Nürnberg gruselt auf: FANTASY FILMFEST 2011

Nürnberg ist wieder aufgerüstet. Och, was für ein geschichtlich geschmackloses Wortspiel. Wobei Geschmacklosigkeit auch durchaus zum Thema passen kann. Denn richtig konform in Geschmack und Rücksicht ging das FANTASY FILMFEST noch nie. Zur Freude von Fan-Boys, Cineasten und Suchender der besonderen Filmkunst.

Auf der Seite fantasyfilmfest.com, können sich interessierte Grusel- und Splatter-Liebhaber über die Filme und das Programmschema der jeweiligen Festival-Orte informieren. Und eines sei betont: Die Informationen lohnen sich. Aber zurück nach Nürnberg:

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Enlightenment at MIDNIGHT IN PARIS

Owen Wilson als Woody Allen? Dieses nervöse Stottern, das hektische Zappeln. Bei Woody Allen ist das Programm, er ist schließlich der Stadtneurotiker. Da ist Owen Wilson eine ganz andere Preisklasse, egal in welcher Richtung man das sehen mag. Aber keiner kann eine Woody-Allen-Rolle so ausfüllen, wie es der Regisseur selbst vermag. Man erinnere sich mit Grausen an Kenneth Branaghs Versuch in Allens „Celebrity“ diese typischen Macken des schnellen Sprechens und der ständigen Bewegung zu imitieren. Fürchterlich. Und dann kommt Owen Wilson. Schwer vorstellbar.

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Überragend erhebt sich der PLANET DER AFFEN

Es ist leicht, auf einen als Reboot, Remake oder wie auch immer genannten Film einzuschlagen. Die Argumente sind stets austauschbar, und wiederholen sich. Da sind Fürsprecher, puristische Gegner, aber auch gleichgültige Popcorn-Verehrer. Letztere haben es gut, denn sie können vorbehaltslos ihren Kinoabend genießen, ohne sich sinnigen Streitfragen stellen zu müssen. Für einen der Kunst verschriebenen Cineasten, muss jedes Remake, Reboot, Reload, Relaunch natürlich als Sakrileg behandelt werden. Der feuilletonistische Kritiker hingegen, sollte zumindest angebrachte Zweifel aufgreifen und behandeln. Aber welche Formel man auch anwenden mag, einige Besprechungen dürften sich die Fänge ausbeißen. Denn die Erhebung des „Planet der Affen“ entzieht sich vollkommen allen Wiederverwertungsdiskussionen.

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Ein ganz spezielles Format: SUPER 8

Nach diesem Güterzug-Unfall ist alles möglich. Waggons schieben sich in Waggons, sie explodieren, türmen sich zu Bergen aus Metall, sie fliegen, drehen und winden sich. Es dauert eine unglaublich lange Zeit. Überall Feuer und schwere Teile, die sich in den Boden rammen. Es ist eine visuelle Wucht, die den Zuschauer vergessen lässt, was für einen physikalischen Unsinn er vorgesetzt bekommt. Dies ist der Film, den Steven Spielberg so zum Glück nie umgesetzt hätte. Mit dem als Hommage gedachten „Super 8“ schießt Jeffrey Jacob Abrams so weit am Ziel vorbei, wie die Waggons bei ihm hoch fliegen.

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Grüße an Herz und Verstand: BLUE VALENTINE

18 Monate nach seiner Premiere auf dem Sundance Film Festival schafft es endlich Derek Cianfrances düsteres Ehedrama auch in unsere heimischen Kinos. Und wer sich darauf einlassen möchte, zwei Menschen persönlich so nahe zu kommen, dass es tatsächlich schmerzen kann, der erlebt Gefühlskino, das ehrlicher und intensiver nicht sein kann. Nach seinem ersten Langfilm hatte sich Autorenfilmer Cianfrance erst mal 11 Jahre mit Kurzfilmen und Dokumentationen die Zeit vertrieben, bis er mit diesem Drama im Festival-Zirkus zurückmeldete und die Cineasten in Verzückung mit Gänsehaut versetzte.

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INSIDIOUS ist heimtückisch

Für den Cineasten gibt es nichts Schlimmeres als eine eingefallene Horde von Popcorn essenden und ständig schnatternden Jung-Pärchen. Aber es gibt für den Cineasten auch nichts Schöneres als genau dieses Publikum, wenn es sich bei Filmen wie „Insidious“ die Seele aus dem Leib schreit. Und so etwas passiert bei Horrorfilmen, die ihr Handwerk verstehen. Wenn das männliche Publikum den Film vorgibt, werden die weiblichen Begleiter zum Indikator für manipulative Inszenierungsklischees. Sollte das aufgeschreckte und begruselte Publikum lauter quietschen als der dem Film eingemischte Toneffekt, dann hat ein Film wie „Insidious“ schon gewonnen.

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Traumhaft ausgerichteter BRAUTALARM

Dies ist der letzte Film mit Jilly Clayburgh, in dem sie bis zuletzt bewiesen hat, warum sie in Glitzerstadt etwas Besonderes war.

Eine Braut und ihre fünf Jungfern. Da versteckt sich einiges Potenzial, und Annie Mumolo hat sich mit Kristen Wiig vorgenommen, dieses Potenzial freizulegen. Und damit niemand dazwischenquatscht, haben Wiig und Mumolo gleich dazu die Produzentenrollen übernommen. Als Absicherung fungiert dabei der moderne Kalauerkönig Judd Apatow. Wie man auf TV-Regisseur Paul Feig kam, bleibt anfangs etwas unklar, der allerdings übernimmt noch zur Regie den Ausführenden Produzenten. Somit bleiben alle Entscheidungen schön im inneren Kreis. Chick-Flicks nennt man Filme, die auf ein weibliches Publikum zugeschnitten sind. Schmachtfetzen und Beziehungskomödien, eben nichts, was die harte Männerwelt anspricht. „Brautalarm“ ist so ein Chick-Flick, wird aber so manchen männlichen Kinobegleiter verblüfft vor der Leinwand sitzen lassen.

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Ein wunderbarer Blick auf BARNEYS VERSION

Foto:DPA

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Er ist alt. Er ist sonderlich. Und er ist verbittert. Wenn wir Barney Panofsky kennenlernen, erfahren wir augenblicklich, dass er kein angenehmer Zeitgenosse ist. Er kann nicht ertragen, seine ehemalige Frau an einen anderen verloren zu haben. Barney Panofsky ist Filmproduzent mit eigenem Studio, einer also, dem man alles zutrauen kann. Wenig später erfahren wir, dass ein windiger Inspektor ein Buch über Barney geschrieben hat, in dem er ihn mit einem Mord ohne Leiche in Verbindung bringt. Und die fünf Minuten, die wir Barney nun schon kennen, lassen uns überzeugt davon sein, das Barney Panofsky durchaus das Zeug dazu hätte, nicht nur einen Mord zu begehen, sondern diesen auch zu verschleiern.

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EDITORIAL: Die Magie des Harry Potter

Es ist der achte Film mit dem Zauberlehrling Harry Potter. Lehrjahre sind keine Herrenjahre, heißt es so schön. Und die Lehrjahre sind vorbei. Ja, aus Daniel Radcliffe ist ein Herr geworden, aus Emma Watson nicht, und Rubert Grint kann sich noch nicht entscheiden. Aber soll es das gewesen sein, weil die Schlagzeile von Teil acht das so vollmundig behauptet? In Rezensionen rund um den Globus steht dieser eine Satz als kerniger Mittelpunkt. Man möchte das Ende einer Ära beschwören, den Abgesang zelebrieren, sieht man am Ende sogar Bemühungen um einen Schlussstrich? Man muss dem Ganzen mit der Schlagzeile von Teil eins entgegenhalten: Let the magic begin.

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BAD TEACHER mit verfehltem Lehrplan

Es gibt in ‚Bad Teacher‘ keine so denkwürdige Szene, als jene mit dem ‚Haar-Gel‘ aus ‚There Is Something About Mary‘. Doch auch so bietet Cameron Diaz als äußerst fragwürdige Lehrerin genügend unerwartete Anzüglichkeiten, die in dieser Form von einem abgebrühten Publikum wohlwollend bejubelt werden können. Der Spaßfaktor wird bei ‚Bad Teacher‘ ganz großgeschrieben, und das Dreigespann Kasdan, Stupnitsky und Eisenberg versteht es, ohne Unterlass ein stummes „was zur Hölle…“ auf die überraschten Gesichter des Zuschauers zu zaubern. Aber richtig rund läuft der Film dabei leider trotzdem nicht. Während man sich auf die Zugkraft von Cameron Diaz verlässt, hat man vollkommen die Dramaturgie aus den Augen verloren.

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COMPANY MEN schliesst mit Plus im Erlös

Es ist einer der unscheinbarsten Filme dieses Jahres. Und es ist einer der ehrlichsten Filme dieses Jahres. Denkt man an eine filmische Umsetzung in Bezug auf die vergangene weltweite Finanzkrise, dann scheint unweigerlich nur ein Name damit in Verbindung zu stehen. Es ist Oliver Stone, der mit ‚Money Never Sleeps‘ einen todsicheren ‚Wall Street‘-Nachfolger an der Hand hatte. Doch was als Antwort auf die Finanzkrise gelten wollte, war eher der Börsensturz des sonst gerne so kontroversen Filmemachers. Da kommt nun unerwartet Fernsehveteran John Wells mit seinem Kinodebüt angeschlichen und sichert sich die Aktienmehrheit.

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CEDAR RAPIDS heißt halbherzig willkommen

Brown Valley, Wisconsin. Sein Name ist Tim Lippe, er ist 34 Jahre alt und denkt daran, sich bald mit seiner High-School-Lehrerin zu verloben. Im scheinbar liebenswerten Kleinstadt-Nest Brown Valley arbeitet Lippe bei der Brown Star Versicherung, und er macht die Sache perfekt, besitzt Lippe doch ausschließlich Kleidungsstücke, die in Brauntönen gehalten sind.
Es ist die Geschichte eines Fisches auf dem Trockenen. Und wenn sich das altbekannt oder altbacken anhört, ist das auch so. Vieles ist beabsichtigt, bei anderem bekommt man so seine Zweifel. Was allerdings das 08/15-Standard-Drehbuch von Neueinsteiger Phil Johnston aufwertet, sind in erster Linie die alten Hasen aus dem Schauspielbetrieb, die mit rücksichtsloser Gelassenheit ihrem Spaß freien Lauf lassen.

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Final Draft erhält Zuwachs

Die Reihe Final Draft in der Sektion Kino-Technik hat seinen Namen dem Umstand zu verdanken, dass die behandelnden Themen unumstößliche Geschichte der Entwicklung im Kino darstellen. Die ebenso benannte letzte Version eines Drehbuches, ist die Fassung, die wir im Kino auch zu sehen bekommen. Aber welchen Weg ging die Geschichte bis zu diesem Status Quo? Wo lagen die Ideen, wer arbeitete daran, warum war etwas notwendig geworden? Welche steinigen Weg durchliefen verschiedene Filmformate? Wie entwickelte sich der Tonfilm? Warum kommen wir nicht von Klattsch und Tratsch aus Hollywood los?

Aktuell wurde Final Draft in der Sektion Kino-Technik mit der zweiteiligen Geschichte über das glorreiche Technicolor erweitert. Wer Interesse an Geschichte, Technik und Entwicklung hat, ist hier mit einem Klick in der Kopfzeile mehr als willkommen.

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Der lange Weg ist etwas zu lang

Er hat uns mit Carpe Diem den Tag zu nutzen gelehrt und uns die Realität der Seefahrt während der napoleonischen Kriege gezeigt. Ohne Special Effects ließ er die Welt untergehen und brachte den Kühlschrank an den Amazonas. Er ist ein begnadeter Filmemacher mit dem Hang zu außergewöhnlichen Stoffen. Vielleicht liegt es genau daran, dass man sich bei dem LANGEN WEG eher Blasen läuft, als dass er sich als bequemer Laufschuh zeigt. Es ist eine sehr konventionelle Geschichte, derer sich Peter Weir nach neun Jahren Leinwand-Abstinenz angenommen hat, und die er leider ebenso konventionell erzählt. Etwas weit ab vom Weg des Außergewöhnlichen.

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Kung Fu Panda 2

Eine Preview hat den sehr schönen Aspekt des Exklusiven. Eine Preview hat auch den Nutzen, einen Film schon mit positiven Stimmen ins Gespräch zu bringen, bevor auf die Allgemeinheit darauf losgelassen wird. Es sei denn, Studio und Verleih haben Vertrauen in ihr Produkt. DreamWorks hat sehr viel Vertrauen in seine Produkte. Und so stopft ein Verleiher jeden bereitwilligen Journalisten in einen großen Saal. Und da die Zahl bereitwilliger Journalisten geringer ausfallen dürfte als die vorhandene Platzzahl, füllt man den Rest mit ebenso bereitwilligem Zielpublikum. Also nicht schwer zu raten, welcher Altersdurchschnitt bei KUNG FU PANDA 2 das Stimmungsbarometer bestimmt. Der übergewichtige und keiner Mahlzeit abgeneigte Panda Po ist zurück, und er hat immer noch Hunger. Der Drachen-Krieger und sein knurrender Magen. Ein Dauerbrenner, ein Running Gag, das Zielpublikum johlt und ist begeistert. Der gesetzte Journalist freut sich ob der vielen Freude um ihn herum.

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