Im Zweifel für den Angeklagten: Der Mandant

Mick Haller ist ein Rechtsanwalt, und gerne auch mit zwielichtigen Klientel. Kleine Drogendelikte, große Schlägereien, Motorradbanden, oder antriebslose Kleinkriminelle. Es sollte nicht aufwendig sein, überschaubar, und nichts woran man scheitern könnte. Mick Haller geht seinen Weg bequem, unaufdringlich, und ist zufrieden mit dem Stand der Dinge. Bis er über einen Mittelsmann gedrängt wird, die Verteidigung von Louis Roulet zu übernehmen. Der von Seiten des Elternhauses sehr gut betuchte Lebemann, soll eine Frau vergewaltigt und schwer verletzt haben. Mick Haller sieht eine Chance mit diesem Fall, und den damit einhergehenden finanziellen Einkünften, als Rechtsanwalt einen ganz großen Sprung nach vorne zu machen. Denn Mick Haller glaubt, dass Louis Roulets Fall überschaubar und nicht aufwendig ist. Und er glaubt, dass er nicht scheitern wird.

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Country Strong nicht so stark

Shana Feste hat mit THE GREATEST – ZEIT DER TRAUER ein sehr intensives, leider wenig beachtetes Drama erzählt, an das sie mit COUNTRY STRONG anknüpfen möchte. Wieder als Autor und Regisseurin in Personalunion. Mit Gwyneth Paltrow und einem sehr ansprechenden Garrett Hedlund an der Front, ist das notwendige Aufmerksamkeitspotential geschaffen. Der in Präsenz und Understatement überragender Country-Veteran Tim McGraw tut da sein übriges. In dem Drama aus der Musikszene, tut sich allerdings Leighton Meester als Vierte im Bunde des Beziehungsreigens sehr schwer. Süß und schutzbedürftig auszusehen reicht nicht ganz aus, um gegen ihre charismatischen Mitstreiter anzukommen, oder zumindest gleichzuziehen. Doch nicht Meester ist es, an der die Dramaturgie und die Bindung zum Zuschauer krankt.

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Fluch der Karibik: Fremde Gezeiten

Das schönste am Rummel sind die Fahrgeschäfte, und der schönste Rummel ist in Disneyland. Nur heißen die da nicht Fahrgeschäft, sondern Ride. Aber um Anglizismen zu vermeiden, muss man fast Fahrgeschäft sagen, obwohl es sich bei PIRATES OF THE CARIBBEAN streng genommen um ein Schwimmgeschäft handelt. Das schönste Schwimmgeschäft in Disneyland ist zweifelsfrei das Piraten-Szenario am New Orleans Plaza. Da schwimmt das mit Publikum bemannte Boot durch Grotten, durch die Schusslinie von sich beschießenden Schiff und Festung, vorbei am mit Piraten erfüllten Hafenleben, und durch gebrandschatzte Viertel. Überall sind kleine, feine Details zu sehen. Schätze, oder skelettierte Piraten, oder skelettierte Piraten mit ihren Schätzen. Die Lichtstimmungen sind überwältigend, die Illusion der Nachtstimmung ist überwältigend, und das Gefühl von Größe und Weite ist überwältigend. Diese Atmosphäre zwingt einen regelrecht, daraus einen Film zu machen. Weiterlesen

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RUBBER zeigt Profil

Einen Film gerecht zu besprechen, verlangt journalistische Tiefe und persönliche Distanz. Einen Film wie RUBBER zu besprechen, hebt die persönliche Distanz komplett auf. Quentin Dupieuxs One-Man-Show lässt das Autorenkino weit hinter sich, und überfällt den Zuschauer im Sinne eines sehr frühen John Waters, vielleicht sogar gleich den Ergüssen Warhols. Im Festival-Zirkus war RUBBER einem Freude kreischenden Publikum ausgesetzt. Ein Publikum, das es unmöglich macht die persönliche Distanz zu wahren, oder das Objekt in seiner Gänze objektiv zu bewerten. So bleibt es eine rein persönliche Einschätzung, dass es eine Schande ist, das diese absurde Reflektion über das Kino, keine wirkliche Kino-Auswertung erfahren darf, und stattdessen direkt dem DVD-Markt überlassen wird.

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Hanna sollte man kennenlernen

Warum spricht ein in totaler Isolation aufgewachsenes Mädchen, perfektes Englisch, wenn der alleinerziehende Vater nur mit stark deutschem Akzent aufwarten kann? HANNA wirft viele dieser Frage auf, verschwendet allerdings keine Zeit daran, diese zu beantworten. Das ist umso erstaunlicher, da HANNA durchweg das Flair europäischen Kinos versprüht. Gemeint ist damit das europäische Kino, das sich vom amerikanisch diktierten Mainstream, durch Anspruch und Andersartigkeit abhebt.

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EDITORIAL: Wer zum Teufel ist Hugh Dancy

Donnerstagabend, Blick in die Fernsehzeitung. ADAM, eine Tragikomödie um einen Typen mit Asperger-Syndrom der sich in Rose Byrne verliebt. Rose Byrne? Ah, Independent-Kino, also gut, einschalten. Ein witziger Film, ruhig, aber durchgängig unterhaltend. ADAM wird von einem Hugh Dancy dargestellt, unbekannter Typ, Independent-Kino eben. Aber sympathisch. Genau einen Tag später, selbe Uhrzeit, die tausendste Wiederholung von BLACK HAWK DOWN. Pflichttermin. Fichtner, Shepard, Hartnett, Sizemore, Bana, McGregor, Gruffudd, super Ensemble, eigentlich unbezahlbar, naja, ist ja auch Ridley Scott gewesen. Aber wer spielt denn den Schmid? Herrje, der ist doch bekannt. Blick ins Internet verrät, dass er doch nicht bekannt ist, ist nämlich Hugh Dancy.

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SCRE4M ist der letzte Schrei

Was als Hommage begann, wurde zum Sub-Genre des selbstreflektierenden Slasher-Films. Es ist nicht gerade üblich, dass man in den Entwicklungsbüros der Studios das wahre Potenzial von guten Büchern sofort erkennt, aber Kevin Williamsons Hommage versetzte die kaufwütigen Chefs sofort in Verzückung. Der Zuschlag an die Weinstein-Brüder gewährte dem ebenfalls nicht gerade untalentierten Wes Craven wenigstens alle künstlerischen Freiheiten. Er und Williamson stellten das ausgeblutete Genre auf den Kopf. Ihre dreiteilige Reihe war dabei so innovativ, dass sie sich mit einer als Verbeugung vor den Meistern gedachten Arbeit ein eigenes Denkmal setzten. Zehn Jahre hat man ins Land gehen lassen, um einen sauberen Schnitt zu machen und von vorne zu beginnen. Nach zehn Jahren sind Wes Craven und Kevin Williamson in alter Form zurück.

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EDITORIAL: Tatort 800

Nina Kunzendorf, WOW, was für ein Charakter. Keine Ahnung für wen der Begriff Vollweib ersonnen wurde, aber bei der Kunzendorf ist es eben der erste Eindruck. Ihr Ausschnitt beschränkt keine Phantasie, ihr Charisma beflügelt alle Hoffnungen. Als neues Gesicht bei der ARD-Reihe TATORT, erlangt sie im Frankfurter-Gespann mit Joachim Król, eine ganz besondere Aufmerksamkeit der ohnehin aufmerksamen Zuschauerschaft. TATORT ist nicht einfach nur ein weiteres UM HIMMELS WILLEN, oder FORSTHAUS FALKENAU. TATORT ist die TAGESSCHAU unter den unsäglich vielen Serienkrimis.

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Thor

Als unbelesener Zuschauer tut man sich natürlich schwerer als das comic-begeisterte Zielpublikum. Würden Gold in Gold erstrahlende Thronräume nicht reichlich überladen wirken? Kann man denn allen Ernstes einen Bodybuilder mit Flügeln am Helm dem modernen Kino zumuten? Und dann der Hammer. Sollten Helden, oder in diesem Fall sogar ein Gott, nicht etwas Schicklicheres tragen? Wie ernst kann man einen Film nehmen, der einem Namen wie Mjölnir und Heimsdall, Bifröst und Sif zumutet? Es ist tatsächlich schwer vorstellbar, und demnach muss man es einfach gesehen haben.

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Wasser für die Elefanten

Die Frage nach dem Titel stellt sich oft und wird selten hinreichend beantwortet. Romanautorin Sara Gruen lässt in Interviews den Interessierten gerne spekulieren. Im Film findet der Titel ohne die Romanvorlage überhaupt keine Erklärung. Dabei geht es um eine Figur, die behauptet, im Zirkus das Wasser für die Elefanten getragen zu haben. Dies veranlasst eine andere Figur, dieser Behauptung zu widersprechen, weil man niemals genug Wasser für Elefanten heranschaffen könne. In diesem Zusammenhang lässt sich der Titel auf einige der Geschehnisse im Film übertragen. Da wäre zum Beispiel die Liebe von Tierpfleger Jacob zu der Zirkus-Artistin Marlena. Egal, wie viel Liebe er ihr auch entgegenbringt, sie würde sich niemals von ihrem Mann lösen können.

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Sanctum bestimmt kein Heiligtum

Dieser Film basiert auf einer wahren Geschichte. Basieren könnte dieser Film wahrscheinlich auf vielen beliebigen anderen Geschichten auch. In der inspirierenden, wahren Geschichte von Andrew Wight müssen sich fünfzehn Menschen durch ein unerforschtes Höhlensystem einen Weg in die Freiheit tauchen, und alle überleben. Mit John Garvin hat Andrew Wight seine Geschichte in Drehbuchform gebracht, in der sechs Menschen ums Überleben im Höllensystem kämpfen – und sehr viele dabei sterben. Ein sehr inspiriertes Werk.

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Four Lions zum brüllen komisch

Christopher Morris‘ Film ist kein Aufruf gegen ein System, das junge Männer für eine falsche Sache verführt. Es ist auch kein Film, der die Frage stellt, ob man sich über den Islam lustig machen darf. Reichsbedenkenträger fürchteten ja in den jeweiligen Ländern schon um die Kinos, in denen FOUR LIONS gezeigt werden sollte. Und wer glaubt, einen tieferen Einblick auf Islam, Koran, Mudschahedin oder Fundamentalismus gewährt zu bekommen, der wird von Morris enttäuscht werden. Es ist nur ein Film über fünf Menschen, die sich selbst radikalisiert haben. Und er handelt davon, wie man es nicht macht.

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Red Riding Hood

Neil Jordan, wo bist du, wenn man dich braucht? Herrje, entschuldige. Du warst ja längst da, aber man vergisst leicht. In der heutigen Filmwelt meint man zu glauben, dass Vergangenes nicht einfach nur alt ist, sondern sogleich aus dem Gedächtnis von Cinephilen und der Historie getilgt sein muss. Hätten sich die Macher von ‚Twilight‘ nicht denken können, dass sie mit ihrer Adaption eines Märchens nicht nur verträumte Mädchenherzen ansprechen, sondern auch einen nicht unerheblichen Anteil von fantasy-affinen Kinogängern?

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Don Draper – ein wahrer Mad Man

Matthew Weiner mag eine umstrittene Persönlichkeit in der TV-Branche sein. Aber ob egozentrischer Phantast oder visionäres Genie, es gehört einiges dazu, dem kuschelverwöhnten Fernsehamerika eine Figur wie Tony Soprano ins Wohnzimmer zu bringen. Was Weiner mit Tony Soprano machte, holten andere mit einem korrupten Vic Mackey oder dem drogenabhängigen Gregory House nach. Die televisionäre Landschaft hat schon früher immer wieder starke Figuren hervorgebracht, aber kaum derart gespaltene Persönlichkeiten. Man denke nur an Serienmörder Dexter Morgan. Und mit dem übel fluchenden Al Swearangen hat ein Nebencharakter die Hauptfigur vollkommen gegen die Wand geschossen.

Nach Tony Soprano wollte Matthew Weiner mit Don Draper eine neue Kreation an Männlichkeit in den Quotenring werfen. Aber ein Mann wie Don Draper lässt sich nicht erfinden.

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Paul flieht auf bekannten Pfaden

Nach Jahren der erfolgreichen Zusammenarbeit könnte dies Nick Frosts großer Sprung werden. Sonst der lustige, dicke Sidekick von Simon Pegg, steht er hier als gleichberechtigter Drehbuchautor neben seinem vertrauten Filmpartner. Macht das PAUL zu dem, was man von diesem Film erwarten möchte?

Die Zusammenarbeit mit Regisseur Edgar Wright hat Pegg und Frost schwindelerregend schnell aufsteigen lassen. Die in Deutschland kaum bekannte Fernsehserie SPACED und der aus dieser Arbeit resultierende Kinofilm SHAUN OF THE DEAD waren ein schreiend komisches Panoptikum für alle Fanboys und -girls, aber gerissen genug, auch den unvoreingenommenen Zuschauer bestens unterhalten zu können. Serie wie Film strotzten dennoch derart von Insiderwissen und Zitaten, dass selbst dem aufmerksamsten Nerd schwindelig werden musste. Nicht ganz in dieser Liga, aber immer noch extrem überraschend, turbulent und wohl durchdacht konnten die Partner Pegg und Frost unter Wrights Regie in HOT FUZZ erneut das Publikum begeistern.

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