie ein ähnlich schwesterliches Verhältnis zu geben, wie Sally und Gillian. Der Fokus wird also klar, dass es sich hier mehr um eine Staffelübergabe handeln wird. Nachdem beim verfluchten Gideon das Schicksal zuschlägt, will Kylie mit allen ihr zu Verfügung stehenden Kräften endgültig den Fluch der Owen-Frauen brechen. Und dazu braucht sie eben auch Magie.

Practical Magic 2 d - (c) WARNER BROS

Keine Frage das Zoey King auch in diesem Film emotional ansprechend ihre Frau steht. Doch in erster Linie ist das Publikum wegen Sandra Bullock und Nicole Kidman gekommen, und dafür gibt die Geschichte wirklich nichts Neues her. Ihre Chemie stimmt immer noch. Gegensätzlich in ihren Charakteren, aber einig in ihrer Liebe zueinander. Und Bullock wie Kidman lassen das auch spüren. Beide legen in ihrer Beziehung eine Natürlichkeit vor – Kidman mit etwas mehr Facetten – der man ewig zusehen könnte. Allerdings würde daraus kein Film. Also liegt es an Sally und Gillian, ihre Tochter und Nichte vor den Gefahren falschen Zaubers zu retten.

Den jungfräulichen Tanten Jet und Fanny, erneut von Dianne Wiest und Stockard Channing gespielt, kommt dieses Mal eine weit gewichtigere Rolle zu, auch wenn sie mit wesentlich weniger Leinwandzeit auskommen müssen. Wiest mit Jets unermesslichen Güte und Channing mit Fannys undurchsichtiger Raffinesse sind schlichtweg Leinwandgold, wenn sie sich wieder passgenau in die Handlung fügen. Es sollte eigentlich Bullock und Kidmans Film sein, aber deren Sally und Gillian pendeln ständig irgendwie unausgeglichen zwischen dem Fokus auf Kylie und ihrer Hexen-Mission, und der Notwendigkeit von Jet und Fannys magischer Einflussnahme.

1998 war „Zauberhafte Schwestern“ ein Zaubertrank aus unheimlich vielen Ideen. Diese Ideen und deren sprunghafte Umsetzung machten den Film auch unberechenbar – und damit unglaublich interessant. Innerhalb des Jahrzehnts davor hatten Bullock und Kidman als Leading Ladies die Generation von Wiest und Channing abgelöst – ohne diese zu degradieren. „Zauberhafte Schwestern“ war so gut, weil er nicht wirklich gut war. Aber er war frei von Konventionen und der Ernsthaftigkeit von Star-Kino. Dieser Film und seine Darstellerinnen waren sich einfach selbst genug.

Practical Magic 2 b - (c) WARNER BROS

Der Fluch der Fortsetzung ist die Formel von Wiederholung, aber auch der Steigerung. Die Wiederholung ist die Bindung und das Zusammenspiel der Darstellerinnen und Figuren. Die Steigerung ist das Aufbauschen der Familiengeschichte anhand des Fluchs. Kurz und Gut, die Harmonie in Teil Eins ergab sich sehr Natürlich, in der Fortsetzung wirkt das Zusammenspiel wie ein notwendiges Zugeständnis. Es fehlen eben die tiefer gehenden Schichten. Und dann noch der Hokuspokus mit den Trickeffekten. ‚Practical Effects‘ – ähnlich dem Originaltitel – sind handgemachte, physische Trickeffekte oder In-Kamera-Tricks. Trickeffekte waren dereinst ohnehin nebensächlich, dafür waren sie zum größten Teil ‚practical‘. Zeitgeistig ist es jetzt leider genau umgekehrt.

Nicht das dieser Film jetzt in visuellen Effekten ersticken würde, nein, es wird sogar versucht diese nicht in den Vordergrund zu stellen. Doch die Schlagzahl hat sich merklich erhöht. Bis heute sind Zuschauende davon überzeugt, 1998 gesehen zu haben, dass die Hexen fliegen. Was einst eine perfekte Illusion durch Kameraeinstellung und Schnitt war, wird jetzt in Kunst und Glorie und in Gänze gezeigt. Das klingt nebensächlich und nach Erbsenzählerei, aber es ist eben auch eines dieser kleinen Merkmale, die die Fortsetzung vom Original trennen. Und solche kleinen Merkmale gibt es eben reichlich, und angehäuft nimmt es eben auch viel von der Magie mit der die Schwestern vormals so bezaubert haben. Doch diese Zauberformel lässt sich auch sehr gut umkehren: Es gibt auch so viele herausragende Elemente, dass „Practical Magic 2“ gar kein wirklich schlechter Film sein kann. Da sind zum einen die sechs großartigen Darstellerinnen, und die unzähligen Momente von nostalgischer Euphorie.

Practical Magic 2 c - (c) WARNER BROS


Darsteller: Sandra Bullock, Nicole Kidman, Zoey King, Maisie Williams, Dianne Wiest, Stockard Channing, Lee Pace u.a.

Regie: Susanne Bier
Drehbuch: Akiva Goldsman, Georgia Pritchett, Kelly Marcel
nach den Büchern von Alice Hoffman
Kamera: Simon Duggan
Bildschnitt: Sam Williams
Musik: Rupert Gregson-Williams
Produktionsdesign: Tom Burton
USA / 2026
130 Minuten

Bildrechte: WARNER BROS
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