THE NEST – Alles zu haben ist nie genug

– Bundesstart 08.07.2021

Es sieht nach Routine aus. Rory O’Hara bringt seiner Frau Allison Kaffee ans Bett. Die Kinder Sam und Ben werden zu spät zur Schule gebracht. Allison arbeitet in einer Reitschule. Vater Rory kommt nachhause, gefolgt von einem entspannten Abendessen der Familie. Es sieht vertraut aus. Aber es hat nicht die sorgenfreie, gelöste Atmosphäre die man aus vergleichbaren Szenen-Montagen kennt. Ist wirklich alles nur Routine? Bis Rory seiner Frau beim morgendlichen Kaffee am Bett offenbart, dass die Familie von New York nach London umziehen wird. Die Geschäftsmöglichkeiten für Rory sind erschöpft. Der freie Unternehmer könnte aber als selbstständiger Teilhaber in seiner alten Firma ein Vermögen machen. Ein überdimensioniertes Landgut, ein eigener Reitstall, die beste Schule für die Kinder. Doch was als Höhenflug gedacht war, hebt nicht ab, es rast auf das Ende der Rollbahn zu.

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MONSTER HUNTER

Monster Hunter - Copyright CONSTANTIN FILMMonster Hunter
– Bundesstart 08.07.2021

Milla Jovovich und Tony Jaa im körperlichen Zweikampf, könnte man schon als ironisches Spektakel betrachten. Aber Paul William Scott Anderson, nicht Thomas, inszeniert das mit so einer verbissenen Ernsthaftigkeit, dass kein Raum bleibt für humorvolle Ansätze. Und es bleibt kein Raum, diese Szene schön zu reden. Jovovich kann sich lediglich über Schnitt und nahe Einstellungen über die Sequenz retten. Was die Frage aufwirft, wozu eine Kampf-Ikone wie Jaa überhaupt engagieren wird. Zu diesem Zeitpunkt hat Anderson seinen Film längst in den zweiten Akt gebracht, und der erwartungsvolle Zuschauer hat ohnehin längst verstanden, dass es für diese filmische Misere kaum noch Hoffnung geben wird.

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THE LITTLE THINGS

Little Things - Copyright WARNER BROS– Bundesstart 08.07.2021

Diese Besprechung liegt der Streaming-Fassung von HBOmax zugrunde.

Zuerst ist alles ein Testosteron gesteuertes Alpha-Gehabe. Der gerade aufstrebende und sehr ehrgeizige Detective Jim Baxter ermittelt im Fall eines Serienmörders. Er fordert den Älteren und mit extrem hohen Reputationen ausgestatteten Deputy Sheriff ‚Deke‘ Deacon heraus. Es dauert nicht lange, bis sich beide eingestehen müssen, dass der eine hat, was dem jeweils anderen fehlt. Mehr mit Gefühl als mit sicheren Hinweisen, machen sie bald einen Verdächtigen fest. Der hat sich allerdings schon lange im Vorfeld auf die Polizei vorbereitet. Das ist einfach betrachtet, die klassische Handlungsstruktur eines gefälligen Polizeithrillers. Doch jedem der darin verwobenen typischen Elemente, setzt John Lee Hancocks Film einen raffinierten Kontrapunkt entgegen.

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PERCY

Percy 2 - Copyright MFAa.k.a. PERCY vs GOLIATH
– Bundesstart 01.07.2021

Wer schon einmal in der Landwirtschaft tätig war, oder jemanden aus dieser Profession kennt, der weiß wie zäh und abgebrüht ein Farmer sein muss. Meist sind sie eigenwillig und unermüdlich, müssen es auch sein. Möchte jemand einen Menschen wie Percy Schmeiser darstellen, muss dieser ausdrücken können, was man als Außenstehender normalerweise nicht sehen kann. Es ist die innere Festigkeit, eine Stärke die fokussiert ist. Christopher Walken könnte viel artikulieren, er könnte viel gestikulieren, er könnte sehr viel tun, um das aufgewühlte Innenleben seiner Figur zu transportieren. Christopher Walken kann so etwas, ohne Buch, ohne Sparingspartner, ohne Textprobe. Aber dann wäre er nicht Percy Schmeiser. Aber Christopher Walken ist auch genau der Typ, der Percy kann. Eine glaubhafte, ehrliche Figur, die Clark Johnsons Adaption über Schmeisers Kampf gegen Monsanto wirklich ein besonderes Format gibt.

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Bob Odenkirk is NOBODY

Nobody - Copyright UNIVERSAL STUDIOS– Bundesstart 01.07.2021

In seiner Karriere als hervorragender Comedy-Autor wurde Bob Odenkirk lange Zeit besser wahr genommen. Als Akteur hingegen, meist als gern gesehener Sonderling aus der zweiten Reihe, war es ein eher steiniger Weg bis BREAKING BAD. Das seine Mitwirkung in NOBODY im Windschatten von Odenkirks Jimmy McGill a.k.a. Saul Goodman geschah, darüber braucht man nicht mutmaßen, und ist auch irrelevant. Um aus jenem Windschatten der Typisierung heraus zu kommen, haben schon vor ihm viele andere Darstellerinnen und Darsteller als Nachfolgeprojekte unabhängig produzierte Filme gewählt. Was oftmals bei anderen als angedachter Befreiungsschlag misslang, funktioniert bei Bob Odenkirk überraschend gut. Nicht nur wegen seines charismatischen Talents, sondern auch wegen des raffiniert konstruierten Drehbuchs von Derek Kolstad.

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JUDAS AND THE BLACK MESSIAH

Judas ATBM - Copyright WARNER BROS– Bundesstart 01.07.2021

Akua Njeri ist in der schwarzen Bürgerrechtsbewegung noch immer aktiv. Nach dem Tod ihres Verlobten Fred Hampton nahm sie diesen traditionell afrikanischen Namen an. Als Deborah Johnson hatte sie sich in Hampton verliebt und einen gemeinsamen Sohn auf die Welt gebracht. Fred Hampton Jr. nahm das Erbe seines Vaters auf und ist heute Vorsitzender der wichtigsten sozial ausgerichteten Minderheiten-Verbänden in Illinois. Er ist auch Poet, eine Begabung, die wahrscheinlich auf seine Mutter zurück zu führen ist. Diese hat schon in jungen Jahren Vater Fred Hampton als Anführer der Black Panther Party von Illinois ermahnt, er solle sich in seinen Reden wesentlich gewählter ausdrücken. So lernten sie sich kennen, und so schließt sich der Kreis, von der Geschichte einer Film-Adaption bis dahin, wie es das reale Leben beeinflusst. Und so müssen richtig gute Biografien auch gemacht sein. Das man sich hinterher immer noch für mehr interessiert.

Doch eigentlich erzählt der Film die Geschichte von William O’Neal, ein Autodieb und späterer Verräter. Er ist der Judas in der wahren Geschichte. Es ist 1968, und der 21 jährige Fred Hampton gerät ins Kreuzfeuer von FBI und Polizei. Der charismatische Mann rekrutiert sehr erfolgreich neue Mitglieder für die Black Panther. Der 17 jährige William wird angeheuert, Hamptons engsten Kreis zu infiltrieren und zu spionieren. Der Erlass von einer ausstehenden, langjährigen Haftstrafe sind seine dreißig Silberlinge.

Das eigentlich Phänomen an der Geschichte ist das Alter der realen Figuren zu jener Zeit. Während der Dreharbeiten war Kayuula als Hampton bereits 31 und Stanfield als O’Neal 29. Was seiner Zeit gewöhnlich und nachvollziehbar war, wäre heute nur schwer zu vermitteln. Deswegen war es gut, dass sich Filmemacher Shaka King auf den Kern der beiden zusammenlaufenden Handlungsebenen konzentriert, und lieber mit der charismatischen Kraft von bekannten Darstellern die Geschichte unterstützt. Wenn schon aus dramaturgischen Gründen Elemente verändert werden müssen, dann auch mit weisen Entscheidungen. Das filmische Ergebnis gibt diesen Entscheidungen recht.

Das siebziger Jahre Setting vervollständigt sich mit Sean Bobbitts Faible für die eher klassische Photographie, wie er unter anderem auch PLACE BEYOND THE PINES, 12 YEARS A SLAVE oder zuletzt THE COURIER geprägt hat. Da gibt es keine selbstgefälligen Spielereien, sondern die Bilder sind auf den Moment fixiert. Und dabei liegt die Gewichtung auf den handelnden Personen. Es gibt eine imposante Ausnahme in der Regel, wenn der Zuschauer ein riesiges Auditorium mit unzähligen FBI-Agenten zeigt, welche in der Dunkelheit, und somit in der Anonymität verschwinden. Nur J. Edgar Hoovers fratzenartiges Gesicht wird als Synonym für das Übel bildfüllend dazwischen geschnitten.

Judas ATBM 1 - Copyright WARNER BROS

Selbstverständlich liegt das Hauptaugenmerk auf Daniel Kaluuya als Fred Hampton. Und er wird dieser Rolle mehr als gerecht, er lebt sie und transportiert es mit jeder Faser seines Könnens. Um diese Geschichte zu erzählen bedarf es auch dieser durchdringenden Intensität. Fred Hampton war einer der bedeutendsten Anführer in der Black Panther Party, der weit über den Tellerrand sah und über das maßgebliche Ziel hinaus dachte. Sein Gedanke war nicht allein bei der schwarzen Minderheitenbewegung. Er ging auf die Hispano-Anführer zu, holte die Vertreter von sozial Benachteiligten mit ins Boot, und er organisierte Essensausgaben für arme Kinder.

Letztendlich formte Hampton die legendäre und gerne vergessene Regenbogen-Koalition, die alle Minderheiten vereinte. Und das kein Kind in Illinois Hunger haben sollte, war für das FBI schon viel zu weit am Kommunismus. Hier ging für das paranoide Bureau William O’Neal ins Rennen, der soviel Informationen von Hamptons inneren Zirkel liefern sollte, dass man den unangenehmen Schwarzen endlich aus dem Verkehr ziehen konnte. LaKeith Stanfield bleibt hier der verschmitzte Kleinganove, der einzig und allein Angst um seiner selbst hat. Man spürt bei Stanfield, wie er mit fortschreiten der Handlung immer mehr diebische Freude an diesem Spiel gewinnt. Allerdings zeigt er auch sehr beeindruckend, dass er sich seiner Konsequenzen nie wirklich bewusst ist.

Die spannende Dualität der beiden unterschiedlichen Charaktere hat Regisseur Shaka King sehr intensiv inszeniert. Er gibt immer die notwendige Zeit, damit sich der Zuschauer auch richtig in die einzelnen Settings einfühlen kann. Doch King erzählt nicht langwierig, oder zäh, sondern genau im Tempo, um dieser wahren Geschichte auch emotional gerecht zu werden, und genau dadurch die Spannung aufzubauen und zu halten.
Und das führt dann auch wieder dazu, was eine gute Biografie ausmacht. Man beginnt sich darüber hinaus zu interessieren. Dazu gehört dann auch das Schicksal von William O’Neal, welches unbedingt in den Bereich der Verschwörungstheorie einzuordnen ist.

Judas ATBM 2 - Copyright WARNER BROS

 

Darsteller: LaKeith Stanfield, Daniel Kaluuya, Jesse Plemons, Dominique Fishback, Ashton Sanders, Martin Sheen, Algee Smith u.a.
Regie: Shaka King
Drehbuch: Will Berson & Shaka King
Kamera: Sean Bobbitt
Bildschnitt: Kristan Sprague
Musik: Craig Harris, Mark Isham
Produktionsdesign: Sam Lisenco
USA / 2021
126 Minuten

Bildrechte: WARNER BROS.
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„Frankly my Dear, I give a Damn“

Ab 01.07 2021 offiziell im Kino

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Godzilla King Kong 1a - Copyright WARNER BROSNomadland - Copyright DISNEY ENTERPRISES

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GODZILLA vs KONG: Rezension vom 3. April 2021, auf HBOmax

NOMADLAND: Besprochen am 26. Mai 2021. Vorab im Cinecitta Nbg.

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Possessor 1 - Copyright ARCLIGHT FILMSConjuring 3 - Copyright WARNER BROSPOSSESSOR: Beitrag am 21. September beim Fantasy Filmfest.

CONJURING 3: Beitrag beim Fantasy Filmfest am 17. Juni 2021

 

 

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JAKOB’S WIFE

Jakobs Wife - Copyright RLJE FilmsFFN21-XLBlu-ray über Amazon US
unbekannter Bundesstart

Ein bisschen von der intimen Dramatik eines Ingmar Bergman, zusammen mit ein wenig von Woody Allens bitter ironischem Augenzwinkern. Dann darf etwas von der Unberechenbarkeit eines John Landis nicht fehlen. Aber zusammen gibt das eine grandiose Mischung von unerwartetem Horror, den man tatsächlich auch ‚anspruchsvoll‘ nennen darf. Kameramann David Matthews ist sogar von Bergmans langen Naheinstellungen inspiriert, er lässt nur die exzessiven Licht- und Schattenspiele vermissen. Aber dem mit der Red-Kamera gedrehten Film verpasste man einen unverwechselbaren Kino-Look der Achtziger, mit ganz leicht verwaschenen Farben und typischer Körnung. Aber all die notwendigen Zutaten helfen nichts, wenn dies keinen homogenen Zusammenhalt findet. Doch den hat Travis Stevens für seinen erst zweiten Langfilm mit Barbara Crampton und Larry Fessenden gefunden. Und die machen JAKOB’S WIFE zu etwas wirklich Besonderem.

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COME TRUE

Beitrag FANTASY FILMFEST – 17.06. bis 27.06.2021

Come True - Copyright IFC FilmsFFN21-XLnoch kein Bundesstart

Es ist ein kleiner, aber entscheidender Fehler im Experiment. Der Typ, der Sarah in der Bibliothek ein Buch von Philip K. Dick empfohlen hat, entpuppt sich wider Erwarten als Forscher in einem Schlaflabor. Ein Schlaflabor, in dem Sarah an einer Studie teilnimmt. Sarah ist weniger an den Forschungen interessiert, als vielmehr der Möglichkeit, ihr könnte jemand bei ihren Schlafstörungen helfen. Tatsächlich schläft sie in der ersten Nacht das erste mal seit langer Zeit durch. Sarah wirkt wesentlich ausgeglichener. Aber dann läuft ihr dieser Typ Jeremy scheinbar zufällig immer wieder über den Weg. Bis Sarah erschreckt feststellen muss, dass Jeremy ebenfalls im Schlaflabor arbeitet. Ihre surrealen Traumgebilde kehren zurück. Aus welchen Gründen auch immer, glaubt Sarah, dass etwas Größeres hinter allem steckt. Sie fragt sich, was sich wirklich hinter dem Schlaflabor verbirgt.

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STOWAWAY

Stowaway - Copyright WILD BUNCH-Bundesstart 24.06.2021

Für Zoe war es eigentlich nur ein spleeniger Gedanke, in ihrem Lebenslauf eine Absage für die Mars-Mission stehen zu haben. Doch sie wurde angenommen, und erst jetzt erkennt sie, dass es etwas wirklich bedeutendes sein wird. Etwas, das ihrem Leben einen tieferen Sinn geben könnte. Dies ist das Narrativ von Stowaway, dass jeder entgegen seines eigenen Lebensentwurfs vom Leben herausgefordert wird. Und das gelingt den Autoren Joe Penna und Ryan Morrison anfänglich ausgesprochen gut und sehr eindringlich. Das Weltall ist eben kein Ort der für Menschen gemacht ist. Umso intensiver gestalten sich hier menschliche Dramen. Autor Penna hat auch Regie geführt, und inszeniert viel mehr ein Kammerspiel, anstelle einer großen Space-Opera.

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FREAKY

Freaky 3 - Copyright UNIVERSAL PICTURES– Bundesstart 24.06.2021

Da hockt Millie allein und versetzt, auf einer Bank im Kostüm des Biber Maskottchens der Football-Mannschaft von Blissfield. Es wäre das perfekte Stimmungsbild einer dieser typischen romantischen Komödien. Aber es ist das Spannungsbild eines Slashers mit gehörigem Splatter-Faktor. Und enorm witzigen Einfällen. In Filmen wie diesen ist es Standard, dass das jüngere und sportlichere Opfer dem behäbigeren Massenmörder niemals davonlaufen können. Und wenn Millie mit ihren überdimensionierten Plüsch-Füßen des Maskottchens vom ‚Blissfield Butcher‘ eingeholt und gemeuchelt wird, sehen wir endlich eine Erklärung für dieses Phänomen.
Und sollte dies nicht die Absicht von Regisseur Christopher Landon hinter dieser Szene gewesen sein, so ist doch zumindest die Vorstellung einfach zu verführerisch. Denn FREAKY ist von Anfang bis Ende voll mit direkten Zitaten, freien Interpretationen und Huldigungen an das Slasher-Kino.

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THE DRY

Beitrag FANTASY FILMFEST – 17.06. bis 27.06.2021

FFN21-XLDry - Copyright IFC Films– DVD / Blu-ray 10.09.201

Es ist ein ruhiger Film, der sich die Zeit gönnt, und in seinem Tempo auch die Atmosphäre der kleinen Stadt widerspiegelt. Sei es ausgelöst durch die über ein Jahr anhaltende Dürreperiode, oder das unausgesprochene Misstrauen der Bewohner untereinander. Zwanzig Jahre ist es her, dass Ellie ermordet wurde, und der Mörder noch immer nicht gefasst ist. Einer dieser ganz seltenen Film, bei der sich die Figuren über einen einzigen Dialog definieren. Wo es sorgsam ausgearbeitete und präzise formulierte Sätze schaffen, in einer Szene alles zu erklären. Wo exzellente Darsteller mit nuancierter Körpersprache das Gesagte festigen und endgültig machen. Als Beobachter bleiben wir damit auf Augenhöhe der Figuren. Wir werden nicht zum Spielball von falschen Fährten, oder pseudo-raffinierten Wendungen. Der Regisseur macht uns zum Teilnehmer in seinem Ensemble.

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CHAOS WALKING

Chaos Walking - Copyright LIONSGATE– Bundesstart 17.06.2021

„Der Lärm ist der ungefilterte Gedanken des Menschen. Ohne Filter ist der Mensch nur wandelndes Chaos.“
Unter ‚The Noise‘ versteht Autor Patrick Ness die hör- und sichtbaren Gedanken seiner männlichen Protagonisten auf dem Planeten New World. Regisseur Doug Liman zeigt dies dem Betrachter in Form einer wabernd bunten Wolke um den jeweiligen Charakter. Je intensiver der Gedanke, desto lauter hört man ihm Wortlaut, und der Schleier leuchtet stärker, das Objekt des Gedanken wird sichtbar. Keine einfache Sache, wenn plötzlich eine Frau vor einem steht, und das Blut in Wallung kommt. Denn eigentlich gibt es keine Frauen mehr in der Siedlung Prentistown. Bei der Besiedelung gab es Krieg gegen die Ureinwohner, und alle Frauen wurden getötet. Das nun die Neuen auf dem Planeten die Ureinwohner Aliens nennen, ist ein derart offensichtlicher Kommentar, dass er einfach zu aufdringlich kommt. Aber das ist das geringste Problem an CHAOS WALKING.

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A QUIET PLACE PART 2

Beitrag FANTASY FILMFEST – 17.06. bis 27.06.2021

SPECIAL PRESENTATION

FFN21-XLA Quiet II - Copyright PARAMOUNT PICTURES– Bundesstart 24.06.2021

In 2018 war es der Alptraum eines jeden Event-Kinogängers. Die ersten 45 Minuten von A QUIET PLACE machten es unmöglich Popcorn oder gar Nachos zu naschen. Und auch in den letzten Minuten wäre man damit kein Freund von fokussierten Zuschauern geworden. Auch wenn DON’T BREATH das akustische Konzept von Stille bereits 2 Jahre vorher zelebrierte, wurde John Krasinskis dritte Regiearbeit fürs Kino wesentlich bedeutender, weil eindringlicher inszeniert und wohlwollender aufgenommen. Das macht eine unvermeidliche Fortsetzung natürlich nicht einfach. Das war es im allgemeinen noch nie, wird es auch zukünftig nicht sein. Denn eine einfache formale Wiederholung, was den anfänglichen Erfolg ja begründete, wird stets genauso skeptisch aufgenommen, wie das herkömmliche Konzept von Höher-Schneller-Weiter. Nachdem man John Krasinski in einen zweite Teil hinein tricksen konnte, entschied dieser sich für die zweite Variante.

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VIOLATION

Beitrag FANTASY FILMFEST – 17.06. bis 27.06.2021

Violation - Copyright DM FILMSFFN21-XL– noch kein Bundesstart

Früher hatte man es als Vergeltung betitelt, ein Sub-Genre welches thematisch am ehesten im Western angesiedelt war. Der gerechte Held wird schwer verletzt, oder für tot befunden und von seinen Peinigern zurückgelassen. Der Held erholt sich, schmiedet einen Plan, und übt selbstgerechte Rache. Angefeuert durch die immense Exploitation-Welle in den 1970ern, brach der psychologische Unterbau, und eigentliche Gedanken dieser Geschichten sehr schnell ab. Jeder noch so fadenscheinige Grund durfte herhalten, um möglichst originell und explizit Vergeltung an Peinigern zu üben. Beliebtestes Vorbild wird wohl der schwedische Film THRILLER von 1973 gewesen sein. Rape-and-Revenge nannte man das fortan, beliebt wegen der umgedrehten Geschlechterverteilung, und der daraus resultierenden Rechtfertigung, in seinen Ausführungen so grausam zu sein, wie es die Filmbewertungsstelle zulässt. Hauptsächlich Männer nehmen sich inszenatorisch und ausführend dieser Filme an, was wiederrum Ansporn für Madeleine Sims-Fewer gewesen war, sich aus weiblicher Sicht diesem Sub-Genre des Thrillers anzunähern.

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