Alles, was wir geben mussten

Mark Romaneks sehr seltene Ausflüge auf die große Leinwand sind atemberaubende Gegenentwürfe zu seinen sonstigen Arbeiten als Musikvideo-Regisseur. Diese Ausflüge sind zudem sehr überraschende Abwandlungen von bekannten Kino-Mustern. In ONE HOUR PHOTO machte Romanek nicht nur Clown und Sentimentalist Robin Williams zum unberechenbaren Psychopathen, zudem führte er das Publikum mit einer kaltblütigen Gelassenheit  zu einer Erwartungshaltung, um diese mit einer nicht zu erahnenden Wendung aufzubrechen, die zu den besten des Kinos gehört. Erwartungshaltungen wird auch jeder Zuschauer bei NEVER LET ME GO – ALLES, WAS WIR GEBEN MUSSTEN aufbauen, sofern dieser die Romanvorlage von Kazuo Ishiguro noch nicht gelesen hat. Und Mark Romanek tut sein Bestes, mit diesen Erwartungen zu spielen.

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War Pierce Brosnan jemals James Bond?

Erster Blick auf den neuen Brosnan-Bond

Erster Blick auf den neuen Bond

 

Als Pierce Brosnan 1986 seinen Vertrag als James-Bond-Darsteller beim Produzenten Albert „Cubby“ Broccoli unterschrieb, war ich aufgeregt. Brosnan, bekannt aus der TV-Serie „Remington Steele“, galt schon lange als heißer Anwärter auf die Rolle und schien dank seines Aussehens und seines Charmes prädestiniert für die Rolle. Doch das war nur die halbe Wahrheit. Weiterlesen

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Kein Idyll in Winters Bone

amerikanisches Teaser-PosterDas Erste, was einem bei WINTERS BONE einfällt, ist der Zweifel an der Authentizität des Gezeigten. Diese Welt ist so weit weg, dass man nicht an sie glauben will, und dabei ist sie doch so nah. In den tristen, farblosen Ausläufern der Ozark-Hochebene in Missouri kann nicht einmal die Sonne den Tag erhellen. Michael McDonoughs digital gedrehte Bilder sind kalt, unwirklich und trostlos. Dabei funktionieren sie wie das emotionale Herzstück des Films, das seine Figuren nicht nur umschließt, sondern auch zu durchdringen scheint.

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Stephen King – Under the Dome

Eine Fußnote aus Chester’s Mill

Stephen Kings neueste Veröffentlichung in Englisch zu lesen, ist aus zwei Gründen zwingend. Zum einen war die englische Originalausgabe sieben Tage früher im Handel erhältlich. Mit dem Wort Handel ist ein kleiner, überschaubarer Buchladen gemeint. Doch der gewichtigere und damit zweite Grund ist Kings kaum übersetzbares, ineinandergreifendes Spiel mit Populärkultur, Alltagsklischees, versteckter Politik, und lokal gefärbter Sprache. Ein Ergebnis der Tatsache, dass Stephen King der beste Schriftsteller aller Zeiten ist. Der letzte Satz dient selbstverständlich als reine Provokation.

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Harper Lee – Wer die Nachtigall stört

Ein Buch zum Verlieben

Ich bin ein sehr visueller Mensch. Daher kommt es, das ich Wer die Nachtigall stört im Fernsehen gesehen habe, bevor ich wusste, das es eine Romanverfilmung war. Ich habe den Film ein zweites Mal gesehen, als ich bereits wusste, dass es eine Romanverfilmung war, was mich aber nicht weiter beeindruckt hat. Warum sollte ich, bitte schön, drei Tage an einem Buch verschwenden, wenn der Film in zwei Stunden abgefeiert ist?

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DER PLAN – hätte einen selbigen benötigt

– ohne Spoiler geht nichts –

Zwei sich unbekannte Menschen treffen das erste Mal aufeinander. Dieses Aufeinandertreffen wirkt auf den vielversprechenden Politiker David Norris derart inspirierend, dass er noch am selben Abend von seinem Script abweicht und improvisierend die Rede seines Lebens hält. Als jüngster Anwärter auf einen Senatoren-Platz sichert ihm diese Rede schon jetzt die Wahl, die noch ein paar Jahre voraus liegt.

Das eine wäre ein Dialog, das andere eine Rede, die beide so geschliffen, durchdacht und perfekt im Drehbuch geschrieben sein müssten, dass der Zuschauer die Ausgangssituation dieses Films wirklich nachempfinden kann. Weder Dialog noch Rede sind in Philip K. Dicks Kurzgeschichtenvorlage beschrieben, es gibt keinen Politiker, keine geheimnisvolle Frau, und Dicks Hauptcharakter Ed Fletcher hat nicht das Geringste mit David Norris aus dem Film gemein. Weiterlesen

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Oscars 2011 – The 83nd Annual Academy Awards

Poster Motiv 4

ANDREAS: Außer Spesen …

Was, bitte schön, war das denn? Habe ich gerade die 83. Oscarverleihung komplett gesehen? Oder bin ich, ohne es zu merken, zwischendurch immer wieder mal eingenickt und habe ich die überraschendsten, die berührendsten, die komischsten Momente zufällig verpasst? Ich befürchte, dass das nicht der Fall war, ich befürchte, dass diese Show arm war an Überraschungen, an Emotionen und sogar an Witzen. Weiterlesen

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TRUE GRIT oder der Marshall und die mutige Mattie

Poster 2011

Als Charles Portis geboren wurde, da war zumindest in Arkansas vieles noch an der Tagesordnung, was man eher den rauen Sitten des sogenannten Wilden Westen zuschreiben würde. Da wurde noch ordentlich gehängt, und die gezogene Pistole auf dem Bürgersteig war nicht selten. Bestimmt gute Inspirationen, die zu einem Roman führten, der dann aber sechzig Jahre früher angesiedelt ist. Portis trat 1933 in El Dorado, Arkansas, ins Licht des Lebens, vollzog als guter Amerikaner eine kurze Armee-Karriere, studierte anschließend Journalismus und arbeitete fortan als Schreiber für diverse Zeitungen. Weiterlesen

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THE WALKING DEAD – die komplette erste Staffel

THE WALKING DEAD
seziert und gespoilert

Was ist der Zombie in unserer Gesellschaft? Dem Zombie fehlt schlichtweg die Aura des Mysteriösen, des Unnahbaren, des Interessanten. Jekyll und Hyde, der Werwolf oder die Katzenmenschen. Sei es Buffy oder alles, was an Vampiren durch die Nacht schleicht. Ein Mensch, erschaffen aus vielen Teilen anderer Menschen. Der Außerirdische, der im Wandschrank wohnt, oder Invasoren aus für uns unvorstellbaren, anderen Welten. Der Zombie ist einfach nur hässlich. Er ist nicht von inneren Dämonen getrieben und er hat auch keine wirklichen Ambitionen. Er riecht schlecht und es wird mit der Zeit auch nicht besser. Weiterlesen

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Paranormal Activity 2

– leichte Spoilerwarnung –

Wer nicht unbedingt blutiges Gekröse für ein angenehmes Gruselfest braucht, ist hier genau richtig. Wer dem nervenzehrenden Kitzel langer Einstellungen ohne begleitendem Ton etwas abgewinnen kann, kommt hieran nicht vorbei. Der zweite Aufguss der paranormalen Aktivitäten ist ein clever ausgedachtes Stück, das an keiner Stelle besser ist als sein Vorgänger, aber Freunden und Anhängern des ersten Teils genau das bietet, was sie gerne erleben möchten. Weiterlesen

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Fantasy Filmfest 2010 – Teil 1

Frisches Blut und alte Haudegen – Harry Brown

Dass der Genrefilm längst keinen Grund mehr hat, sich im Programmkino-Schatten des strahlenden Mainstream-Multiplex zu verstecken, beweist sich Jahr um Jahr am stetig wachsenden Erfolg des Fantasy Filmfests. Für die Macher des Filmfests um Gründer Rainer Stefan bedeutet Genrefilm expliziter Splatter genauso wie Psychoschocker – vom Gangsterfilm bis zur experimentellen Bilderwucht. Das heißt vor allem Thriller, Horror oder Science Fiction aus Norwegen, Schweden, Vietnam, Frankreich, Belgien oder Südkorea. Blut aus Amerika fließt dagegen verhältnismäßig sehr verdünnt durch die Venen des Filmfestes. Was das alljährliche Programm des FFF in reiner, grober, oft sehr derber Form zeigt, hat natürlich längst auch das modrige Fleisch des amerikanischen Mainstream-Kinos aufgefrischt. Aber Bluttransfusionen dieser Art sind nun mal stark verwässert. Wer wissen will, wie es im Kino zur Legimitation eines von PIRANHAS angeknabberten Penis kommen konnte, der sollte Peter Jacksons BRAINDEAD gesehen haben, ebenfalls ein früherer Beitrag des FFF. Nur, dass der eine Film vor blutigem Charme strotzt, der andere hingegen zur fauligen Effekthascherei verkommen ist

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Fantasy Filmfest 2010 -Teil 2

Zurück in die Vergangenheit – Solomon Kane & Centurion

Nahm man bisher auf dem Fantasy Filmfest Geschichtsunterricht, dann kam dieser meist in Form von asiatischen Epen aus Hongkong oder Taiwan. Mit 14 BLADES und LITTLE BIG SOLDIERS leistet China auch dieses Jahr wieder seinen Beitrag, den Schwert-und-Ehre-Freund in eine längst vergangene Zeit zu entführen. Bei LITTLE BIG SOLDIERS sogar mit einem gegen den Strich gebürsteten Jackie Chan. Aus Kanada kommt noch eine besondere Mixtur, wo Live-Rollenspieler mit ihren selbst erschaffenen Charakteren gegen die wirkliche Welt ankommen müssen. Das Ganze nennt sich dann THE WILD HUNT, und verspricht ein turbulenter Spaß mit der Gewalt eines Psychothrillers zu werden. Doch dieses Jahr werden Zeitreisen hauptsächlich von Großbritannien gesponsert und nennen sich CENTURION, SOLOMON KANE und, ganz heiß erwartet, BLACK DEATH.

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Christopher Nolans Inception

Ist es wirklich genug, dass man einen Film einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt? Sollte das nicht das Anliegen eines jeden ambitionierten Filmautors sein? Mit immenser Beharrlichkeit lässt sich Nolan einfach nicht in die Schublade des Regisseurs stecken. Er kommt eigentlich der Antwort auf die Hollywood-Standard-Frage am nähesten: wer in die Schuhe von Steven Spielberg wachsen könnte. Doch auf der anderen Seite ist Nolan den europäischen Meistern wesentlich näher. Nicht der stoischen Kälte von Bergman, aber der unkonventionellen Frische von Truffaut bestimmt. Für sieben seiner bisher acht Regiearbeiten hat er selbst die Bücher verfasst. Das funktionierte bei Woody Allen immer gut. In der sehr hochpreisigen Sparte des Hollywood-Blockbusters hingegen ist es eigentlich kaum vorstellbar.

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Toy Story 3

„Wir wussten, dass dieser Tag kommen würde. Jedes Spielzeug weiß, dass sein Besitzer einmal erwachsen wird.“

„Ja, aber dieser Tag ist jetzt.“

Es ist nicht mehr sehr eng in Andys Spielkiste. Wie die Zeit vergeht, geht der Junge doch in wenigen Tagen aufs College. Seine Spielsachen sind merklich ausgedünnt, in der Kiste wartet nur noch der restliche harte Kern darauf, ein letztes Mal bespielt zu werden. Oder in einem Plastikbeutel auf dem Dachboden darauf zu warten, wieder einmal ausgepackt zu werden. Schließlich ist man Andys Spielzeug, war es schon immer, und möchte es auch immer sein. Es ist eine eigenartig wehmütige Stimmung, die sich der Film schon in den ersten Minuten selbst auferlegt. Ob Buzz Lightyear oder Cowgirl Jessie, Mr Potato Head oder Dinosaurier Rex, das Spielzeug hat ausgedient. Lediglich Cowboy-Held Woody würde, als liebevolle Erinnerung, einen Regalplatz im Collegezimmer von Andy bekommen.

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KICK ASS kicks ass

Es ist die einfache Geschichte von Junge trifft Mädchen, Junge verliert Mädchen, Junge und Mädchen finden sich wieder. Alles schon mal dagewesen, und das nicht zu knapp. Der Verlierertyp, der die High-School-Queen nicht mit Heldentaten überzeugen muss. Doch da ist immer dieser unheilvolle Schatten des Unausgesprochenen. Es ist wie in jeder Romanze, die ein Reibungspotenzial benötigt, um die Liebe auf den Prüfstand zu stellen. Und nach altem Dramaturgie-Rezept verpasst es auch Dave Lizewski immer wieder, seiner scheinbar unerreichbaren Liebe Katie die Wahrheit zu gestehen. Denn je länger ein Geständnis auf sich warten lässt, desto größer wird schließlich der Vertrauensbruch bewertet. In jeder anständigen Romanze geschieht dieses Zerwürfnis in den letzten zwanzig Minuten, um dann zum tränenreichen Finale zu blasen. Bei KICK-ASS geschieht es in der Mitte des Films, dauert 30 Sekunden und danach möchte Katie, mit ihren eigenen Worten gesprochen, dem Helden nur noch das Hirn aus dem Schädel vögeln.

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