– Bundesstart 23.07.2026
– First-Release 19.06.2026
Preview, Cineplex Fürth, 21.06.2926
Mit „Toy Story 5“ kann die Welt aufatmen: Der Lieferwagen von ‚Pizza Planet‘ fährt noch immer. Viel Veränderung gibt es grundsätzlich nicht, in der Welt des lebenden Spielzeugs. Bleibt also die lästige Frage bestehen: Hat es einen fünften Teil gebraucht? Keineswegs. Allerdings: Haben wir einen fünften Teil gewollt? Unbedingt. „Toy Story“ ist eine Marke die nicht durch ständige Erhöhung lebt. Unumstößlich ist der dritte Teil der beste Abschluss, den eine Trilogie haben kann, und macht ihn damit auch zum Besten der Reihe. Hat es dann überhaupt einen vierten Teil gebraucht? Keineswegs. Doch war er gerechtfertigt? Unbedingt. Die Trilogie ist abgeschlossen, heißt aber nicht, genug davon zu haben. „Toy Story“ ist kein Franchise der unentwegten Steigerung – es ist viel mehr wie nach Hause kommen. Ohne das Vermächtnis seiner Vorgänger zu beflecken. Oder wie Randy Newman vor 31 Jahren voran gestellt hat: ‚You’ve Got a Friend in Me.‘
Cowgirl Jessie hat als Bonnies Lieblingsspielzeug und Sheriff die Leitung im Zimmer übernommen. An ihrer Seite Buzz Lightyear als Deputy, der es nicht wagt ihr endlich seine Liebe zu gestehen. Soweit wäre alles in Ordnung, hätte die achtjährige Bonnie nicht massive Probleme mit anderen Kindern Freundschaft zu schließen. Das bringt die Eltern dazu, Bonnie ein Lilypad zu kaufen – ein Tablet für Kinder. Es ist also ein neues Spielzeug im Kinderzimmer, obwohl ‚Lily‘ darauf beharrt ein elektronisches Gerät zu sein, und kein Spielzeug. Die anderen Figuren sehen das anders, und Cowgirl Jessie erkennt sofort die Gefahr, als Lieblingsspielzeug von Lilypad ‚Lily‘ ersetzt zu werden.
Das erscheint einem sicherlich bekannt. Vor 31 Jahren hatte Cowboy Woody ähnliche Probleme und Querelen mit dem neuen Spielzeug Buzz Lightyear. Im fünften Teil gleichen sich die hauptsächlichen Elemente mit denen des ersten Films. Das ist aber kein Nachteil. Im Reich des Spielzeugs gibt es reichlich an Konstellationen, und sehr originelle dazu. Dieser Film ist Jessies Film, die neben ihrer Konkurrenz zu Lily auch noch mit ihrem Trauma zu kämpfen hat, welches in Teil zwei nur angeschnitten wurde: Jener Verlust, als ihr erstes Kind nicht mehr mit ihr spielen wollte.
Verlustangst. Kein so leichtes Thema für einen Kinder- oder Familienfilm, aber eines der Themen, vor denen Andrew Stanton bei „Toy Story“ noch nie zurückschreckte. Stanton führt in dieser Reihe das erste Mal Regie, hat aber alle fünf Storys entworfen, und an den Büchern mitgeschrieben – hier zusammen mit McKenna Harris. Es ging immer um die eigene Bedeutung im Leben, seinen Platz darin zu finden, und seiner Bestimmung zu folgen, aber auch innerhalb dieser Welt selbstbestimmt zu bleiben. Lektionen, die unaufdringlich in das turbulente Treiben der Spielsachen eingewoben ist. Hier macht der fünfte Teil eine zu verschmerzende Ausnahme: Er ist weit weniger subtil, als seine Vorgänger – gerade was sein Kernthema betrifft.
Habtisches Spielzeug gegen elektronische Geräte. Für uns eine klare Entscheidung, auf der Seite der uns ans Herz gewachsenen Helden zu bleiben. Doch auch kindliche Neueinsteiger, die in unserer Gesellschaft bereits dem Smartphone oder Tablet zugetan sind, erfahren in diesen kurzweiligen 102 Minuten eine starke Sympathie-Tendenz für das Spielzeug. Empfohlen ist vom Rezensenten die Altersgruppen über sechs Jahre, aber nicht darunter. Wenigstens für diese kurze Zeit treten die elektronischen Geräte in den Hintergrund. Doch in Jessies ablehnendem Tunnelblick ruht sich der Film nicht aus, denn er ist lediglich eine raffinierte Trickserei, um letztendlich auf das Wesentliche überzuleiten – eine kluge Botschaft für tatsächlich alle Altersgruppen.
Aber „Toy Story“ ist kein moralisierender Vortrag, sondern bleibt ein energiegeladenes Abenteuer mit mehreren Handlungssträngen, einigen turbulenten Missverständnissen, und aufregenden Irrungen und Wirrungen. Spielzeug-Jessie will für Menschen-Bonnie endlich eine Freundin finden. Eine über Bord gegangene Containerladung voller Buzz Lightyear-Figuren sucht nach Star Command. Und im Glauben, genau das Richtige zu tun, machen alle immerzu das Falsche. Cowboy Woody wird nicht zu jenem Kerl, der dem Cowgirl aus der Patsche helfen muss, verdient sich aber seinen Heldenstatus an anderer Stelle. Buch und Regie haben perfekt darauf geachtet, dass nichts davon willkürlich und forciert erscheint. Die Co-Regisseure geben in ihrem sehr intelligenten Drehbuch jeder neuen Wendung auch eine stimmige Ausgangssituation. Ein spannendes Abenteuer voller Überraschungen – wirklich für Jung und Alt gleichermaßen.
In der visuellen Tricktechnik gibt es kaum Neuerungen. Bereits vor sieben Jahren überzeugte diese Filmreihe mit überraschend photorealistischen Bildern. „Toy Story 5“ zeigt erneut eine grandiose Bildgestaltung, mit starken Details und wundervollen Landschaften. Das Humorlevel hat sich leicht verschoben. Für die Jüngeren ist mehr der optische Witz angedacht. Für die Erwachsenen gibt es öfter verbale Geniestreiche. Es ist nicht zu glauben, wie viel aus einem Spielzeug zum Töpfchen-Training gewonnen werden kann. Allerdings fällt so manche dramatische Aufarbeitung in den Dialogen schlichtweg zu plump aus. Offensichtliches wird oftmals totgequatscht.
Wie bisher bei jedem Film der Reihe, haben Andrew Stanton und McKenna Harris auch hier einen ganz eigenen Ton gefunden. Der menschliche Anteil hat sich erhöht, und es gibt auch mehr emotionale Baustellen, welche die Macher natürlich – dennoch sehr geschickt und befriedigend – lösen. Und es fehlen auch nicht die Pixar und „Toy Story“ üblichen Querverweise und Eastereggs. Diese gibt es reichlich, genial, und manchmal auch nur schwer zu entdecken. Das Wolkenmuster von Andys damaliger Tapete schlägt eine Brücke von damals ins Heute, wenn es einmal auf einer Kreidetafel gemalt zu sehen ist, und später als Wolkenformation am ‚realen‘ Himmel.
Zum Zeitpunkt dieser Rezension war allerdings ‚A 113‘ selbst im Netz noch nicht ausfindig gemacht worden. Ansonsten wäre jede weitere negative Kritik unangebracht. „Toy Story 5“ gibt uns allen, was wir wollen. Und einer neuen Generation, alles was sie braucht. Es ist eben wie nach Hause kommen. Für die jungen Quereinsteiger singt Randy Newman das einladende ‚You’ve Got a Friend in Me‘. Für uns alte Nostalgiker intoniert Taylor Swift das verbindende ‚I Knew It, I Know You‘.
Im Original mit den Stimmen von:
Tom Hanks – Woody
Tim Allen – Buzz Lightyear
Joan Cusack – Jessie
Greta Lee – Lilypad „Lily“
Conan O’Brien – Smarty Pants
Scarlett Spears – Bonnie
u.v.a.
Regie & Drehbuch: McKenna Harris, Andrew Stanton
Kamera: Matt Aspbury, Jean-Claude Kalache
Bildschnitt: Jennifer Neysa Jew
Musik: Randy Newman, Jack Antonoff, Taylor Swift
Produktionsdesign: Bob Pauley
USA / 2026
102 Minuten


